Ich habe alles unter Kontrolle. Jede Minute meines Lebens.
Ich habe mich im Griff, habe alles im Blick. Das steht sogar auf meiner Tafel im Büro.
Alles im Blick.
Und darüber hat jemand ein strenges Augenpaar gemalt.
Keine Ahnung wer das war.
Alles im Blick. Alles im Griff.
Die Tarnung ist wohl aufgeflogen. Oder war nicht ganz so gelungen, wie ich dachte.
Gehen wir einfach von einem Zufallstreffer aus.
Das hilft beim Weitermachen.
Ich lege mir ein beruhigendes Deckmäntelchen zu und strahle Unbesorgtheit aus.
Und lege heimlich die Erbse unter das andere Bett.
Immer wieder der verzweifelte Versuch durch das akribische Dokumentieren und Festhalten, die Kontrolle zurück zu erlangen.
Verzweifelt und sinnlos.
Hartnäckige Hoffnung. Unsinnig noch dazu.
Jeden Tag erlebe ich spezielle Aufführungen auf großer Bühne. Auf der Leinwand erschienen sie viel zu platt, hier im Büro treiben die Klischeesprossen aber besonders gut.
Meine besondere Fähigkeit: hintersinnige Beobachtung.
Ich bin die Meisterin des Lesens zwischen den Zeilen.
Am Liebsten lese ich die, die sie mir gar nicht preisgeben wollten.
Ganz still nehme ich sie in mich auf.
Schon längst in Auflösung begriffen.

*** hab die Weihnachtsfeier überlebt *** den Schreibtisch verkrümmelt *** mich von den WerbeNervesägen vergrätzen lassen *** das rührende Interview von Handkes Tochter gelesen *** mich aus dem Staub gemacht *** mein Lieblingsbuch verschenkt *** an meine Schwester gedacht *** Einkäufe geplant und nicht getätigt *** mich an der Onleihe erfreut *** den Mond bewundert – am liebsten angebetet *** mir Raum genommen *** mir Zeit geschenkt *** gekramt in allen Taschen *** gerätselt über Anrufslisten *** doofe Witze über verlassene Pakete gemacht *** gefuttert und reingehauen *** seltsame Rezeptbeigaben erfunden *** mich in Geduld geübt *** gesorgt und geliebt *** den Freifunk-Stammtisch verpasst *** die Erinnerungen sacken lassen *** be- und verwundert *** und zuletzt noch geträumt ***

Weiß ist es heute.
Und kalt.
Der Schnee probt schon mal vor für Weihnachten und bepudert alles. Am romantischsten natürlich die von der Kindergruppe geschmückten Weihnachtsbäume in Bornheim.
Bei mir ganz profan die Wäsche auf dem Wäscheständer auf dem Balkon.
Aber unter dem Schnee wird fast alles zur Idylle.
Mit Ausnahme der obdachlosen Menschen vor der Bäckerei natürlich. Armut lässt sich nicht bepudern.
Zitate aus dem Buch “Trügerische Sicherheit“ von Peter Schaar

“In der Demokratie stehen Freiheit, Sicherheit, Gleichheit und Gerechtigkeit in einem fragilen Verhältnis zueinander. Stets besteht die Gefahr, dass dieses Gleichgewicht gestört wird und damit die Statik des Gesamtsystems verloren geht.“
Peter Schaar geht in dem Buch “Trügerische Sicherheit“ dem Gleichgewicht zwischen diesen vier Säulen auf dem Grund und beleuchtet die dazugehörigen Aspekte. Er steigt dazu tief in die politischen Zusammenhänge ein, die zu einer übermächtigen Angst vor Terror und Kriminalität führte. Außerdem zeigt er sehr deutlich auf, warum es kein “Supergrundrecht Sicherheit“ geben kann.
“Grundrechte sind dann bedeutsam, wenn staatliche Stellen in die Freiheit der Bürgerinnen und Bürger eingreifen wollen. Grundrechte, die immer dann zur Disposition gestellt werden, wenn dies aus staatlicher Sicht oder nach der öffentlichen Stimmungslage gerade opportun erscheint, sind nichts wert.“ Peter Schaar macht sehr deutlich, dass ein staatliches Gewaltmonopol ohne demokratische Kontrolle in einer Diktatur endet.
“Fakten verlangen Reflexion, während man die noch so abstrusesten Theorien einfach glauben kann.“
Das ist leider genauso. Wir müssen uns erst durch die Fakten kämpfen und uns dann ein eigenes Bild machen, um zu unserer Meinung zu kommen. Das ist anstrengend und fordert uns. Aber es ist auch ein Privileg in einer freiheitlichen Gesellschaft.
claudia Dezember 2nd,2017
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Eben gelernt, dass selbstgemachte Meisentöpfchen so viel besser sind als gekaufte Meisenknödel, weil sich in ihrem Netz die Vögel verletzen können.
Wieder was dazu gelernt.
Der dritte Band der neapolitanischen Saga von Elena Ferrante haut so richtig rein. Die beiden ersten Bände empfand ich eher wie so ein Sog, der eine immer weiter in die ausufernde Erzählung hineinzog.
Im dritten Band treffen die Welten der beiden Freundinnen und ihren Familien mit Schmackes aufeinander. Die Intellektuellen und die Armen, die Kommunisten und die Faschisten, die Gewalt und die Demütigung. Und nicht zuletzt die Frauen und die Männer. Die Starken und die Schwachen.
Alles aus Frauensicht und von einer Erzählerin vorgetragen, die es sich wagt, ihre Protagonistinnen auch in einem schlechten Licht darzustellen. Jetzt schlagen die Funken aus den Reibungen der parallelen Biografien.
Jetzt schlägt das Ferrante-Fieber erst so richtig zu.
Es gibt eine Informationsstrategie der Mächtigen im Umgang mit den Mitbestimmungsgremien, die nennt sich Informationsflut.
Überschütte sie mit Informationen und sie werden sich darin vergraben, werden die wunden Stellen nicht finden, werden in der Aufgabe zu sichten und zu priorisieren untergehen.
Diese Strategie passt gut in unsere Zeit. Mit Worten lassen sich Machtkämpfe austragen, nicht unbedingt durch die Inhalte, die die Worte transportieren. Manchmal durch ihre große Anzahl oder durch die Lautstärke mit der sie durch reale und virtuelle Räume schallen.
Die große Kunst Weisheiten in kurze Sätze und kompakte Gedanken zusammenzufassen wird gelegentlich gelobt und selten angewandt.
Die Untugend der Wortverschmutzung breitet sich aus.
Was für eine Unhöflichkeit, die Aufmerksamkeit der anderen ständig so ausufernd zu missbrauchen. Fasse dich kurz. Stand früher an den Telefonzellen. Damals aus monetären Gründen. Menschen in Wortwolken einzuhüllen passt nur, wenn es um emotionale Bezüge geht. Wenn das Gespräch ein Austausch von Zuwendung ist. In sachlichen Zusammenhängen sind Wortwolken unnötig und ärgerlich – sie zeigen ein Machtgefälle zwischen der Person, die ihre Wortgewalt zum Einsatz bringt und der, die sich dieser aussetzen muss.
den Tag in Stücke gießen
in kleine Häppchen
nicht eins davon verdaulich
aber alle in Sorgfalt
gepackt
Die Sammelmappe ist kein geeigneter Ort um Geschichten zu erzählen. Eher ein geschützter Gedankenraum in dem ich mich ausbreiten kann.
Manchmal ist das etwas schade, aber es gibt eben die unterschiedlichen Schreibplätze. Jeder hat seine Eigenheiten, jeder steht für eine andere Schreibsituation.
In der Sammelmappe versuche ich trotzdem Meilensteine zu hinterlassen, Markierungen und Wegweiser, damit ich einst aus der Zukunft heraus zurück schauen kann.
Im Augenblick werfen große persönliche Ereignisse ihre Schatten voraus. Sehr intensive. Mein Leben wird sich verändern und ich bin sehr dankbar darüber. Die Zeit ist so kostbar, ich weiß die Tage zu schätzen. Jeden einzelnen.
Ich bin sehr glücklich, sehr erfüllt. Aber klar, dass mein Kopf auch gleich mit dem Ausmalen beginnt. So oder so könnte es gehen, so oder so soll es sein. So oder so will ich es haben.
Ich mache Pläne, kleine Pläne. Ich mag diese Zeit.