Alles kein Zufall

Alles kein Zufall – Elke Heidenreich

Mit Elke Heidenreich geht es mir wie bei Radio Eriwan. Im Prinzip ja, aber …

Im Prinzip halte ich sie für eine starke Frau, aber ich ertrage sie nicht. Zu laut, zu hektisch, zu penetrant. Vor zwanzig (oder waren es dreißig?) Jahren habe ich ein Buch mit Erzählungen gelesen, da fand ich mein Leben und meine Herkunft seltsam gespiegelt und dachte : Nein, danke! bei mir.

Bei der Onleihe konnte ich jetzt gefahrlos ihr Buch herunterladen, mit einem Klick wäre es ja problemlos wieder zu geklappt. Kurze Geschichten lautet der Untertitel und kurz ist gut dachte ich.

Kurz war besser als erwartet. Kurz war kürzer als gedacht. Kleine Miniaturen. Unverkennbar Elke Heidenreich. Ich hörte ihre Stimme während ich las und da mein Gehirn diese Stimme stimmig runterregelte, war es auch nicht unangenehm. Es sind ganz viele Kleinst-Erzählungen, Anekdoten mit autobiografischen Hintergrund.

Ich habe sie in einem Rutsch durchgelesen und mich erfreut an ihnen.

Ein Engel an meiner Tafel

Janet Frame – Ein Engel an meiner Tafel

Eine junge neuseeländische Schriftstellerin landet in der Psychiatrie und wird nach Jahren wegen ihrer Erfolge als Schriftstellerin wieder entlassen. So lautet der Inhalt des Buches und des bekannten Films dazu und so stellte ich mir den Inhalt auch vor: Leicht süßliche Tragödie mit Happy End. Aber da täuschte ich mich.
Es ist die Autobiografie einer unangepassten, introvertierten jungen Frau voller Schüchternheit. Das macht die Erzählung zu etwas besonderem, denn es gibt zahllose Erzählungen über unangepasste, extrovertierte und kämpferische Frauen, aber ganz wenige über schüchterne, hoch sensibel veranlagte. Janet Frames Autobiografie ist mittlerweile ein Klassiker und sehr berührend. Sie beschreibt, wie es dazu kommen konnte, dass sie sich von ihrer Schüchternheit in auswegslose Situationen treiben ließ. Dass sie immer weiter auf den Abgrund der Krankheit zu lief. Dass der Name der Krankheit Schizophrenie ihr Deckung, Schutz und Aufmerksamkeit gab, die sie so sehr suchte, sie aber dann in die Tiefe riess. In die Tiefe der psychiatrischen Behandlungsmethoden der 40er und 50er Jahre, die aus Demütigungen, Freiheitsberaubung, Elektroschokbehandlungen und Gehirnoperationen bestanden.
Sie erzählt aber auch, von einem großartigen weiten Land mit einer abwechslungsreichen Natur, von Menschen, die auf unterschiedliche Weise ihr Leben leben, vom Übernehmen oder Ablehnen von Verantwortung. Von Glück und Unglück, das das Schicksal mit sich bringt.
Ein Engel an meiner Tafel ist der zweite Band der dreiteiligen Autobiografie. Eindringlich und in farbigen Bildern geschrieben. Es steckt voller Lyrik und Poesie, die auch in Originalen zitiert werden. Von den Klassikern der englischen Dichtung, zu den Liedern der Schule oder der zeitgenössischen Schlagerhits.

bei mir

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36,9 von Nora Bossong

Der Roman handelt von Anton Stöver, dessen Ehe zerbrochen ist, seine Affären sind vorbei, seine Arbeit als Wissenschaftler hat er verloren. Er fährt nach Rom um über sein Forschungsgebiet das Leben des Antonio Gramsci, die prägende Gestalt des italienischen Kommunismus, etwas neues herauszufinden.

Ich habe mir schwer getan mit diesem Buch, weil es gleich von zwei Männern handelt, um die verschiedene Frauenfiguren kreisen. Kreiseln und krieseln sozusagen.
Interessiert und mitgerissen hat mich immer der Erzählstrang, in dem es um die fiktionale Biografie des Antonio Gramsci ging. Die Geschichte der 20er und 30er Jahre und die Beschreibung des Übergangs Italiens in den Faschismus lässt einem aktuell Übles für die Gegenwart ahnen. Faschisten kamen immer durch Wahlen an die Macht, bevor sie ihr Übles Gesicht zeigten.

Nora Bossong wechselt geschickt zwischen den großen historischen Schauplätzen in Rom, Moskau und Wien zur kleinen zeitgenössigen Unistadt in Deutschland. Sie schreibt Szenen aus Gefängnissen, Kliniken und kargen Hotelzimmern. Den Körper beschreibt sie intensiv und ebenso das Verlangen und die Sehnsucht nach Liebe.

Mir wird ein Rätsel bleiben, warum sie sich als zweiten Erzählstrang diesen unsympathischen und blässlichen Akademiker heraus gesucht hat. Als Wiedergänger von Antonio Gramsci angelegt, bringt er keinen Deut weitere Spannung in die Biografie.

Herland

Im Internet und vor allem in den sozialen Medien ist es möglich, sich die perfekte Filterblase zu basteln.

Als Filterblase – oder filter bubble – wird der Effekt beschrieben, wenn Algorithmen dafür sorgen, dass mir immer nur gezeigt wird, was zu mir passt und mir gefällt. An diesen Auswirkungen gibt es jede Menge Kritik, die darauf hinaus läuft, dass so einer Radikalisierung oder einer Polarisierung der Gesellschaft Vorschub geleistet werden würde.

Mag sein, mag nicht sein. Beweisen oder widerlegen könnte das nur eine sehr, sehr tiefgreifende und umfassende Gesellschaftsstudie.
Ich bin jedenfalls eine ausgeprägte Freundin der Filterbubble und das hat viele Gründe.
Meine Filterblase ist nicht nur Algorithmus gesteuert, sondern auch von Hand verlesen. Wer Ärgerliches schreibt, fliegt kommentar- und wortlos raus. Meine Bubble ist ein kleines virtuelles und reales Herland. Hier zählen die Frauen mehr und sprechen häufiger. Hier bleibt Raum für die Introvertierten und Wortkargen.
Auf Twitter folge ich z.B. der @womensart1, sie zeigt mir Kunstwerke von Frauen aus allen Kontinenten und vielen Zeiten. Auf Facebook gibt es verschiedene Gruppen. Herland z.B. ist eine für feministischen Realismus in der Kriminalliteratur. Vom Dresdner Frauenwiki lerne ich, wie wichtig die Dokumentation von Frauengeschichte ist und die Bedeutung der Frauenarchive.

Die Speakerinnen setzen sich für mehr Frauen auf Kongressen und Konferenzen ein. Sie sind auf Facebook und Twitter zu finden. Satirisches gibt es bei den Prinzessinnenreportern und Journalistisches beim Missy Magazine.

Ich folge zahlreichen Frauen und den Frauenzitaten und halte es mit Pippi Langstrumpf: Ich mache mir wenigstens meine Online-Welt, wie sie mir gefällt.

Und ja, es gefällt mir zu sehen, wie viele Frauen Kunst machen, Kunst gemacht haben und weiterhin Kunst machen werden.
Es gefällt mir zu sehen, dass es denkende und philosophierenden Frauen gibt, wie z.B das Forum beziehungsweise weiterdenken. Dass es die Care-Revolution gibt, die wesentlich durch die Frauen vorangebracht wird. Dass es Zitate-Sammlungen von Frauen gibt und so viel mehr.

Mir gefällt meine Filterbubble, weil mein Alltag sich immer noch viel zu sehr an den Männern orientiert und die konventionellen Medien einfach den Schritt zur Vielfalt nicht machen wollen. Weil meine Umwelt sich in Gleichstellungsfragen zurück und nicht vor entwickelt. Weil die Sichtbarkeit von allem, das ich für wichtig halte, in der Offline-Welt kaum gegeben ist.

Meine Filterblase gibt mir meine eigene Sichtbarkeit wieder. Sie hat Geduld mit mir und ich nehme sie wichtig. Sie gibt mir Kraft und macht sich ihren Spass mit mir.

Nicht ohne meine Filterbubble, könnte mein Motto heißen.

34 Meter über dem Meer

Annika Reich – 34 Meter über dem Meer

Eine Geschichte voller Metapher, Symbole und Bilder. Manche treffend, einige unpassend und andere begraben unter der Bedeutung, die ihnen aufgebürdet wird. Erzählt wird vom Träumen, vom Leben und vom Lieben in einer poetischen Sprache. Wobei die Poesie dem Leben etwas den Rang abläuft.
Schade ist, dass die Handlung konventionell bleibt, obwohl sie genügend Anlauf nimmt, um außerhalb der Konventionen zu landen.

Im Blick der Liebe

Alles im Blick der Liebe
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Berühmte Frauen strickend

Diesen Link muss ich unbedingt für mich bewahren. 15 historische Fotos von strickenden prominenten Frauen. Darunter Queen Elizabeth, Marilyn Monroe, Grace Kelly, Bette Davis und Gina Lollobrigida in ihrem Hochzeitskleid.

Auf den Fotos ist zu sehen, dass von den strickenden Frauen eine ganz besondere Aura ausgeht. Sie sind aufmerksam und trotzdem ganz bei sich. Sie wirken wie der Mittelpunkt einer eigenen Welt. Ein Zentrum um das sich viel dreht. Aber das mag in diesem Fall daran liegen, dass es sich bei den Fotos um berühmte Stars handelt.
Jedenfalls gibt ihnen das Strickzeug eine magische Intensität.

Tagebuchbloggen

Ein Herz, zwei Herz, viele Herzen.

Die Maßeinheit des Lebens ist leider nicht allgemein bekannt. Daher werden oft Hilfmessgrössen eingesetzt.
Köpfe, Stellen, Klickzahlen, Euro, Strafzettel oder Sonderzahlungen.

Das ist verständlich führt aber auch zu Irritationen. Die Theorien sprießen, um einen Ausgleich zu finden und es kann vorkommen, dass sie sich in die Maßheit der Seelen flüchten.

Ich persönlich bleibe lieber bei den bewährten Herzen, weil es sich mit ihnen am Besten leben lässt.
Obwohl – das gebe ich zu – das Herz nicht immer berechenbar ist.

Achtsamkeit

This is Water – Das hier ist Wasser

Der Text von David Foster Wallace zur Achtsamkeit im Alltag und deren Bedeutung für unser Gemüt ist sehr bekannt geworden in den letzten Jahren.
Hier gibt es einen kleinen Film mit dem gekürzten Text.

Lohnt sich anzuschauen!