Wütend. Weil der Stinkefinger der Mittelschicht so überheblich und arrogant in eine Richtung zeigt.
Politik ist auch das, was ihr jeden Tag lebt. Schon vergessen?
Wer nimmt einen unterwürfigen Proleten ernst? Nicht mal einen würdigen Namen habt ihr noch dafür.
Unterschicht. Bildungsferne Schicht. Hartz4ler. Altersarmut. Kinderarmut. Obdachlose. Wohnungslose. Unschuldig in Not-gekommene. Tafel-Gängerinnen. Kundinnen bei der Arbeitsagentur. Menschen mit Migrationshintergrund. Clan_Familien. Überhaupt: Problemfamilien und Problemkinder.
Ich bin stinkwütend über diese Arroganz und Überheblichkeit. Über die Super-Heldinnen-Geschichten und die globale Mittelstandsvernetzung.
Wer erzählt denn die Geschichten der Gedemütigten und der Stillen? Wer bestimmt die Rahmen und wer legt das Punktesystem fest?
Wie so oft vergesse ich vor lauter Sehen und Hören das Fotografieren. Später werden sie mir fehlen, die ungemachten Fotos. Die visuellen Erinnerungen werden sich ihre eigene Vorstellung kreieren. Mit viel Phantasie weit ab vom Wahrheitsrand.
Ich bin hier. Ich bin ich. Ich bin ein sehendes und hörendes Etwas. Ein Wesen auf Input eingestellt. Solange bis alles zuviel wird und sich die Schotten schließen.
Diese Woche schaue ich nicht nach rechts. Denn dort ist es viel zu ungemütlich. Ich schaue in die Welt und darüber hinaus.
Hab ich in der Sammelmappe schon den Account der Tante Inge bzw. der Ingeborg Loh erwähnt? Sie hat einen großen Schatz an Lebens- und Alltagsdokumentation in Form von Fotos und Kalendern hinterlassen, den ihr Neffe in Form eines Twitter- und Instagram-Accounts präsentiert.
Ich lese „Meine geniale Autorin“ von Nicola Bardola über das Verhältnis von Elena Ferrante zu ihren Texten, zur Öffentlichkeit und zu den Leserinnen und Lesern. Es geht voralllem auch um das Pseudonym und warum er es für richtig hält, dass über die Identität von Elena Ferrante spekuliert werden darf. Dass es für den Text auch wichtig ist, das zu tun.
Er steht auf dem Standpunkt, dass die Menschen in Deutschland in dieser Hinsicht zu streng reagieren. Er zieht als Erklärung für seine Argumente eine Vielzahl an Selbstaussagen heran, die in der deutschen Übersetzung erst vor kurzem zugänglich sind. In Italien schon seit 15 Jahren. Er argumentiert an diesen Selbstaussagen und hangelt sich durch ihre Texte.
Der 11. September zählt achtzehn Jahre. Es war ein seltsames Gefühl heute im Amt so viele Papiere mit diesem Datum abzuzeichnen. Als ob es ein Datum wie jedes andere sei.
Das eine einfach so hin schreibt neben die Unterschrift.
Achtzehn Jahre Hass und Gewalt. Ein Winter der Liebe und des Vertrauens wären jetzt dran. Dann ein Frühling der Nachhaltigkeit.
Zur Einstimmung könnten wir beginnen mit einem Herbst der Mitmenschlichkeit und der Solidarität.