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Treppen-Graffiti
Treppen-Graffiti
Klappentexte scheinen einem geheimen Schema zu unterliegen, das ich bis heute nicht verstanden habe. Offensichtlich geht es darum, möglichst nicht preis zugeben, was in dem Buch, das sie umklappen, geschrieben steht. Allerdings scheint eine Regel zu besagen, dass die Eigennamen mit dem Inhalt übereinstimmen sollen.
Nur so kann ich mir erklären, warum bei dem Buch von Marlene Streeruwitz folgendes steht:
„Eine globalisierte Welt schaffft globalisierte Schicksale.
In London ist alles anders. Alte Entwürfe scheitern und neue Lösungen tauchen auf. London, die globalisierte Stadt, ist eine Mitspielerin und nicht mehr nur Landschaft auf der Suche nach neuem Leben. Dann aber gerät Selma in das Terrorattentat des 7. Juli.“
Selma stimmt, London stimmt und die Attentate waren am 7. Juli. Der Rest? Zum Glück ganz anders als in dieser Beschreibung.
Alte Entwürfe scheitern, neue Lösungen tauchen auf – ich fasse es nicht! Das ist so dermaßen schwach, dass ich mich frage: für wie blöd werden die Leserinnen und Leser gehalten?
Der Artikel ist nicht nur etwas für das Personalratsblog. Den möchte ich auch den Sammelmappen-Leserinnen und Lesern nicht vorenthalten. Internet und Abhängigbeschäftigte, das ist schon ein Thema für sich.
Eine Entlassung, die ausgesprochen wird, weil das Management kein Mitarbeiter_innen-Blog akzeptieren will. Ein Internetforum, das rund um die Uhr attackiert wird, weil es «negative Unternehmensnachrichten» sammelt. Eine Abmahnung durch die Geschäftsführung, weil ein Betriebsrat über die Gesundheitsrisiken von Schichtarbeit informiert. Codes of Conduct, die Angestellten von Konzernen “auf’s Aug gedrückt werden” und die niemand dahingehend überprüft, ob sie sittenwidrig und mit dem jeweiligen nationalen Rechtssystem vereinbar sind. Ein nicht angefochtenes Urteil in erster Instanz, das dem Betriebsrat pauschal jede Äußerung im Internet verbietet.
und wieder wurde ich am „System Administrator Appreciation Day“ http://ur1.ca/4t8cr vergessen –
Wahrscheinlich weil ich meine Arbeit so gut mache, dass ich absolut unsichtbar für die Anwenderinnen und Anwender geworden bin. Vielleicht aber auch, weil nur Admine und Admins diesen Tag kennen?
bevor du die Lampe löschst
mach die Augen zu
und versichere dich
dass du in der Dunkelheit
den Überblick nicht verlierst
Aus dem Tagebuch einer Vielbeschäftigten: Morgen stehen innere Einkehr und Steuern an.
Ich sollte häufiger fiktional schreiben, das heitert mich auf.
Der Sommer macht mich müde. Der Sommer, das Wetter, die Nachrichten machen mich müde. Die Arbeit, die Gedanken, die Zukunft macht mich müde. Vielleicht trage ich auch ein unbekanntes Müdigkeitsgen mit mir herum. In diesem Fall wären Sommer, Wetter, Nachrichten, Arbeit, Gedanken und Zukunft unschuldig. Zu Unrecht beschuldigt sozusagen. Vorverurteilt.
Ich bin müde. Zum Glück ist mir heute nicht kalt.
Aber das soll sich ja Morgen ändern.
Wie Europa unter Schlechtmenschen aussähe, das könnt ihr euch jetzt anschauen, wenn ihr die Nachrichten anseht, ihr Hobby-Kreuzritter.
Wir hätten eine Gemeinschaft, wie sie immer schon war, wenn die Angst die Vernunft schlägt: Dann wird aufgeräumt, dann muss Blut fließen, dann wird man nicht mehr mal sagen dürfen, dann wird man sagen müssen: Sieg Heil, Deus lo vult!
was Malte Welding den Schlechtmenschen sonst noch so zu sagen hat, könnt ihr hier lesen.
Denn in der Sammelmappe lesen ja nur die Gutmenschen und Sozialromantikerinnen – manchmal auch die Traumtänzer beiderlei Geschlechts.