Unschönes Erlebnis heute morgen auf dem Weg ins Amt. Eine angedeutete Attacke auf mich, ein Angriff, eine Bedrohung. Ich finde das rechte Wort nicht dafür. Die Polizei habe ich nicht geholt. Wollte nicht, konnte nicht, hätte ich aber tun soll, denn der kranke Mann hatte vorher eine andere Frau angegriffen, geschrien, im letzten Moment von ihr abgelassen. Die angedrohte körperliche Attacke, im letzten Moment nicht ausgeführt.
Eigentlich fühle ich mich wohl in der Bahnhofsumgebung. Ich hab das schon öfters erwähnt. Der Bahnhof ist mir vertraut und wirkt heimelig und entspannend auf mich.
Aber heute Morgen hatte ich Angst. Das Schlimmste war plötzlich gegenwärtig. Da ist einer der dich vernichten will. Da ist einer, der den Hass mit sich trägt.
So viele Jahre sind vergangen und jetzt ist es soweit. Ich habe Angst, weil ich so viel über das Böse weiß. Weil die Angst mir überall in den Kopf eingetrichtert wird. Weil sie sich ein Gesicht sucht.
Mir fehlt das Fräulein ReadOn mit ihren seltsamen Geschichten. Mit ihren Kommentaren und ihrem Twitter-Leuchten.
Vielleicht finden ihre Angehörigen irgendwann die Kraft, die Erzählungen von Marie-Sophie wieder online zu stellen. Denn da gehören ihre Geschichten doch hin. In den virtuellen Raum einer besseren Welt.
Mir hat an Marie Sophie immer gefallen, wie sehr sie sich für eine bessere Welt eingesetzt hat. Auch dann als ich begriff, dass da etwas nicht mit rechten Dingen zuging. Bei mir kam der Punkt, als die Fragen an sie in den Twitter-Replays gestellt wurden und sie so heftig reagierte. Aber das war nicht so wichtig für mich. Sie schrieb ins Blog, sie lebte ein Online-Leben sie durfte auftrumpfen, selbst schwindeln im Namen der Gerechtigkeit und des Guten.
Ich bin mir ganz sicher, dass sie von einer der guten Märchenfeen abstammte. Bestimmt trug sie auch Gene der guten Elfe in sich. Sie war auf ihre Weise ein Frau voller Wahrhaftigkeit und mit einem barmherzigen Gemüt.
Egal was ich heute hier über sie schreibe, ich werde ihr nie gerecht. Nicht einmal im Ansatz.
Es ist so traurig, dass sie gehen musste. Sie fehlt in dieser Welt.
Gestern noch mal über das Einmischen nachgedacht, das Online oft als Zivilcourage abgefeiert wird, dessen Übergang zum Übergriffigen manchmal schleichend ist.
Für mich gilt da konsequent die Regel, dass ich mich nicht über den Kopf von betroffenen Personen hinweg einmischen kann, es sei denn es geht um Leib und Leben oder eine Straftat.
Jetzt denke ich schon eine Weile darüber nach, ob sich in dieser Hinsicht die Gesellschaft wirklich so sehr verändert hat, wie es mir vorkommt. Es scheint irgendwo immer ein Grüppchen Menschen in der Ecke zu stehen, die ins Spielfeld des Lebens fremder Menschen hineinrufen, was sie zu tun und zu lassen haben. Möglichst laut, möglichst derb, möglichst im Brustton der Überzeugung, möglichst von oben aus einer privilegierten Position heraus.
Früher gab es halt die zwei, drei bekannten Klatschbasen, Moralapostel und Besserwisser im Haus, in der Straße oder im Viertel. Heute haben die sich zu einem virtuellem Chor zusammengeschlossen und blöcken ihre Rechthaberinnen-Hymne durchs Netz.
Die Plattform mojoreads taucht schon seit ein paar Wochen immer wieder in meiner Timeline auf. Ich hatte sie für mich abgespeichert als „Irgendwas-Mit-Bücher-Kaufen“ und nicht weiter drüber nachgedacht.
Die meistens Bücher lese ich über die Onleihe oder bestelle sie mir über einen Anschaffungsvorschlag bei der Stadtbücherei. Und mein Reader-Problem habe ich immer noch nicht gelöst.
Aber weil ich experimentierfreudig bin, habe ich mich dort angemeldet und was soll ich sagen: es ist der Hammer. Es ist soviel mehr, als das was ich dachte. Es ist ein tolles nichtkommerzielles Projekt. Ein Netzwerk ohne Datenfalle, eine anwendungsfreundliche Plattform zum Mitmachen, Teilen, Kaufen und Lesen.
Es macht Spaß dort. Kommt alle hin!
Christiane Frohmann, Zoe Beck, Berit Glanz und noch ganz viele andere sind auch da.
31. Welches Buch
hast du zuletzt gelesen? Ich lese gerade „Das flüssige Land“ von Raphaela Edelbauer und zuvor
habe ich „Das Leben des Vernon Subutex“ Band 1 und Band 2 von Virginie
Despentes gelesen. Auf den Band 3 warte ich noch in der Onleihe.
32.Warum hast du
die Frisur, die du jetzt trägst?
Sie gefällt mir.
33. Bist du von
deinem Mobiltelefon abhängig?
Bin ich von meinem Geldbeutel abhängig? Ja.
34. Wie viel
Geld hast du auf deinem Bankkonto? Genug
zum Leben.
35. In welchen
Laden gehst du gern? In die Drogerie.
36. Welches Getränk bestellst du
in einer Kneipe? Rotwein. Allerdings gehe
ich nur noch selten in Kneipen.
37. Weißt du
normalerweise, wann es Zeit ist, zu gehen? Oh,
was ist das für eine Frage? Darauf gibt es mehr als eine Antwort. Gut, wenn ich
mich für eine Antwort entscheiden muss: Meistens.
38. Wenn du dich
selbstständig
machen würdest,
mit welcher Tätigkeit?
Die paar Male in meinem Leben in denen ich selbstständig Geld
verdienen musste waren sehr hart. Mit Nachhilfe, Putz- und Reinigungsarbeiten
und all so Kram. Ich verbinde mit Selbstständig arbeiten keine großen
Freiheitsgedanken, obwohl ich auch die fremdbestimmte Arbeit als sehr hart
empfinde. Es ist schade, dass es unsere Gesellschaft nicht schafft,
menschlichere Arbeits- und Rahmenbedingungen zu schaffen. Vielleicht ist mir
deshalb auch der Wirtschaft-ist-Care-Gedanke so wichtig. Kümmern: um
Menschen und Umwelt.
39. Willst du
immer gewinnen? Nein, aber ich mag auch
nicht verlieren. Oft möchte ich mich gar nicht messen. Jedenfalls nicht mit anderen
Menschen. Eher mit mir selbst.
40. Gehst du in die Kirche? Nur wenn es die Konvention erfordert bzw.
erwünscht.
Die Fragen stammen ursprünglich aus dem Flow Magazin, und Beyhan hat daraus eine PDF-Datei erstellt.
In meinem nächsten Leben möchte ich gerne als Igelin zur Welt kommen. Mich zur wehrhaften Kugel zusammenrollen können und mich privat und beruflich in meinen Bau zurückziehen dürfen.
In meinem vorherigen Leben durfte ich mich als Schnecke jederzeit in mein Haus zurückziehen, nahm das gute Karma mit zur Seelenwanderung und wurde im Zeichen der Schnecke in dieses rastlose Leben geboren.
Vergessen ist ein schweres Wort. Bringt so viel aus dem Gleichgewicht. Aber es lässt auch neue Bindungen wachsen. Ungeahnte. Un vermutete. Es ist gut, dass ich nicht weiß, wo mir der Kopf steht. Sonst könnt ich ihn verlieren.
Wenig besitzen, um reich zu sein. Eine soziale Romanzenfiktion. Wunschdenken vom Mittelstandsthron aus gesteuert.