Männer reden zu viel

Bei Sitzungen und Meetings führt das Dominanzverhalten von Männern oft zu einem Redemarathon. Wie hoch der Redeanteil von Frauen und Männern ist, lässt sich hier leicht mit protokollieren.

Im Zweifel hilft: einfach mal die Klappe halten und die Frauen nicht unterbrechen.

Änderungen

Meine Geschichten ändern sich dauernd. Jeden Tag. Meine Erinnerungen ändern sich. Meine Interpretationen verändern sich.

Das hilft mir Leben.

Seit einiger Zeit merke ich, dass ich weise werde. Auf eine bestimmte Art verstehe ich die Welt genauer und präziser als früher. Auch präziser als meine Umgebung. Das liegt wahrscheinlich auf dem Fokus, der Wichtigkeit und der Bedeutung, die ich den Ereignissen und den Menschen beimesse. Nicht unbedingt an einer mir eigenen Cleverness.

Vielleicht ist das eine schöne Nebenerscheinungen des Älterwerden.

Oder eine Nebenwirkung des Bloggens.
Das schließe ich nicht aus.

Sollte ich je meinen Ruhestand erreichen

Sollte ich je meinen Ruhestand erreichen, dann verspreche ich, dass ich jede frauen-verschluckende oder rosa-blaue Meldung, die mir über den Weg läuft, auseinandernehmen und beanstanden werde.

Ob das jetzt der zweiminütige Wahlspot der SPD Berlin ist, der ganz ohne Frauen auskommt oder der Artikel über die unterschiedlichen evolutionären Gesangsvorteile von Männern und Frauen.

Manchmal ist das eine ziemliche Zumutung, was einer so über den Tag verteilt vor die Augen kommt.

Und ziemlich irre.

Schoßgebete

Die Feuchtgebiete von Charlotte Roche habe ich gerne gelesen. Ein bisschen von oben herab muss ich gestehen. Den jungen Frauen zusehen, wie sie den Sex und die Liebe entdecken, bei Charlotte Roche gar in der naturalistischen Variante, macht schon Spaß.
Als Ü-50 Frau ohne Kinder – d.h. Mädchen Erfahrung – unterschätze ich wahrscheinlich den Druck, der auf den jungen Frauen in Bezug auf den ganzen Körperkult liegt. Den Druck, dass alles glatt und haarlos sein muss. Geruchlos sowieso.

Wie auch immer. Ich mag Charlotte Roche, wenn sie mir beim Fernsehen mal über den Weg läuft. Eher seltener in den letzten Jahren. Den Roman Schoßgebete habe ich nicht gelesen. Aus einem ziemlich paradoxen Grund. Ich wusste, dass er von der Handlung her kein Roman ist. Das war bei Feuchtgebiete schon so, aber da war es nicht so tragisch. Ein fiktionaler Text hat so oft eine autobiografische Komponente verarbeitet und wie viele Autobiografien sind Fiktion? Da ist es mühselig, unterscheiden zu wollen.
Aber bei „Schoßgebete“ ist das anders. Mein Voyeurismus wurde beim Buch durch die Ethikabteilung meines Ichs abgehalten, sich auszuagieren. Nicht eindringen in das Unfassbare, das wollte Charlotte Roche nicht. Nicht durch die Medien, nicht durch ihre Fans – und dann schreibt sie dieses Buch, nennt es Roman und alle dürfen zuschauen. Ich verstehe ihre Sicht gut. Sie hat damit die Kontrolle, was sie preisgeben möchte und was nicht. Was sie für wahr halten möchte und was nicht. Damit spielt auch die Handlung im Film. Sich andere Realitäten fantasieren, bis eine soweit ist, weiter zu leben nach der Katastrophe. Das kann ich verstehen.

Nur mich hält das nicht von meinem Voyeurismus ab. Der Film stand nicht unter dem selbst auferlegten Bann, also habe ich mich selbst ausgetrickst und ihn mir angesehen.
Könnt ihr auch machen. Er ist bezaubernd schön, falls eine das bei dieser Thematik sagen kann.

Sex heilt viele Wunden. Nur eine Katastrophe kann er nicht rückgängig machen. Eine von diesem Ausmaß sowieso nicht.

Lavinia Wilson spielt Elizabeth Kiehl authentisch und durchdringend in ihrer Trauer um die Geschwister und die Unversehrtheit ihrer Mutter, Jürgen Vogel den Ehemann ruhig, bedächtig und nur an den richtigen Stellen intensiv.

Dass das Leben manchmal nur noch über Fiktion zu begreifen ist, das vermittelt dieser Film.

Nachtrag:
Um diesen Text einordnen zu können, muss eine vielleicht wissen, dass 2001 auf dem Weg zu ihrer Hochzeit, die drei Brüder von Charlotte Roche bei einem Autounfall getötet wurden. Ihre Mutter wurde dabei schwer verletzt.

9/11 vor fünfzehn Jahren

11.September 2001

Ich saß in meinem Büro an diesem Nachmittag. Schon etwas müde und abgespannt, als ich den Webbrowser öffnete und auf SPON nachschaute, was es so neues gibt. Noch war SPON problemlos erreichbar. Eine Eilmeldung gab es da. Ein Flugzeug sei ins World Trade Center gerast. Ein Unglück. Ganz schrecklich. Oh, weh! Wie kann das nur passieren? Kurz darauf das erste Foto und die nächsten Meldungen. Das zweite Flugzeug im Anflug, die Türme wanken, die Menschen springen, ein anderes Flugzeug rast auf das Pentagon zu.
So blieb das in meiner Erinnerung, ob es der tatsächliche Ablauf war, weiß ich gerade nicht.
Ich weiß, dass ich nach Hause gegangen bin und dort die Nachrichten nicht eingeschaltet habe. Mir war nicht klar, wie ich mir das hätte anschauen sollen. Menschen, die in den Tod springen, Papiere, die durch die Luft wirbeln, Staub, Staub, Staub. Die stürzenden Türme, die brennenden Menschenmassen, die Angst, die Tränen, die Ungewissheit.
Mir war nicht klar, wie ich die Bilder aufnehmen sollte.

Wir sind jetzt im Krieg, dachte ich mir. Jetzt bekommen wir die Rechnung, für das jahrelange Ignorieren. Was es für ein Krieg werden sollte, habe ich allerdings nicht geahnt.

Weil nicht hinschauen keine Lösung ist, habe ich mich am nächsten Tag bei der Freundin Zuhause angemeldet und darum gebeten, dass ich gemeinsam mit ihrer Familie, die Berichte ansehen konnte. Alle immer noch unter Schock, aber ein 24stündiger Filter lag schon über den Ereignissen. Nun sah ich all das, was ich mich nicht getraut hätte alleine anzusehen. Die Flugzeuge rasten wieder und wieder in die Türme. Die brennenden Türme schwankten und stürzten und jedes Mal hielt ich den Atem an, als könnten sie jetzt endlich widerstehen und stehen bleiben.

Mein Gefühl hat mich an diesem Tag nicht belogen: die Welt hat sich verändert seit diesem Tag. Nur das wie, das könnte ich nicht ahnen. Dass wir unsere Freiheit opfern würden auf dem Silbertablett.

Nachtrag:
Später gab es viele Verschwörungstheorien. Mein eigener Favorit in dieser Hinsicht ist die ausgeklügelte Erdölsicherungsstrategie der Bush-Familie.

sanfter Wochenrückblick

Wochenrückblick im Tickerformat

*** Weil ich es liebe *** Was wäre das Leben ohne Wunder? *** Zurück auf Los *** Hinter dem Horizont steht die Regenbogenrutsche *** zuerst auf Sand gebaut und dann den Sand im Getriebe nicht los geworden *** Spiegeleienspass auf snapchat *** Bücherschränke im öffentlichen Raum verraten die Gemüter ihrer Bestückerinnen *** leisetreten im Tiergarten und auch sonst *** weltbeste Verhandlerin – ich *** unendlicher Spass als Hörexperiment *** Trauer und Weltschmerz *** Vorfreude auf Bekanntes *** entspannende Gleichförmigkeit scheint neuerdings ein Geheimtipp zu sein *** der Strickrausch verläuft ohne Kater *** die Last, die sich auf meiner Schulter festkrallt *** der Herbst raschelt laut mit dem Laub *** der Kühlschrank brummt vor sich hin *** manche Provokation ist im Nachhinein doch ein Versehen *** auch von meinen Feinden kann ich lernen *** Freundlichkeit ist eine unterschätzte Tugend *** Demokratie will gelebt werden *** Lob ist zum Austeilen da *** Vertrauen setzt einen Reifeprozess voraus *** Träumerinnen werden mehr denn je gebraucht in dieser Welt ***

Ist das so?

Ich lese gerade einen Artikel darüber, wie weit es heutzutage junge, feministische Journalistinnen schaffen. Die Rezension des Buch „Untenrum frei“ von Margarete Stokowski ist für Jana Hensel der Anlass ein Loblied auf die Karrierechancen von jungen Feministinnen im Journalismus zu singen.
Mich macht das nachdenklich, denn ich habe in der letzten Zeit nur Fotos und Berichte von Preisverleihungen in diesem Bereich gesehen, die sehr männerlastig waren. Manchmal war nicht eine einzige Frau dabei. Und von den Frauen, die sie als Beispiele nennt, weiß ich, wie hart sie gegen die sogenannten „Hater und Trolle“ kämpfen. Wie sie sich behaupten müssen, um jeden Tag weiterhin ihr Gesicht in der Öffentlichkeit zu zeigen.

Nicht das ich das eine gegen das andere aufwägen möchte, aber dass das angesprochene frühere „mit wichtigen Männer schlafen“ gegen das Aushalten der psychischen Gewalt ausgetauscht wurde, erscheint mir jetzt doch nicht so DER Durchbruch zu sein.

Im Gegenteil. Da ist noch so verdammt viel zu tun.

Aber klar ist auch: Es ist schön, dass es junge Frauen gibt, die sich nicht die Stimme nehmen lassen.
Sie brauchen unsere Unterstützung.
Jeden Tag.

von oben herab

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Das Beste an snapchat ist für mich, die ungewohnte Sicht auf mich selbst. Als Frau, die nie ein intensives Verhältnis zum Spiegel hatte, entdecke ich die Lust aus der Kindheit wieder, mit dem Spiegelbild Spielchen zu betreiben.

Das ist seltsam und macht Spass.

Offene Geheimnisse

Mythen und Fakten zu Überwachung und digitaler Selbstverteidigung
Eine Broschüre der Rosa-Luxemburg-Stiftung

Zeitungsartikel recherchieren

Die britische Nationalbibliothek stellt derzeit 600 Mio Zeitungsartikel und andere Dokumente online. Das Archiv kann kostenfrei durchsucht werden, das Lesen der Artikel kostet allerdings Gebühr.

Keine Zeitungsartikel, aber andere Dokumente und 200000 Fotos lassen sich im Bundesarchiv online recherchieren. Das scheint mir wenig.

Bei der Staatsbibliothek gibt es historische, digitalisierte Zeitungen bis 1939 kostenlos zum Download.

The European Library ist eine gute Quelle für kostenlose Recherchen.

Und dann gibt es das Spiegel-Archiv der Printausgabe im Moment noch kostenlos online zur Recherche.