Dichten ist ein waghalsiges Spiel mit der Seele.
Da schließe ich mich an.
Dichten entblößt – das empfinde ich nicht ganz so. Ich würde eher sagen: es öffnet und wirft Licht. Eine Entblößung wäre etwas Unangenehmes und das empfinde ich nicht dabei. Mir gefällt es, mich im Spiegel meiner Gedichte zu sehen. Oder in dem, was die Lesenden darin gespiegelt sehen. Es entzückt mich, wenn ein Zusammenspiel entdeckt wird, wenn ein Detail erkannt wird oder wenn eine Pointe auf Wiederhall trifft.
Dichten verändert und bewegt. Nicht nur innerlich, es lenkt auch Schritte.
Meine auf alle Fälle.
Claudia Juni 5th,2011
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Kirche der Angst vor dem Fremden in mir
War die ganze Zeit auf der Suche, nach einem passenden Videoausschnitt aus
„Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir“ von Christoph Schlingensief. Hab nur diesen gefunden, der vielleicht nicht ganz das zeigt, was mich bei der Aufführung so anrührte. Dass er jetzt bei der Biennale in Venedig mit dem Goldenen Löwen geehrt wurde freut mich sehr, obwohl ich gleichzeitig auch die Kritik am deutschen Pavillion nachvollziehen kann.
Mit guter Kunst trauern, ist schwierig. Um einen Künstler in der Öffentlichkeit zu trauern noch immer nicht selbstverständlich. Aber Gedenken ist persönlich und individuell. Auch das Gedenken an einen Künstler.
„Wer seine Wunde zeigt, wird geheilt, wer sie verbirgt, wird nicht geheilt!“
„Wir gedenken des zukünftig verstorbenen, der vieles leisten wollte, kaum dass er schon wieder weg war. Ein Mensch, wie wir, die du, wie ich, wir alle – und damit auch besonders. Er war der, der er war, mehr nicht, aber immerhin, wer kann das schon von sich sagen. Viele sind tot, viele sind untot, uns hat man jedenfalls noch nicht beerdigt. Halleluja!“
Begrüssung in der Kirche der Angst
Claudia Juni 5th,2011
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die Seele
hat Ausgang
Freigang allemal
bis zum Morgengrauen
da kehrt sie
wieder
in ihr Gitterhäuschen
ein
es pocht das
Rechthaber-Gen
auf seinen
Standpunkt
der sich insgeheim
verlorener Posten
nennt
von der Seite
leicht angepickt
weil sie sich
nicht
von oben traut
Traurig an der Bar sitzen und trinken
Gebrauchsanweisung für Alleingängerinnen
Claudia Mai 29th,2011
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Sorgen habe ich im Moment gerade keine. Höchstens Stellvertretersorgen. Sorgen um die Welt, um die Zukunft; darum, welchen Weg unsere Gesellschaft geht.
Aber die wird ihren Weg nehmen, den sie nehmen möchte, ganz unabhängig davon, ob ich mir Sorgen mache oder nicht.
Ein sorgenfreies Leben: ist das nicht immer das, was einem so gewünscht wird? Ein Luxus? Bei mir hat das nie ausgereicht um ein unbeschwertes Leben zu leben. Die Schwere und die Melancholie hat mir die dreizehnte Fee bei der Geburt mitgegeben. Aber ehrlich gesagt: ich möchte sie nicht missen.
Abendspaziergang in der untergehenden Sonne. Zweisamkeit. Nicht nur ausnahmsweise.

Keine Barmherzigkeit mit den Kindern unserer Zeit. Nein, sie schämen sich nicht und gehen mit Gewalt gegen sie vor. Aber sie strömen in Scharen zurück.
Gewalt ist keine Lösung, dieses Mal wirklich nicht.
Kling schlimm! Wie kommts, dass du die Stimmungen als "fremd" erlebst? Ich betrachte alle Stimmungen als eigene und suche entweder…