Snapchat

Heute hat mir die Frisörin snapchat-Fotos ihres Kollegen gezeigt.
Eine Premiere in mehrerer Hinsicht. Außer der Registrierkasse war dieser Frisörsalon immer digitalfreie Zone. Klar, die Kundinnen bringen ihr Smartphone mit. Solche wie ich mit dem ebook-Reader wurden eher geduldet.
(Einmal wurde ich seufszend mit den Worten:
„Sie spricht auch. – Manchmal.“ an die Kollegin zur weiteren Bearbeitung übergeben.)
Aber die snapchat-Fotos musste ich mir unbedingt anschauen. So ein Überschwang.

Mir bleiben die Fragen:
Woher haben die nur die lustigen Filter? Bei mir erscheint nur langweiliger Kram.
Wie schafft ihr das nur mit den vielen Videos und der Datenrate?
Das geht doch so rasant in die Höhe.

Ich stehe immer noch vor der Pforte und versuche nach Kafka Manier einen Blick zu erhaschen.

Im fortgeschrittenen Alter

Dass die Liebe so vielschichtig altert, hat dir niemand gesagt. Auch nicht, dass die Lebensweisheiten der Kindheit nur der Disziplinierung dienten. Außer dir dachte niemand, dass sie ein Körnchen Wahrheit enthalten konnten.

Aber dafür warst du die einzige, die in andere Welten hineinschauen konnte. Vom Himmel in die Hölle und hinter die sieben Berge bis zum Ende des Regenbogens.

Lug, Ton und Kip

Lug, Ton und Kip – Die Erforschung der Wicklows von Aleks Scholz

„Berichte über die Wicklows funktionieren nur, wenn man sie als Reportagen liest, die von Orten handeln, die man nie selbst besuchen würde.“ So schreibt Aleks Scholz in und über seinenText und so funktioniert der Text bei mir auch.
Seine moderne Alchemie mit der er nach eigenen Angaben Torf in Buchstaben verwandelt, verzaubert mich. Auf dem Sofa liegend bekomme ich plötzlich nasse Füsse und kreise durch die Heidepflanzen während die Schafe blöcken.
Es ist ein wunderbarer Text. Wort gewandt, lehrreich, Detail versessen und empfindsam.

Sehr poetisch und bodenständig zu gleich.

Was vom Tage blieb

Der Trampelpfad ist das bessere Ziel.
Was auch sonst.

Auf instagram hab ich den #wasvomtageblieb für mich eingeführt. Ein Versuch den Tag festzuhalten. Ihn festzunageln. Nein, nein, ganz ohne Gewalt und falls er schreit, dann nur, weil er nicht versteht, wie gut ich es mit ihm meine.

Trampelpfade sind unterschätzt.
Heute einen Artikel gelesen, in dem die Autorin bedauert, dass auf Facebook die Privatheit fehlt. Wir haben sie uns abtrainieren  lassen und sehnen uns doch so sehr nach ihr.
(Dieses undefinierte Wir frisst Menschen auf.)

Frühling

Frühlings-Test-Video

Zweiter Test

Snapchat

Snapchat ist ein Mysterium für mich. Ich verstehe es nicht, aber es fasziniert mich. Da ist so ein leichter Sog, den ich schwer benennen kann. Gleichzeitig habe ich das Gefühl des Menschens, der bei Kafka vor dem Tor steht und nie eingelassen wird. Allerdings gibt es bei Kafka den Torwächter, der das Einlassen verhindert.
Bei Snapchat gibt es keinen Torwächter und trotzdem kommst du nicht rein.
Das Tor steht offen – und trotzdem kommst du nicht rein.

Was eindeutig besser ist als in der Kafka-Geschichte: Du darfst einen Blick rein werfen.
Nur reinlinsen in meinem Fall, weil ich eindeutig zu wenig aktive Chapchatterinnen kenne.

Aber eine Sache habe ich jetzt doch gelernt über snapchat. Mit Snapchat nehmen sie mich mit in ihr Leben. Snapchat ist sehr, sehr nahe. Sehr persönlich. Selbst wenn es gar nicht um persönliche Inhalte geht.
Kein Wunder dass die Filter in Snapchat so beliebt sind.
Die Filter schaffen Distanz.

Wenn ihr einen Snapchat-Account habt: Bitte melden. Ich bin sofort bei euch.

Zwischenzeiten

Die innere und die äußere Uhr tragen einen unfairen Kampf mit mir aus.
Noch so eine Nebenwirkung des Alters: immer unwirscher reagiere ich auf Zeitmuster, die mir übergestülpt werden. Mein Freiraum misst sich eher in Stunden als in Quadratmetern.

Meine Zeit, meine Liebe, mein Leben.

Inhalte

Ich lese ein Buch in dem Frauen, Schokoriegel und Körpergeruch vorkommen. Männer auch, aber bisher kein Sex.
Ich lese in Serpentinen, in kreisenden Linien. Beginne vorne, arbeite mich hinten weiter, kehre nach vorne zurück, lasse mir den Anfang durch den Kopf gehen, auf diese Weise fehlt mir die Mitte. Wie im wirklichen Leben, könntest du anmerken. Das wäre gemein, aber auch wahr. Die Mitte wird überschätzt.
Zu viel Mitte hält niemand aus. Kein Mensch und keine Gesellschaft.

Platz soll sein, Raum auch ein bisschen. Für Inhalte, so höre ich ständig.
Je mehr das Wort Inhalt fällt, desto leerer wird die Welt.

Es hallt  schon in meinen Ohren. Die Leere. Es muss wohl so sein, dass sich die Inhalte in der Mitte zu einem kleinen schwarzen Loch geballt haben. Irgendwo hier müssen sie sein. Sonst würden doch nicht alle davon reden.

Des Kaisers neue Kleider in der zeitgenössischen Variante.

Baustellen

Die Technik bringt Aufgaben mit sich und hält mich auf Trapp. Ständig ist hier ein Update fällig und dort ein Backup. Hat schon mal jemand ausgerechnet, wie viel Zeit unsereins  von der kostbaren Freizeit mit diesem Kram verplempert?
Draußen ist der Frühling ausgebrochen. Mit einer Macht und Farbenpracht, die überwältigt.
Was für ein jährliches Wunder!

Die Natur tröstet über den Zustand der Welt hinweg. Nicht zum ersten und wahrscheinlich auch nicht zum letzten Mal.

Hab ich den Blogeintrag mit „Baustellen“ betitelt? Dann muss ich zugeben, dass ich vom Thema abgekommen bin. Ja, es gibt einige Baustellen, aber sie sind nicht berichtenswert.
Lieber erinnere ich mich daran, dass mir einige Snapchatterinnen  viel Freude bereiten. Es macht Spass ihnen zuzusehen. Mir selbst fällt das snapchatten nicht so leicht und trotzdem versuche ich es immer wieder.
Allerdings musste ich auch schon feststellen, dass snapchat viel Datenvolumen aufbraucht. Es geht ja alles sofort online. Da ist nichts mit zwischenspeichern.

Das Wochenende fliegt wie so oft dahin. Und wie so oft möchte ich es gerne festhalten. Anhalten. Oder es wenigstens zwingen einen Gang runter zuschalten. Aber leider tut es mir diesen Gefallen nicht.

Warum auch?
Die Zeit tut was sie kann. Sie vergeht.

Verständnis

Ich werde alt. Ganz langsam, aber beharrlich hat sich das Alter bei mir breit gemacht. Mit dem Alter merke ich, dass mein Verständnis schwindet. Dass es mir abhanden gekommen ist. Jedenfalls ein Großteil davon.

Meine Toleranzgrenze schwindet. Ich kann mir nicht mehr so viel dummes Geschwätz anhören wie früher. Schalte  schnell auf meinen Innenmodus um.
Mir fehlt sehr viel Verständnis. Nicht zuletzt das für besorgte Bürger oder Trolle anderer Art.
Mir fehlt aber auch das Verständnis für oberflächliches Geplapper. Ganz gleich, ob es jetzt aus dem Fernseher oder aus dem Nachbarbüro kommt.
Mir fehlt das Verständnis für Menschen, die die Welt nicht hinterfragen und in jede deutlich ausgelegte Falle tappen.

Wahrscheinlich fehlt mir auch ein bisschen Verständnis für mich.

Mit jedem Lebensjahr wird mir mein innerer Lebenskreis wichtiger, mag ich weniger die Aufregungen und Wiederholung der äußeren Welt.
Alles schon mal da gewesen, alles schon einmal zu Ende gedacht.

Der Wert der Stille wächst täglich an.