Alles ganz normal

Anne Roth bloggt über den Normalzustand.

Die perfekte Armbanduhr für mich

Endlich gefunden. Den pinkfarbenen Ersatz kann ich jetzt beiseite legen. Auf der monatelangen Suche nach der perfekten Armbanduhr habe ich gemerkt, dass die Zeit der Armbanduhren wohl bald zu Ende ist.

Das Handy ersetzt halt ziemlich viel.

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Titel- und Klassengesellschaft

Wen hat sie denn jetzt betrogen, die Frau Ex-Dr. Schavan? Sich selbst an erster Stelle. Das ist klar. Ein bisschen habe ich sogar Mitleid. Das Leben – jedenfalls das Berufsleben – auf Sand gebaut. Dem falschen Lebensmotto gefolgt. Ja, ich habe wirklich Mitleid. Auch wenn es nicht angebracht ist. Mir stinkt es manchmal, dass wir überwiegend von einer Schicht regiert oder dominiert werden, die sich offensichtlich nach zwei ehrlosen Prinzipien richtet.

Prinzip 1: so lange ich nicht erwischt werde, ist alles erlaubt.
Gilt für das Doping im Sport, wie für unsere Wirtschaft, die gesellschaftlichen „Eliten“ – nicht alle selbstverständlich, aber eindeutig zu viele. Und dann immer dieser Schluss: wer das anders handhabt ist die oder der Dumme. Nur so komme ich zu etwas. Nur so überrunde ich die anderen und darauf kommt es schließlich an.
Die Steigerung dieses Mottos ist dann: nur wenn es mir gerichtsfest nachgewiesen wird, gebe ich etwas zu. Sämtliche zwischenmenschliche Regeln der Wertschätzung, des individuellen Stolz, der Ehrlichkeit werden da außer Kraft gesetzt.

Prinzip 2: Solange etwas nicht verboten ist, ist es erlaubt.
Das nervt auch ziemlich. Nie im Leben würde ich in meinem Umfeld mit Menschen freiwillig kommunizieren, die nach diesem Motto leben. Was soll das? Weiß ein Erwachsener nicht ohne Gesetz, was unmoralisch ist und was nicht? Normalerweise schaffen wir es recht gut auf soziale und kulturelle Regeln zu einigen, die wir zum Glück nicht alle in die Gesetzbücher schreiben müssen. Nur eine bestimmte Schicht meint das anders handhaben zu müssen. Auch da klingt immer nach: wer nicht alles ausnutzt was möglich ist, ist dumm und wird überrundet.

Kein Wunder, dass sie immer den Mißbrauch von sozialen Leistungen unterstellen. Aber was sie vergessen ist, dass die Sozialleistungsbezieher ein viel größeres Risiko eingehen müssten. Sie setzen nämlich ihre Existenz auf das Spiel. Was ist die schon gegen so einen Doktortitel?

Das ärgert mich: dass auf diesem Spieltisch an dem sie sich bedienen unser Einsatz liegt.
Dafür sollten sie sich schämen. (allerdings gibt es diese moralische Reaktion wahrscheinlich nicht in ihrem Portfolio)

Unverändert

Wir wurden geschaffen, um im Paradies zu leben, das Paradies war bestimmt, uns zu dienen. Unsere Bestimmung ist geändert worden; dass dies auch mit der Bestimmung des Paradieses geschehen wäre, wird nicht gesagt.

Kafka – wer sonst?

Über den Dächern von Nizza

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Geeks for Freedom

Notiz für mich: ein lesenswerter Text von G. Coleman

COMPUTING NEWS
Geeks are the New Guardians of Our Civil Liberties
Recent events have highlighted the fact that hackers, coders, and geeks are behind a vibrant political culture.

By Gabriella Coleman on February 4, 2013

Via Annalist On Twitter

Was darf sich ein Mann noch erlauben?

Ist doch alles ganz easy, Männer. Zunächst darf er sich das noch erlauben, was er sich schon immer erlauben konnte. Da ändert der #aufschrei nichts. Weder zum Schlechten noch zum Guten – was auch immer in diesem Fall schlecht oder gut ist.
Alles ohne Gewalt und Belästigung. Ist doch selbstverständlich – und Belästigung ist das, was das Gegenüber nicht mag. Das ist auch einfach und falls mal etwas daneben ging, dann wäre eine Entschuldigung angebracht. Macht mensch ja zum Beispiel bei Remplern auch oder wenn die Musik mal zu laut war.

Aber das wisst ihr doch alle selbst?

Nachtrag: und hier gibt es die passenden Tipps zum Thema noch mal in lang und ausführlich für alle, die mehr Aufmerksamkeit benötigen. Extra euch gewidmet. Geschrieben von Menschen mit viel Geduld für euer Problem.

Gefühle und Gedanken in den Aufschrei-Tagen

Morgens wache ich auf und denke an den #aufschrei. Ich will sofort wissen, wie es den andern geht. Was sie schreiben, was sie machen, was sie fühlen. Mein Gefühl sagt mir, dass Antje recht hat, wenn  sagt, die heftige Gegenwehr – oder der Gegenschrei – deute an, dass das Patriarchat bald zu Ende ist. Offensichtlich liegt es in seinen letzten Zügen und stößt Todesschreie aus, die über die Fernsehsender in Form von Talkshows übertragen werden.

So weit die erfreuliche Meldung. Die unerfreuliche Meldung ist, dass das Schreien und Umsichschlagen ganz schön schwer zu ertragen ist. Außerdem ist es hoch ansteckend und infizierend, wie ich die letzten Tage erfahren musste. Männer, die sich in meinem Beisein noch nie sexistisch verhalten hatten, geben plötzlich Sprüche in der Art von sich: „Man weiß ja nicht mehr wie man sich verhalten soll.“

Die Talkshows haben ihre Arbeit also geleistet. Vorübergehend. Aber sie halten die Zeiten nicht auf. Das zu Glück nicht. Aber die letzten Tage des Patriarchats werden noch ziemlich laut werden.

 

Wozu sind Talkshows gut?

Der #aufschrei macht seine Runde durch die Talkshows – und ich nehme mit Erstaunen zur Kenntnis, ernsthaft sich so viele Menschen mit den Inhalten auseinander setzen. Mit welcher Intensität sie die Zusammensetzung der Gäste kommentieren und den Austausch der Argumente hinterfragen. So viele betrachten Talkshows als eine Art offene Diskussionsrunde. Ein intelligenter Talk zwischen erfahrenen Menschen. Aber ist das so?

Ist es nicht schon mindestens seit einem Jahrzehnt so, dass die Talkshows im Fernsehen eine bestimmte Funktion erfüllen? Unterhaltung? Ja, die auch. Aber das wäre nicht so schlimm, wenn es ausschließlich so wäre.

Meinungsbildung? Ja, die auch. Aber das wäre nicht so schlimm, wenn die Meinung auf einem fairen Austausch der Argument mit anschließendem Fazit beruhen würde.

Aber das war doch höchstens mal früher beim internationen Frühschoppen der Fall. Heute haben die Talkshows eine ganz andere Funktion: Sie sollen eine bestimmte politische Richtung stärken.

Den Neolibarismus zum Beispiel. Die Agenda 21 wäre ohne die Begleitung der Talkshow-Melodie doch nie so von der Bevölkerung aufgenommen worden. Die Talkshows sind reine Propagandaverstaltungen. Das Kasperletheater der Mächtigen, die das Volk an der langen Leine – aber in die gewünschte Richtung führt.

Die Diskussion hat nichts, aber auch gar nichts mit der Diskussion zu tun, die wir untereinander führen. Argumente werden dort nicht ausgetauscht. Sie werden vorgeführt.

Und die Polarisierung durch die Gäste – die ist dem Moment der Unterhaltung gewidmet. Die Botschaft prägt sich ein ins „Sonntag-Abend-Politik-Gemüt“ des Volks.

Ich brauche keine Talkshows. Nicht zum Sexismusthema und auch sonst nicht. Nicht in der Qualität und mit dem Hintersinn in dem sie in den Medien in den letzten Jahren ausgestrahlt werden.

Das Lager der Narren

vielleicht ist es mir zu lange gelungen
geheim zu halten
dass ich eines Nachts
klammheimlich
vor lauter Lachen
ins Lager der Narren
gekugelt
bin

(Das Gedicht, das geheime Power enthält. – alt aber wirksam)