„Zum ersten Mal eine Straßenbahn zu besteigen, die von einer Frau gelenkt wurde, kostete Überwindung: nicht nur, weil die Fahrgäste schlicht Angst hatten (die von Medizinern und Psychologen noch geschürt wurde), sondern vor allem, weil es sich um eine Anomalie handelte, einen erschreckenden und irreversiblen Bruch mit der tradierten Ordnung.“
Diesen Abschnitt aus der Kafka-Biografie unterstrich ich schon beim ersten Lesen und heute fällt er mir auch wieder auf.
Es gab ja die unsinnigsten Begründungen, die stets medizinisch oder wissenschaftlich unterlegt wurden, warum die Frauen nicht lernen, nicht arbeiten und nicht wählen konnten. Denn die Betonung lag ja auf „konnten“. Die Frauen k o n n t e n so vieles nicht. Lernen nicht, weil ihr Unterleib nicht für’s Sitzen gemacht ist.
Zu verstehen ist das schwer.
durchgeschüttelt vom Wind
halte ich meinen Standpunkt fest
mit beiden Händen umklammert
bis er nicht mehr wichtig scheint
Das sowjetische Ehrendenkmal in Zuckerbäckerei – das Original nur bei Anne.

Es wird ruhig und ruhiger. Ganz leise tritt das Leben auf und passt sich mit seiner Geschwindigkeit, denen im Zeichen der Schnecke geborenen an. Ich mag diese Tage und wiederhole mich gerne. Ich suhle mich in dieser Ereignislosigkeit. So angenehm ist das.
Hab meinen Jahres- und Urlaubsplan für das nächste Jahr festgelegt und dabei eine Sache so getimet, wie ich es eigentlich gar nicht wollte. Mein Unterbewusstsein hat sich durchgesetzt, sonst hätte ich mich nie so entschieden.
Macht nichts. Ich passe mich an.
Auch im Netz und in der Timeline wird es ruhiger. Die letzten Tweets über die Lieferungen am Sonntag, die Tannenbaumbilder und die Weihnachtswünsche.
So ist das immer an Weihnachten bis nach den Feiertagen alle wohlgenährt und übersättigt nach Unterhaltung und Abwechslung lechzend wieder auftauchen.
Mir gefallen diese Tage, auch wenn es in diesem Jahr mal wieder nichts wird und nichts wurde mit dem einzigen Wunsch, den ich an Weihnachten habe: Frieden und Gewaltlosigkeit.
Bitte als Geschenk für alle einpacken!
claudia Dezember 23rd,2012
Fühlen,
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Das Freiheitsgefühl hält an. Jetzt ist alles erledigt. Keine einzige Pflichtaufgabe steht mehr an. Ich kann mich der Lektüre und den sozialen Netzwerken widmen. Nicht mal das Ticket für den Kongress 29C3 habe ich bisher ausgedruckt. Nur mal kurz in das Programm gelinst. Es ist wie so oft, gleich ganz zu Beginn ein toller Vortrag, den ich nicht schaffen werden. Komme zu spãt an. Aber was soll’s – lässt sich ja online nachholen.
Bin sehr gespannt auf den Kongress und hoffe, dass ich mich dort zurecht finde.
Antje ist aus dem Urlaub zurück und schimpft über untaugliche Schuhe und Toiletten, die nicht zu erreichen sind. Scheint ein echtes Problem im Flugzeug zu sein und kein Wunder, dass es da zu Eklats mit Promis kommt.
Logik ist eine mathematische Diszplin, die nach bestimmten Gesetzen funktioniert. Einige wenige Gesetze deren Anwendung uns zu logisch nachvollziehbaren Ergebnissen führt.
So weit, so gut, solange wir uns in einem mathematischen Raum aufhalten. Wenden wir die Gesetze der Logik auf Problemstellungen unserer alltäglichen Welt an, dann kann es zu absurden Situationen kommen. Nehmen wir das Beispiel Sicherheit und Waffen. Zuerst taucht also ein Mensch mit einer Waffe auf. Ist sie oder er gut, dann ist alles in Ordnung. Mit der Waffe werden wilde Tiere abgehalten – die werden das für weniger in Ordnung halten – oder es wird gejagt.
Kommt das Böse ins Spiel, brauchen die Waffenlogiker eine zweite Waffe, mit der die Guten vor dem Bösen geschützt werden. Kommen jetzt zwei Böse mit Waffen, dann hilft entweder eine bessere Waffe oder mehr Waffen.
Ihr seht, das was sich für eine und für zwei Waffen zeigen lässt, gilt dann auch für drei und für unendlich viele Waffe. Ebenso das Verbessern der Waffen. Die gleiche Logik, der analoge logische Schluss.
Mathematisch alles klar. Praktisch eine ausweglose Situation, die sich nicht auflösen lässt, weil die Spirale der Gewalt sich unendlich nach oben dreht.
Das alleine wäre schon ein Beweis dafür, dass streng angewandte Logik nicht immer weltliche, menschliche Probleme lösen kann.
Kompliziert wird die Waffen- und Gewaltgeschichte noch durch die Definition des Guten und des Bösen. Wer ist gut und wer böse?
Wer weiß, auf wen die Waffe zu richten ist. Früher vereinfachte man die Sache in dem von wir und den anderen die Rede war. Wir sind die Guten, die anderen – die Fremden, die Feinde, die Ungläubigen, die Reichen, der Pöbel oder wer auch immer – sind die Bösen.
Jetzt begibt sich aber das Problem, dass die Guten nicht immer gut sind. Manchmal liegt das an der Tageszeit, manchmal am Wetter und manchmal an der Verdauung. Plötzlich sind die Guten böse und die Bösen gut und das ganze Sicherheitsszenario hat ein Problem. Wer schützt sich jetzt vor wem? Am besten jedenfalls mit einer Waffe, denn einen anderen logischen Schritt gibt es nicht.
Wie alle Beispiele ist auch meins stark vereinfacht und daher nicht übertragbar ins reale Leben, denn es macht die Rechnung ohne den Staat auf und ohne den, ist die Rechnung uninteressant. Denn in der Praxis funktioniert es ganz einfach: der Staat gibt die Waffen vor und außer ihm sind alle potentiell böse.
Ich bin endlich frei! Für ein paar Tage jedenfalls gehört der Tag und die Nacht mir. Ich kann alles tun und lassen was ich will. So ein Glück. Alles Fremdbestimmte abgeschüttelt, keine weiteren Verpflichtungen.
Der Himmel auf Erden – wenn ihr ihn sucht: er ist bei mir. Ich nehme ihn mir und werde ihn genießen.
Manchmal bin ich ganz kleinlaut, wenn ich merke, wie privilegiert ich in solchen Situationen bin. Vom Glück, vom Leben und vom Schicksal verwöhnt. Jedenfalls in den letzten Jahren. Das war nicht immer so in meinem Leben. Aber die letzten Jahre, die darf ich nicht laut beschreien: die Göttinnen könnten es mir übelnehmen. Also lieber still und leise das Glück in mich einsickern lassen.
Ich bin frei! Wie schizophren das ist, dieses Freiheitsgefühl und wie sehr sich darin die Last der fremdbestimmten Arbeit spiegelt.
Seit diese Arbeit durch die Personalratsfreistellung ersetzt wurde, fühle ich den Druck noch stärker. Ich arbeite freigestellt für die fremdbestimmt arbeitenden Beschäftigten – der moralische Druck ist da so hoch, da fällt mir kein Vergleich ein.
Aber das Gewicht, das mir heute von den Schultern fällt – spricht Bände.
Da kann frau richtig schlecht werden, bei diesen Magic Moments. Gewalt gegen Frauen als Marketingstrategie – unterste Schublade würde ich das nennen. Anke Domscheit-Berg schrieb ein paar Tweets darüber und die Forschungstorte einen Blogbeitrag.
Ein Beschwerdeformular beim Deutschen Werberat gibt es hier.
Vorsichtig den Kopf aus dem Fenster strecken und die Morgenluft beschnuppern. Rein riechen in den Tag, der noch ein Alltag ist. Einer der letzten in diesem Jahr bevor die besondern Tage anbrechen. Aber noch gilt es sich auf diese Phase zu konzentrieren. Noch wird Aufmerksamkeit benötigt, eine kurze Zeit und dann folgt die Befreiungsphase. Frei von allen fremdbestimmten Ansprüchen und nur noch der eigenen wechselnden Laune unterworfen. Den eigenen Gelüsten und Sehnsüchten. Ganz ohne schlechtes Gewissen und ohne Verpflichtungen.
Ich stehe auf und gehe noch einmal zum Fenster. Am liebsten würde ich mich umdrehen und wieder hinlegen. Die frische Luft wirkt gleichzeitig belebend und ernüchternd. Einen klaren Kopf bekomme ich von ihr.
Aber will ich das?
Weihnachten wird gnadenlos mit Lektüre gefüllt. Das einzige, was den Kopf so richtig frei macht. Meinen Kopf sollte ich schreiben, denn bei anderen Menschen muss das nicht so sein. Ich freue mich schon und fühle wie nah die Tage des Aufatmens kommen.
Die ToDo-Liste im Büro füllt sich aber leider immer noch. Die private hãtte sich längst füllensollen, aber dazu bin ich leider noch nicht gekommen.
claudia Dezember 19th,2012
Leben | tags:
Weihnachten |
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