überdreht

Das Garn war dieses Mal ziemlich überdreht. Sah lustig aus nach dem Entspannungsbad. Ganz wirr mit sich selbst verdrillt. Leider vergesse ich in solchen Augenblicken immer zu fotografieren. Das Foto zu Dokumentationszwecken ist immer noch nicht in meiner Alltagsroutine angekommen.

Manchmal mache ich mit bei der #12von12 Challenge. 12 Fotos aus dem Alltag aufgenommen am 12. eines Monats. Aber meistens schaffe ich die 12 Fotos nicht.
Dazu bin ich einfach nicht visuell genug ausgerichtet. Ich merke mir selten wie Straßen, Häuser oder Menschen aussehen. Wie Menschen gekleidet sind oder welche Frisuren sie haben erreicht mich ganz selten.
Beschreibungstechnisch meine ich damit.
Ganz im Ernst könnte ich mit einem Menschen im Nachthemd oder im Schlafanzug ohne zu Zucken ernsthafte geschäftliche Verhandlungen führen.
Eindeutig ein Vorteil in der Karnevalzeit.
Was mich allerdings ängstigt, sind Masken, die den Kopf völlig verdecken.
Da bekomme ich Horrorclown-Gefühle, weil mir das menschliche Angesicht als Anker fehlt.

zu Ende

Ein seltsamer Tag geht zu Ende. Viel zu angefüllt und mächtig über das Tempolimit hinausgeschossen. Trotzdem möchte ich ihn am Liebsten am Zipfel festhalten. Geh noch nicht weg! Bleib noch kurz bei mir!

Manchmal fehlt mir die Pause-Taste im Leben. Damit ich hinterher komme und nichts verpasse. An das Vorbeirauschen werde ich mich nie gewöhnen.

Genauso wenig wie an die abenteuerliche Autokorrektur auf dem Tablet in meiner Hand.

Zum Glück kann ich mir mit jedem Tag mehr Unzulänglichkeiten verzeihen. Hat so lange gedauert, bis ich diese Lebenstechnik begriff.

The Bletchley Circle

The Bletchley Circle ist eine Krimi-Serie mit vier ganz unterschiedlichen Protagonistinnen, die eins gemeinsam haben: Ihre Vergangenheit. Sie arbeiteten im zweiten Weltkrieg als Kryptoanalytikerinnen in Bletchley. Dort wurden die Codes der deutschen Wehrmacht von den Engländern auseinander genommen und oft auch geknackt.
Es sind kluge, außergewöhnliche Frauen, die nach dem Krieg ins zivile Leben kehren und dort die für Anfänger der Fünfziger üblichen Frauenleben führen. Bis sie sich in den Kopf setzen, einen Serienkiller zu finden.
Nicht der schlechteste Aufhänger für eine Krimiserie.

Anmerkung:
Bletchley Park war eine militärische Einrichtung mit einem außergewöhnlichen Hintergrund. Streng geheim. Die Menschen, die dort mitarbeiten, durften lange mit niemandem darüber reden. Auch – oder gerade nicht – mit den Angehörigen.

Binde zwei Vögel zusammen

Binde zwei Vögel zusammen ist der Titel des Romans von Isabelle Lehn.

Als ich einen Auszug aus dem Roman bei den Lesungen zum Bachmannpreis in Klagenfurt hörte, war ich ratlos und wusste so gar nicht, was dieser Text will.
Krieg, Krieg spielen, Krieg üben, Krieg simulieren. Dazu die Verbindung mit prekären Lebensverhältnissen. Ein Text der viel will, viel kann, viel konstruiert. Ein Text, der seine Herkunft aus einem Literaturinstitut nicht verstecken kann.

Nach dem Lesen des ganzen Romans sind viele Fragen geblieben.
Ein Spiel mit den Identitäten. Was ist Traum? Was ist Wahn? Was ist Realität?
In welchem Leben kann der Protagonist noch leben?

Vieles bleibt rätselhaft.
Aber die Bedeutung des Krieges für unsere Gesellschaft wird schonungslos herausgestellt. Auch die Schäden, die der Krieg selbst dort anrichtet, wo er gar nicht direkt ausbricht. Die bösen Schwingungen der Gewalt und des Militärs.
Das ist gnadenlos beobachtet.

sauer

Ich bin stinksauer.
Und müde.
Und entschlussfreudig.

Mir reicht es.
Jahrelang habe ich mir das Mittelstandsgequatsche angehört, jetzt bin ich raus aus der Diskussion. Ich habe mich selbst davon überzeugt, dass ich mir das nicht mehr antun muss. Diese überheblichen, arroganten Diskussionen über das Leben in Armut bzw. an der Armutsgrenze. Was da alles möglich und machbar ist. Was alles passieren soll.
Wie wir das alles am Besten so gestalten, dass der Mittelstand kein schlechtes Gewissen haben muss.

Ich habe das so satt. Zu den schlimmsten Auswirkungen der Armut gehört, immer von oben herab betrachtet zu werden. Ausgegrenzt zu werden. Außerhalb deines wirtschaftlichen Wirkens nicht wahrgenommen zu werden.
Respekt. Wo bleibt der Respekt?
Der scheint nicht nötig zu sein. Vergessen wird dabei, dass aus einer Machtposition heraus diskutiert wird.
Egal wie groß die Angst des Mittelstands vor dem Abstieg ist, noch sind sie nicht abgestiegen. Noch ist das Machtgefälle da. Aber weil sie sich zwanghaft vormachen müssen, dass sie ihre Würde auch in Armut aufrechterhalten, sprechen sie sie den anderen kurzerhand ab.

Ich habe die Nase jetzt voll.
Ich bin raus aus der Diskussion. Wer meint von oben her und aggressiv diskutieren zu müssen, kann das tun.
Ohne mich.

vergewissern

Mich schreibend vergewissern.
Tag um Tag den Anker auswerfen und ihn dann doch wieder einzuholen.
Im Blog. Auf dem Papier. Im Geiste und im Geheimen.

Das Leben wird wahr, wenn es beschrieben ist. Es verselbständigt sich und schafft eigene Erinnerungen. Neue Lebenswege.

Schreibend Fakten schaffen. Neue Perspektiven einnehmen.

Im Großen und im Ganzen. Im Kleinen und im Verborgenen.

resist

Immer daran denken

Bernice King, die Tochter von Bürgerrechter Martin Luther King, nennt 10 hilfreiche Regeln für Aktivismus gegen die derzeitige US-Regierung.

travelling lady

Wortschnittchen geht auf Reisen.

Freundschaften

Vielleicht bin ich in den letzten Jahren schlechter in Sachen Freundschaften geworden.
Falls ja, wäre das keine schöne Entwicklung. Ich bin ungeduldiger und vielleicht auch anspruchsvoller – auf eine unschöne Art – geworden.
Es mag am Lebensalter liegen oder an der Arbeitssituation. Die üblichen Ausreden halt, die einer so einfallen mit schlechtem Gewissen.
Oder vielleicht doch die Notwendigkeit mit der Lebensenergie haushalten zu müssen. Als introvertierter Mensch standzuhalten, in einem Job, der Extro-Kompetenzen erfordert.

Noch immer schaffe ich es nicht, die schimpfenden Stimmen in mir auszublenden. Rechtfertigung für alles und jedes ist ständig nötig.
Aber dann schaue ich zum Fenster hinaus und denke daran, dass der Frühling kommt.
Und alles wird gut.

Davon träume ich.

Please like me

„Please like me“ ist der Name der australischen Serie, die mich total in ihren Bann gezogen hat.
Netflix sei Dank, bewege ich mich im vorangeschritten Alter geistig aus dem Bereich des deutschen öffentlich-rechtlichen Bildungsfernsehns heraus und erhalte Zugang zu neuen Welten.

Ich lasse mich ein auf die Geschichte und lerne Charaktäre kennen, die ich innig mag. Nie habe ich erlebt, dass psychische Krankheiten mit ihren Höhen und Tiefen so ernsthaft-komisch, so seriös-lustig in einem filmischen Medium verarbeitet wurden.
Und nebenbei habe ich einiges über schwulen Sex gelernt.

Die Serie, die halbbiografisch um das Leben des australischen Komikers Josh Thomas kreist, gehört wohl leider in die Kategorie hoch gelobt von den Kritikerinnen und mit Auszeichnungen überhäuft, aber eine kleine, begeisterte Zuschauergemeinde. Jedenfalls nicht genug um die Serie nach der vierten Staffel fortzusetzen.

Ich schreibe mit Absicht nicht mehr über den Inhalt der Serie in diesen Blogartikel, weil ich niemandem den Einstieg in die Atmosphäre der Geschichten vermasseln möchte.
Mich hat es jedenfalls eiskalt erwischt.

Das war Liebe auf den ersten Blick.