Online

Online bin ich heute schon eingezogen.
Die Offline-Welt folgt nächste Woche.

Es geht voran

Wenn ich eingezogen bin, wünsche ich mir ganz, ganz viel Besuch. Allerdings fehlen noch die Stühle.
Vor kurzem schrieb ich, ich lebe in drei Wohnungen. Aber zur Zeit lebe ich eher in zwei Baustellen. Mein Zuhause ist die Tasche, die ich mit mir herumschleppe.
Alles ist so anders als sonst. Die neue Wohnung ein Traum, aber trotzdem noch keiner in dem ich lebe.
Ich weiß nicht, wie ich dort leben werde.
Ich weiß nach fünfzehn Jahren nicht mehr, wie sich das anfühlen kann.

Der längste Umzug meines Lebens lässt mir Zeit sämtliche Gefühle zu durchleben. Alte Verbindungen abbrechen, neue knüpfen. Ob ich noch weiß, wie das geht?
Ob ich mich da zurecht finde?

Introvertiertsein ist eindeutig ein Nachteil in der neuen Lebenssituation. Aber das schreckt mich nicht. Schließlich lebe ich ein Leben lang mit meiner Introvertiertheit und bin noch nicht an Einsamkeit erkrankt.
Einsamkeit stelle ich mir schlimm vor. Obwohl es auch Menschen gibt, die sie mögen. Allerdings wesentlich weniger, als die, die das von sich behaupten.

Ich bin nicht einsam, wenn ich alleine bin.
Aber trotzdem: Ich wünsche mir viel Besuch für meinen Neuanfang!

Ihr seid alle eingeladen.

Vergessen

Ich bin so zerstreut, dass ich tatsächlich vergessen habe, die Möbel zu bestellen. Das lässt sich wahrscheinlich nicht mehr toppen. Außerdem habe ich den heutigen Abend verquatscht, statt die Kisten zu packen, die jetzt dran sind.

Aber am meisten ärgert es mich, dass ich die fünfte Stricknadel verloren habe. Vor dem Wochenende gibt es keine Chance, mir ein neues Nadelspiel zu besorgen. Wie soll das jetzt gehen? Zug fahren, wenn die Nadel fehlt? Socken mit vier Nadel stricken ist absolut uncool.

Ihr seht: meine Sorgen sind sehr speziell.
Und nein: ich mag nicht mit euren tauschen. Wahrscheinlich stamme ich in direkter Linie von der Prinzessin auf der Erbse ab.

Daher weiß ich wenigstens eins sicher – unter dem Bett kann die Stricknadel nicht liegen.

Stille

Sonntag Morgen.
Vor dem Morgengrauen.
Ich mag die Stille und das Wissen, dass diese Zeit jetzt fast unbeschränkt ist. Dass nichts mich stören wird und ich lesen und lesen und lesen kann.
Ich mag die Zeit ohne Druck und zwischen der Nacht und dem Tag.

Meine Lieblingszeit und die Zeit, in der ich am stimmigsten mit mir bin.

Der Wechsel zwischen den Welten

Der Wechsel zwischen den Welten gestaltet sich zäh, die Logistik schwerfällig wie immer. Das Wechselbad der Gefühle passt sich dem Niveau der Mimose an. Ausblenden ist eine Möglichkeit, vielleicht nicht die optimalste Lösung. Da wird eine Nachbesserung stattfinden müssen.

Wann habe ich je Spaß an Muskelspielen gehabt?
Was soll’s!

Der längste Umzug meines Lebens kriecht auf seiner vorgezeichneten Schneckenspur voran.

Scheißologie

Weil es wichtig ist darüber zu reden und weil es im Abc des guten Lebens so toll erklärt wird:

Das Produzieren und Hinterlassen von Scheiße ist ein für Menschen und Tiere unvermeidbarer Lebensvollzug, der in Sprache und Öffentlichkeit weitgehend verdrängt und unsichtbar gemacht wird. Scheiße ist das, was (fast) immer weggemacht werden muss, und womit niemand zu tun haben möchte.

Das zeigt auch der Gebrauch des Wortes “Scheiße”, das – im Deutschen und in vielen anderen Sprachen – häufig als Schimpfwort oder als spontaner Ausruf bei Missgeschicken und Schwierigkeiten zum Einsatz kommt, oder als Ausdruck für Frustration, Ärger und alles, was schlecht ist. Während der metaphorische Gebrauch des Wortes “Scheiße” in den letzten Jahren wahrnehmbar zunimmt, bleibt die als Verdauungsprodukt von Menschen und Tieren durch den Darm ausgeschiedene reale Scheiße tabuisiert.

Dabei ist unbestritten, dass alle Menschen nicht nur essen und trinken, sondern auch Blase und Darm entleeren, also pissen und eben scheißen müssen. Vieles was sich über den Einfluss des Essens auf unsere Lebensqualität sagen lässt, gilt folglich auch für den Umgang mit Scheiße. So ist neben dem Mangel an Nahrung und sauberem Wasser auch der Mangel an Toiletten ein globales Problem.

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PRISM, NSA und der ganze Rest

Ehrlich gesagt – und wie sollte ich es anders sagen als ehrlich und hilflos: Ich kann mir diese schöne, neue Welt in der wir jetzt schon leben nicht vorstellen.
Ich glaube es nicht und alles in mir wehrt sich dagegen es zu glauben. Wie soll das gehen? Leben in einer Welt in der es keine Geheimnisse und keine persönliche Sphäre mehr gibt. Leben in einer Welt in der das Private dem Staat gehört.
Ganz plötzlich sagt dieser Staat zu mir: Ich habe ein Recht darauf alles von dir zu wissen. Es dient deinem Schutz vor bösen Menschen.

Aber wer schützt mich und die anderen wirklich? Wer schützt mich vor den Dingen vor denen ich wirklich und zu recht Angst habe? Niemand.
Davon abgesehen: Was nützt mir dieser Schutz, wenn mir das Intimste weggerissen wird?

Im Augenblick sind offline-Treffen noch ohne Mitschnitt. Aber wann wird auch das kein Tabu mehr sein. Ist der Damm erst einmal gebrochen, gibt es kein Entrinnen mehr. Die Flut nimmt sich ihren Raum. So ähnlich ist das mit dem Sicherheitswahn. Der Damm ist längst gebrochen, aber wir haben es nicht gemerkt. Zu spät gemerkt.
Selbst die abenteuerlichsten Verschwörungstheorien wagten sich nicht, sich dieses Ausmass vorzustellen.

Ich kann mir mein eigenes Leben nicht mehr vorstellen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie ich mit anderen Menschen jemals wieder ungezwungen kommunizieren kann.
Alles hängt mit allem zusammen. Das, was heute böse ist, ist morgen gut. Das, was heute angepasst ist, wird morgen verachtet.
Wie soll ich kommunizieren, wenn ich ständig darauf achten muss. Nicht nur für mich, besonders auch wegen der Menschen mit denen ich kommuniziere.

Meine Phantasie ist überfordert, mir vorzustellen, wie das gehen soll.
Heute, morgen, übermorgen.

Die Flut ist nicht mehr aufzuhalten.

Zwischenwelten

Jetzt lebe ich nicht nur zwischen den Welten, sondern zusätzlich in drei Wohnungen und zwei Büros. Hört sich luxuriös an, ist aber sehr verwirrend und irritierend. Langsam breitet sich das Chaos aus und ich tue nicht mehr so als hätte ich es im Griff. Der längste Umzug meines Lebens ist in vollem Gang.
Im September bekomme ich vielleicht Heimatweh nach den stehenden Zügen und den Koffern und Rucksäcken, die ich bis dahin eingemottet habe.
Ach, halt. Lieber noch nicht. Die Neckarstadt soll mir nicht so schnell abhanden kommen.
Ärgerlich, dass ich mir noch eine Anwältin nehmen muss. Geht leider nicht anders. Wie ich es auch drehe und wende. Oh, wie ich das hasse.


Aber dafür werde ich mit Bornheim belohnt. Was ich bisher von diesem Stadtteil gesehen habe, gefiel mir gut. Sehr gut. Gar nicht so versnobt wie ich befürchtet hatte. Sehr lebendig und bunt.

Vielleicht finde ich dort echtes Sauerteig-Brot. Ganz echtes, das keine einzige Hefe Bakterie enthält. Ein Versuch will ich noch wagen mit der Allergie. Sie macht mich ganz kirre. Nach und nach kommen noch mehr Nahrungsmittel hinzu, die ich nicht essen kann und Zucker und Wasser kann doch keine Lösung sein.
Ich setze viel Hoffnung in mein Neues Leben.
Sehr viel Hoffnung.

Heute

Heute materialisiert sich der Schlüssel zum Glück exklusiv für mich. Mit schweren Gepäck bin ich angereist und habe mein neues Leben in Besitz genommen. Laut ist es ohne Frage. Aber es ist tausend Mal schöner als gedacht.
Ich fühle mich rundherum wohl in diesem Provisorium. Liege auf der Luftmatratze und schaue in den Himmel – in meinen eigenen vier Wänden.
Schön ist es, wunderschön.
Ich höre jetzt auf zu schwärmen.
Morgen ist auch noch ein Tag.

Stark

Bin aufgewacht und fühle mich stark, obwohl ich kaum geschlafen habe. Ein dickes Fell will und brauche ich nicht. Das alte Leben lasse ich hinter mir und das neue begrüße ich mit Freude.
Den Rest lege ich mit Kopf schütteln und Unverständnis zu den Akten. Nein, nicht zu den Akten. Selbst da ist kein Platz dafür.

Jedenfalls nicht in meinen Akten. Ich lege entschieden Wert auf gutes Karma.
Auch und gerade in den Akten.