Verinnerlicht

Es dauert immer eine Weile bis sich dieses Gefühl wieder einstellt. Dieses Gefühl bei mir zu sein. Ein Leben zu führen.
Mein Leben spielt sich im wesentlichen leise ab.
Und innen.
Das ist ganz besonders wichtig.

Ich kann nur bei mir sein, wenn ich mich in mich hineinversetzen kann. In mein Herz, in meinen Kopf in mein Gemüt.
Nur dann fühle ich mich wirklich lebendig.
Es ist nicht immer einfach, das Getöse, der Außenwelt abzuschalten.
Sie ist aufdringlich, sie ist penetrant, ist wirbt um Aufmerksamkeit. Sie braucht Aufmerksamkeit.
Ich sehe das ein, denn die Welt ist in Not. Ist in der permanenten Krise. Aber gerade weil ich das einsehen, verstehe und ebenso stark empfinde, brauche ich den Einstieg ins Innere.

Das Referendum

Vierzehn Menschen wurden verhaftet, die Stimmzettel beschlagnahmt. Das lese ich bei SPON.
Hier im kleinen Ort werden immer mehr Fahnen und Plakate aufgehängt. Der Freiheitsbaum trägt ein Democracia-Banner. Si, Si, steht überall.
Ab und an ist ein Plakat zerrissen. Wenige.
Jetzt tauchen neue Plakate auf, die eine neue Republik willkommen heißen.
Auf Facebook wird das so kommentiert, dass sich der Speckgürtel selbstständig machen will. Es geht um viel Geld.
Sehr viel Geld.
Aber es geht auch um Macht und Würde.

Wenn Populisten Politik machen, kommt meistens Gewalt heraus. So sieht es in Spanien im Moment auch aus. Ein korrupter Politiker der Partei, die von Franco gegründet wurde kennt nicht das Wort Diplomatie. Alles spitzt sich zu.
Überfall tanzen die Fahnen im Wind.

Sie werden wählen.
Da bin ich mir sicher

Katalonien

Die katalanische Flagge weht in der steifen Brise über dem Platz. Sie hat sie zur Hälfte befreit und das Resultat ist jetzt, dass sie absurd mit dem Wind tanzt. Wahrscheinlich misst sie mehr als fünf Meter – mein Auge ist nicht so gut im Messen – sie ist riesig. War es schon immer.
In den letzten Tagen sind neue Flaggen dazu gekommen. Das große Si! in der Comic-Kommentar-Variante hängt an vielen Balkonen. Daneben die großen Democracia-Banner.
Selbst am Apartment hängt ein Statement, das gab es noch nie in drei Jahrzehnten.

Es geht um Geld, aber auch um Würde. Es läuft etwas schief würde ich sagen. Dieser Machtkampf wird ungut ausgehen. So ist das wenn Populisten Politik machen. Alles was sie hinterlassen ist verbrannte Erde.
Die Katalanen halten aus in Barcelona. Was da geschieht, das mögen sie nicht.

Take Care

2017 – das Jahr in dem Berufspolitikerinnen nicht ahnen, wie notwendig Care-Arbeit ist.
Das liegt einfach daran, dass Berufspolitiker sich von Anfang an selbst gebären, stillen, ernähren und wickeln. Später sind sie nie krank. Außerdem begleiten sich Berufspolitikerinnen in allen Krisenzeiten gern selbst, nutzen höchstens die familienfreundlichen Facilities der Ämter.
Auch zum Ende ihres Lebens als Demenzkranke oder körperlich beeinträchtigte Menschen brauchen Berufspolitiker never ever Care-Arbeit.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann wissen Berufspolitiker auch heute noch nicht, was Care-Arbeit alles leistet.

Halleluja!

Heimat ist dort, wo die Träume mich finden

Tage gemessen am Format des Sprüchekalenders
Weisheiten gelöffelt und für unverdaulich gehalten
die wichtigsten Lebensentscheidungen nach Feng Shui ausgerichtet

Immer mit Netz und doppeltem Boden trainiert
das Herz in der Hand betrachtet
leise summend die letzten Lebensgeister vertrieben
Heimat ist dort, wo die Träume mich finden

Du sagst es

Du sagst es

von Connie Palmen

Cover mit den Portraits von Sylvia Path und Ted Hughes

Das Buch kommt als fiktionale Biografie daher und brachte mich mindestens auf 180. Preisgekrönte Literatur, die sich auf einer schäbigen Klatsch-und-Tratsch-Ebene ausagiert.

Ted Hughes hat sich zu Lebzeiten nicht geäußert zu seiner Ehe mit Sylvia Plath, wie gut dass da eine Frau daher kommt und fiktional in seinem Sinne spricht. Damit endlich klar wird, dass alle anderen Zeitzeugen nur von ihren niedrigen Instinkten geleitet wurden, als sie sich über Sylvia Plath äußerten.

Das Buch ist ärgerlich. Wie authentisch es ist, kann ich nicht sagen, weil mir das Hintergrundwissen fehlt. Aber das spielt da auch schon fast keine Rolle mehr.

Ich habe nichts grundsätzlich gegen Klatsch und Tratsch, denn der gehört zur menschlichen Kommunikation und erfüllt in einer Gesellschaft bestimmte Funktionen. Ist unter anderem dazu da Spannung abzubauen, Gemeinschaftsgefühle zu erzeugen. Was ich nicht mag, ist wenn er sich als intellektuelle Analyse tarnt. Als neue Perspektive, die noch niemand eingenommen hat. Das ist dann doch etwas zu schäbig und nicht nach meinem Geschmack.

Als ob sie träumend gingen

Als ob sie träumend gingen
von Anna Baar

Sprachmächtig? Ja, insofern es eine mit seiner Sprache komplett erschlagen kann.

Das muss nicht für jede Leserin gelten. Ich brach das Buch ab, weil es mir nicht gut tat es weiter zu lesen. Die Beschreibung einer gewaltsamen Zeit in einer gewaltigen Sprache, war mir einfach zu viel.
Ich kann mir aber gut vorstellen, dass das Buch seine Leserinnen findet. Nicht zu mimosenhaft sollten sie sein und fasziniert von der Vergangenheit.

Den Titel finde ich ganz wunderbar. Er klingt in mir und löst zahlreiche Bilder aus. Allerdings nicht solche, wie sie dann der Roman offenbart.

Gedächtnis jäten

Mit dem Alter wächst der Garten der Erinnerungen. Jedes Jahr kommt ein Stück hinzu und mittlerweile besitze ich eine ganze Parklandschaft davon.
Vorne sind die kleinen gepflegten Beete, aber gleich hinter dem Ententeich geht es los. Lange bin ich dort nicht mehr gewesen, hab in der Hektik des Alltags nur vorne am Lageplan gestanden und mir gedacht, dass ich doch auch mal wieder beim Rosengarten meiner Jugendlieben, dem Kinderkarussell und den Ponys oder bei der Liegewiese vorbeigehen sollte. Da sind mittlerweile so viele vernachlässigte Plätze, so viele Beete sind ungejätet, das Unkraut wuchert wild und verdirbt den Blick auf die schönen. Erinnerungen. Manche Ecke ist schon abgesperrt, weil sie unzugänglich wurde und an anderen Wegkreuzungen, liegt nur noch Schutt und Schotter.

Da das Leben im Wesentlichen durch die Geschichten und Erinnerungen lebendig ist, da wir ohne Erzählung nicht denkbar sind, verschwindet mit jeder Erinnerung ein Teil von uns.

Mehr Details

Einzelheiten. Ich brauche mehr Details um mir ein Bild zu machen. Mehr Ausführungen. Mehr Identifikationsmöglichkeiten.
Von von allem ein bisschen mehr.

Storytelling nennt sich das heutzutage. Ein Leben ist nur sichtbar, wenn es erzählenderweise seine Spuren als Geschichten zurücklässt.

Jetzt soll dein Leben also nicht nur gelebt werden, nein!, es soll sich in trollige Geschichten unterteilen lassen. Viel Spannung und zum Schluss möglichst noch ein Happy End. Denn ganz so traurig mögen wir die Stories dann doch nicht. Und vor allem nicht so grausam, wie das Real Life. Denn das schaft selbst grausam nur in einem grau in grau Ton.

Ich wünsche mir aber auch manchmal mehr Details im eigenen Leben und weiß doch wie keine andere: dass die vorhandenen Einzelheiten mich schon begraben. Mir die Luft zum Atem nehmen.

Auf der Suche

Bin auf der Suche.
Nach dem Ausweg, nach dem Gefühl.
Bin immer auf der Suche.

Wo ist der Notausgang?
Und darf ich den benutzen?

Notausgänge haben die Eigenschaft, dass sie dich nicht unbedingt wieder hineinlassen. Du bist draußen, wenn du den Notausgang benutzt.

Du musst eine Strafe zahlen, wenn du die Notbremse mutwillig ziehst. Mit diesem Satz bin ich quasi aufgewachsen. Ich sah ihn sechs Jahre lang täglich 30 min Morgens und 30 min Mittags vor meiner Nase. Die Zeit, die ich eingekeilt in der Straßenbahn verbrachte, die mich zu meiner Schule fuhr.

Wer würde denn jemals diese Notbremse ziehen? Wenn da eine Strafe gleich miteingebaut ist?