Augenblicke

So viele Jahre. So viele Augenblicke. Geblieben ist die Sehnsucht nach dem tiefen Gefühl.
Oft so bittersüß. Manchmal atemraubend.
Die Liebe, die Liebe.
Sie wandelt sich.

Meine Zauberkraft ist die Liebesfähigkeit.
Mein Rezept ist das Einlassen und das Durchdringen.
Meine Hoffnung hält stand.

So viele Jahre.

So viele Augenblicke.

Reise nach Orkney

Reise nach Orkney von Amy Sackville

Es gibt diese Geschichten, die voller Spannung sind, obwohl äußerlich gar nicht viel passiert. Die Reise nach Orkney fällt eindeutig in diese Kategorie. Von Anfang an hängt eine düstere Vorahnung über den beiden Protagonisten, die sich in der Landschaft, dem Meer und dem Wetter widerspiegelt.
Amy Sackvilles beschreibt grandios die Stimmungswechsel und die Atmosphäre der Insel auf der ein ungleiches Paar ihre Hochzeitsreise verbringt. Dazu packt sie noch die Mythen und Sagen aus der Vergangenheit in ihre poetische Erzählung.

Ein stilles Buch, das die Dramatik ganz aus den lyrischen Beschreibungen zieht.
Atmosphärisch großartig.

feuerrot

Der Himmel ist feuerrot, aber das ist auf dem Foto nicht zu sehen.

Es gibt so viele Varianten der Realität.
Das ist beruhigend und beunruhigend zugleich.

Ich entscheide mich jedenfalls heute für die feuerrote Variante. Das ist die, die mir am Lebendigsten erscheint. Die einzige für die es sich zu leben lohnt.
Feuerrot.

Heute habe ich keine Angst mehr vor den alternativen Fakten. Das Patriarchat wankt als Zombie daher. Es kann nicht sterben, ohne noch ein einziges Mal so zu tun, als wäre es noch lebendig. Wir sehen ihm beim Sterben zu.
Nichts wird groß dabei und nichts lebendig.

leiser

Wie so oft in meinem Leben reagiere ich auch auf die derzeitige politische Situation ganzheitlich.
Das Mimosenseelchen zieht sich zurück und leckt ihre Wunden.
Es ist laut da draußen. Sehr laut.

Schreist du, dann schreie ich lauter. So will es das Ritual. Niemand möchte ungehört bleiben.

Laut. Stolz. Auf der richtigen Seite sein. Das ist gerade sehr wichtig da draußen. Aufrecht stehen. Ausrufezeichen. Appelle.

Gewaltfreiheit ist nicht länger Konsens. Vielleicht war es das noch nie und ich habe es nicht bemerkt.

Es ist laut da draußen und ich verstehe, dass das für einige Menschen auch so sein muss. Dass sie gehört und gesehen werden wollen. Dass sie die Hoffnung haben, dass die Welt sich wieder verändert, wenn sie als letzte und am lautesten ihre Wahrheit, ihre Meinung und ihre Überzeugung in den Kampf geschrien haben.
In der Realität des Kindergartens wird dieser Kampf von einer höheren Macht beendet. In unserer Realität verfügt das böse Kind über fiese Spielzeugwaffen.

Je lauter es draußen ist, desto mehr Stille brauche ich.
Mir tut es körperlich weh, die wenigen Nachrichten aus der Weltpolitik zu ertragen, die ich an mich ran lasse.

Mein Intellekt weiß ganz genau, was da gerade passiert. Er weiß auch um das große Privileg der vergangenen Jahre. Geboren zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ein kleines Raum-Zeit-Fenster für Leben ohne Kriegsbedrohung und Hunger.

Mein Körper und meine Seele trauern. Sie müssen den Abschied von einer Epoche verkraften. Nicht dass ich keine Hoffnung hätte – nein, das kann ich so nicht sagen.
Aber die Hoffnung, die hat im Moment hier noch keinen Platz.

Zuerst gilt es Abschied zu nehmen.

Das Kleid meiner Mutter


Das Kleid meiner Mutter von Anna Katharina Hahn

Der Roman startet 2012 mitten in der Krisen-Realität der spanischen jungen Menschen und wechselt mit viel Fantasie zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. Tagebuchauszüge, Rückblicke, Briefwechsel, die Autorin verarbeitet abwechslungsreich die verschiedenen Handlungsstränge. Es entsteht eine surreale Erzählung, die mich vom ersten Moment an mitriss.

Liebe, Krieg, Schreiben, Erwachsenwerden, wirtschaftliche und seelische Unabhängigkeit – alle großen Lebensthemen finden Platz in diesem Buch.

Ein erzählerischer Genuss für Menschen, die nicht immer fest am Boden der Tatsachen kleben möchten.

eine Ahnung von Frühling

Kalt ist es draußen.
Dennoch liegt eine Ahnung von Frühling in der Luft.

Vielleicht ist es das Licht, das sich über den Hang ergießt?
Oder die Vögel, deren Gezwittscher den Weg durchs geschlossene Fenster findet?

Der Frühling wird kommen.
Eine Hoffnung, die sich vergewissert.

Die Bäume werden knospen, das Gras wird sprießen, die Pollen werden fliegen.

Ich halte mich an der Hoffnung fest. Im Privaten, wie im Politischen.

Es ist kalt da draußen.
Aber der Frühling wird kommen.

erschöpft

Gerne möchte ich die Erschöpfung an mir abtröpfeln lassen, aber es gibt ein technisches Problem. Ein inneres Leck.
So rinnt denn auch meine Seele voll bis oben hin mit Erschöpfungstropfen.
Mittlerweile ist auch der Überlaufbehälter namens Körper vollgelaufen und ich strecke alle Viere von mir.

Ich bin erschöpft.
Heute hat mich diese Krankheit aus der Vergangenheit erwischt. Volle Breitseite sozusagen.

Jetzt ziehe ich den Stöpsel und setze auf Entleerung.

Was ich nicht brauche, kann auch weg.

aufgefallen

Ich mag diesen Fensterblick zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Muss mir jetzt noch zwei Links festhalten. Den über die Socialbots.
Dann noch IFTTT – If this than that. Damit kann man sich Dienste gegenseitig vernetzen. Auch nicht schlecht.

Auf Facebook ist mir gerade aufgefallen, wie viele tolle Sachen ich mit dem Internet gelernt habe und wie viele tolle Menschen ich durch das Internet getroffen habe.

Mir ist es ein Rätsel, dass es so viele Menschen gibt, die Internet-Abstinenz für eine intellektuelle Großtat halten.
Leises Bedauern meinerseits, denn ich gönne allen etwas ab vom Guten.

Ihr verpasst was, kann ich da nur sagen.

Als letztes noch: ich bin ganz sicher, dass Stricken die Welt verbessert und befriedet. Ebenso wie häkeln, spinnen, nähen und was es da noch so alles gibt.

Merkt ihr was?
Ich blogge mir die Welt, wie sie mir gefällt.

es sprießt

Hab heute ein Handvoll Lob geerntet und jetzt sprießen schon die Knospen.

Stephan Hawking

Jetzt wird er 75.
Überirdisch im Geist. Überirdisch im Körper.

Was bedeutet die Zeit? Was bedeutet das Leben?

Sie.
Sie hat es nicht geschafft.
So stark.
So präsent.
So sehr von dieser Welt.

Mir bleibt es ein Rätsel, wie ein Mensch so körperlos leben kann.

(Dabei weiß ich genau: Körperlos ist Wunschdenken. Die Muskeln schwinden, die Schmerzen brennen.)