Türkei
Jetzt noch die Nachrichten aus der Türkei. Die Brücken in Istanbul gesperrt und Schüsse in Ankara. Von einem Putschversuch ist die Rede. Die Welt wangt und schwankt.
Zu viele Tränen heute. Viel zu viele Tränen?
Jetzt noch die Nachrichten aus der Türkei. Die Brücken in Istanbul gesperrt und Schüsse in Ankara. Von einem Putschversuch ist die Rede. Die Welt wangt und schwankt.
Zu viele Tränen heute. Viel zu viele Tränen?
Wieder ein Tag der Tränen. Wieder Tote und Verletzte. Wieder und wieder. So viele Tote sind zu beweinen. Nicht nur heute. Nicht nur in Nizza.
Noch haben wir kein Wort für diesen Zustand des Nicht-Friedens, den niemand Krieg nennen möchte. Aber bald schon wird diese Zeit einen Namen tragen und die, die nach uns kommen, werden fragen: Wie konnte ihr das zulassen? Wie konntet ihr so leben?
Die Angst, werden wir sagen. Die Angst hat uns verletzlich gemacht. Wir wurden schwach und schwankten zwischen Überreaktion und Verdrängen. Diese Tage, werden wir sagen, diese Tage haben sie alle PokemonGo gespielt, weil sich da die Monster fangen lassen. Weil sie vergessen wollten.
Wir haben ihnen den Spaß gelassen, weil Spaß haben ein Statement war. Eine Botschaft. Wir mussten da raus mit unserem Spaß. Und die Toten, die werden doch auch nicht wieder lebendig.
Die Angst beherrscht, diese Nicht-Friedenszeit. Wir füttern und trainieren unsere Angstmonster, verstecken sie unterm Bett und brüten ein Nest aus. Die Angst will betüdelt werden.
Was waren das für Tage?
Ob wir wirklich wissen, was wir antworten sollen.
Meine Laune heute? Ich sehe mir die Dokumentation „Alleine im All“ an. Genau. Das ist das Problem über das wir uns jetzt unbedingt Gedanken machen müssen. Es lenkt so schön von der Dummheit der Menschheit ab.
Ja, in Ordnung. Ich nehme das zurück mit der Dummheit für das Kollektiv. Obwohl, warum suchen sie so krampfhaft nach intelligentem Leben im All. Vielleicht, weil sie die Intelligenz vermissen.
Nein, schon klar. Das war ein Witz. Die Menschheit neigt zum Wettbewerb. Sie will sich messen. Will sich dem Wettbewerb stellen und was könnte schöner sein, als der Wettbewerb im Universum.
Da wäre vielleicht der Wettlauf zu gewinnen, wer als schnellste Spezie den eigenen Planeten ruiniert. Oder wie nachhaltig er zerstört wird.
Wäre doch schön, das mal im universellen Vergleich festzustellen.
Ja, ist schon recht. Meine Laune ist nicht zur Ansteckung empfohlen. Da sollte ein Warnhinweis aufpoppen. Vorsicht realistischer Augenschein!
Seit Tagen schon ist die Kaltfront angekündigt und ich weiß nicht mal, ob sie einen Namen hat. Ich setze gleichzeitig Hoffnung und Furcht in sie. Die Hoffnung der Hitze zu entkommen. Die Furcht, der Kälte nichts Angemessenes entgegenzusetzen.
Der Himmel macht auf Dramaqueen, die Wolken inszenieren ihren Auftritt gewissenhaft. Der Baum vor meinem Haus holt Schwung im Wind. Gibt sich nicht mit der Nebenrolle ab. Will Dirigieren. Den Einpeitscherjob übernehmen.
Ist das die angekündigte Kaltfront, die den Regen prasseln lässt? Unwetterwarnung und Hochwassergefahr?
Die Temperatur rutscht auf ihrer Skala. Tiefstwerte fordern Respekt. Der Sommer macht Pause.
Ich glaube nicht daran.
Die Kaltfront kommt, aber wir werden nicht vorbereitet sein. Sie ist keine Überraschung und berechenbar. Aber sie wird uns trotzdem kalt erwischen. Einmal weil das ihr Wesen ist, einmal weil wir die Augen und Ohren verschließen.
Es wird kalt in Deutschland. Es ist schon lange kalt auf diesem Planeten.
Wer fühlt wird immer leiden.
Über mir fliegt der Adler am Himmel. Müde bin ich. Verschlafen. Es gelingt mir nicht, ihn zu snapchatten. So ein Mist!
Er sah so schön aus. Majestätisch schön vor dem blauen Himmel. Ich reibe mir die Augen. Der Adler war nicht das einzige, das ich verpasste. Mein ganzes Leben, scheine ich im Traum verpasst zu haben.
Aber den Adler, den habe ich sehr vermisst.
Ich bin gut geworden im Loslassen in den letzten Jahren. Ich bin gut geworden darin, weil ich die Geister und die Göttinnen und Götter täuschen will. Nehmt mir alles, nur nicht das Ein und Alles. Nehmt alles, nur nicht das.
Die Strategie ist durchsichtig und haltbar wie ein Spinnennetz. Nein, stopp! Die Parallele zählt nicht. Mein Zauber wirkt nicht und meine Ängste sind schon im Abwärtsgefälle mitten im Lawinengeröll.
Ich reibe mir zur Beruhigung die Augen ehe ich weine.
Wenn Teilen und Schenken ein besseres Image hätte, als „andere Leute übers Ohr hauen“, dann wäre schon viel gewonnen in dieser Gesellschaft.
Rufus Wainwright nimmt mit 1500 Menschen „Halleluja“ auf. Ich hab so meine Schwierigkeiten mit dem Text. Ich verstehe nicht alles und bin immer vorsichtig mit Texten, die sich mir nicht ganz erschließen.
Jetzt kommt das ABER.
Ich habe eine tolle Erinnerung an einen Tatort in dem das Lied oft gespielt wurde. Mag den Tatort nicht googlen und ihn nicht noch einmal sehen, weil sonst dieses Traumgefühl vielleicht verschwindet. Dieses Gefühl etwas ganz besonderes anzusehen, fast Teil einer ganz besonderen Geschichte zu sein – und vielleicht hab ich mir den Tatort mittlerweile in meiner Erinnerung zurecht gekitscht. Vielleicht gibt es ihn in dieser Form gar nicht und falls das so ist, dann kann die Ursache nur dieser Song sein.
Gärtner sind wir, blumenlos gewordene.
Und stehen auf einem Stein, der strahlt.
Und weinen.
Nelly Sachs die Nobelpreisträgerin der Literatur kämpft in ihren Briefen mit der Grammatik und der Zeichensetzung der deutschen Sprache. Wer bringt jetzt den Literaturkritikern bei, dass es nicht nur eine Integration in die deutsche Sprache gibt, sondern auch eine Ausbürgerung. Oder wäre Verflüchtigung der bessere Ausdruck, wenn dir die Heimatsprache abhanden kommt, weil sie dir ausgetrieben wurde und du flüchten musst.
Mir bleibt die Zeit und der Ort und der Traum. Der Klang der Blicke. Ein schöner Buchtitel. Ein Anlass zum Träumen.
Das Wochenende füllt mich aus. Nicht nur mit Klang.
Vieles ist gut.
man hat mich in Stein
zum Glück wachsen Blumen
und das Unkraut
Sieht so aus, als hätte Chelsea Manning versucht sich das Leben zu nehmen.
So sorry! Und so verkehrte Welt.
Selim Özdogan spricht in seinem Audioblog über seine Teilnahme in Klagenfurt und wie es ihm erging. Der Bachmannpreis sei so etwas wie eine Freifahrtschein durch den Literaturbetrieb und dieses Ticket hätte ihn gereizt.
Sein Text mit dem Hasen kam gut an und auf Twitter gab es ein großes Echo.
Aber es stimmt wahrscheinlich schon, was er sagt: für die, die keinen Preis gewinnen ist es ein hoher Einsatz an Zeit und Energie.
Beim Wechsel der Welten in einer Ritze gelandet. Noch nicht ganz hier, aber auch nicht mehr dort.
Sehnsucht nach was?
Befreiungshäkeln.
Ich taste mich vor und lande ganz hinten. Wer hat einen Plan, um die Träume zu navigieren?
Blitzmerkerin – die ich bin – habe ich endlich die Onleihe der Stadtbücherei entdeckt. Stöbern ist mein Hobby.
In Herzen stöbern mein geheimes Laster.