Ich hab es ja nicht so mit Ostern. Kennt ihr bestimmt. Aber die Gedanken dazu gefallen mir. Die Hoffnung in die Auferstehung. Eher in die Auferstehung der Gedanken, als der Menschen.
Darf ich mir zu Ostern was wünschen? Ich hätte da einen Vorschlag:
macht euch die Wirtschaft, Banken und die Politik zum Untertan und verehrt die Natur und das Leben
Klingt doch gut? Dann müssen wir uns nicht länger so einen Stuss anhören, wie ihn die Wirtschaftsweisen von sich geben: ein Mindestlohn gefährdet Deutschland. Oder die Wirtschaft – oder was auch immer.
Armut gefährdet die Gesellschaft. Armut gefährdet den Frieden. Die Wirtschaft ist für die Menschen da und nicht umgekehrt.
Vor ein paar Jahren gab es mal den Spruch: Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin.
Heute lässt es sich kontern mit dem Spruch: stell dir vor es gibt Arbeitsplätze, aber keiner will sie mehr?
Niemand will sie mehr, weil es nicht zum Leben reicht und niemand mehr Lust hat, dass sich die ewig gleichen Menschen bereichern an der Arbeit von Menschen für die es nicht zum Leben reicht.
Klingt doch gar nicht so unlogisch, oder?
Vorbild Island – Islands eindrucksvoller Weg aus der Schuldenkrise
Die Regierung lässt mehrere Finanzhäuser pleite gehen. Aber es kommt weiter Geld aus den Automaten. Weil der Staat die Banken übernimmt. Er schrumpft sie auf Normalmaß zurück und macht aus den Spielcasinos wieder solide Dienstleister für die heimische Wirtschaft.
Gleichzeitig wird eine eigene Staatsanwaltschaft gegründet, um die Hintergründe des Finanzcrashs energisch aufzuklären. Zwei mächtige Banker sitzen schon im Gefängnis. In über hundert weiteren Fällen wird ermittelt.
Lief so ganz anders als Zypern.
Mir fehlt noch die Landeerlaubnis für mein neues Leben. Ich kreise hoch in den Lüften und sehe hinab auf das was mich erwartet. Mein Herz klopft, die Spannung steigt und immer wenn ich denke: jetzt gleich hast du es geschafft, kommt eine neue Schleife, die noch zu ziehen ist.
Aber vor mir liegt die Skyline und bald werde ich landen dürfen.
Dreifaches Daumen drücken für Morgen erwünscht – es geht um ein neues Leben, soziale Gerechtigkeit und Harmonie.
Ihr seht schon: mit Kleinigkeiten gebe ich mich nicht zufrieden.
Nachtrag:
Und ich sehe schon: so ein Tag ist ganz schön begrenzt. Trotzdem passt da unglaublich viel hinein. Sprachlich mag er seine Grenzen haben, aber das Lebensgefühl fließt in alle Ritzen.
Sie nennen es Nachrichten. Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Darauf liegt immer die Betonung. Offensichtlich soll das heißen: im Qualitätsfernsehen. Das für die Intellektuellen.
Nachrichten. Objektiv und sachlich.
Ach ja? Morgen soll in Zypern also verhindert werden, dass die „Konten leer geräumt werden“. Ach ja? Gemeint ist, dass Morgen verhindert werden soll, dass die Menschen an ihr Eigentum kommen. Das, das sie dringend brauchen.
Also i c h stelle mir unter Konten leer räumen wirklich etwas anderes vor. Eine strafbare Handlung z.B.
(aber das ist nur ein einziges Beispiel, alle Beiträge in diesen sogenannten Nachrichten strotzen vor tendenziellen Verunglimpfungen)
Wahrscheinlich wird das in diesem Jahr meine letzte republica werden. Ich habe lange darüber nachgedacht. Habe mich dort immer sehr wohl gefühlt und bin mit einem Dauerlächeln zurückgereist, das noch 24 Stunden anschließend anhielt. Der Sog wirkt eindeutig bei mir. Aber ihr merkt es schon: jetzt kommt das aber.
Selbst nach Wochen und Monaten ärgere ich immer noch über das „Hoppla-so hatten-wir-das-nicht-gewollt“ Ticketverkaufsverfahren. Die Koketterie wäre nicht nötig gewesen, denn im letzten Jahr war das Verfahren genauso ärgerlich. Was sich geändert hat, ist ausschließlich der Preis. Der ist nämlich in die Höhe gegangen.
Kann ich mir immer noch leisten, aber ich wil es eigentlich nicht mehr, weil ich weiß, dass der Preis viele Menschen ausschließt.
Vielleicht ist es einfach an der Zeit weiterzuziehen. Auf andere Veranstaltungen mit sozialeren Themen, die mich eh meistens mehr interessieren.
Ihr merkt es schon: ganz sicher bin ich mir noch nicht. Eine meiner Schwächen ist, dass ich oft einen charmanten Ansatz nicht widerstehen kann. Da lasse ich mich dann gerne noch mal überzeugen, obwohl ich weiß, dass es nicht der richtige Weg ist.
Ich gehe im Reallife so oft der Kommerzialisierung aus dem Weg und auf der republica erlebe ich davon geballt, mehr als sonst in Monaten meines Alltagsleben.
Muss doch nicht unbedingt sein, sage ich mir und freue mich trotzdem, euch dort alle zusehen.
Ein Plädoyer für die Liebe.
Meine Worte. Immer wieder geht es genau darum.
Die Welt in der wir leben, ist nicht nur einen Aufschrei wert. Sie ist dreckig, gewalttätig und gemein.
Ganz ungeschminkt und offen.
Wenn schon Schnecke, dann muss ich wohl eine Nacktschnecke sein. Mir fehlt das Schneckenhaus, der sichere Hafen zum Einkullern. Deswegen baue ich mir auch ständig Nester. Wo ich gehe und stehe. Ob das ein Büchernest um mein Bett ist oder ein Schreibnest im Zugabteil. In gewisser Weise auch mein Schreibtisch im Amt. Im Alltag reicht eine Tasche in der ich mein Heim mit mir herumtrage.
Aber all das reicht nicht an ein Schneckenhaus heran.
Eine Mimosenschnecke ohne Schutz zum Einrollen.
Wie lächerlich ist eine Schnecke ohne Schneckenhaus?
Wie nackt kann eine Seele sein?
Ich bin immer noch in Schockstarre. Dabei sollte ich mich freuen und jubeln oder jubilieren, aber ich traue mich nicht. Ein altbekanntes Verhaltensmuster bei mir.
Warum sollte mir jetzt ausgerechnet was gutes passieren? Und überhaupt: kommt nicht sofort jemand und nimmt mir das Gute wieder weg? Oder es platzt vor meinen Augen wie eine Seifenblase.
Aber die Seifenblase platzt nicht. Sie schwebt stabil vor meiner Nase und summt meine Lieblingsmelodie vor sich hin.
Ich wage nicht zu atmen. Solange ich nicht atme, wird nichts passieren. So lange ich in Schockstarre still sitzen bleibe hält es an.
Fassen kann ich es noch nicht. Bin halt Mimose durch und durch.