Lebenslinie
mehr strahlend als stochernd
mehr stichelnd als glänzend
fast zärtlich
ein Strich und keine Linie
gemalt statt gezeichnet
mit Kreide
in den Sand
mehr strahlend als stochernd
mehr stichelnd als glänzend
fast zärtlich
ein Strich und keine Linie
gemalt statt gezeichnet
mit Kreide
in den Sand
Da waren noch so viele Dinge, die ich heute Abend noch unbedingt erledigen wollte, doch jetzt ist mein Kopf wie leer gefegt. Offensichtlich liegt mein Unterbewusstsein auf der faulen Haut und will sich nicht stören lassen von Nebensächlichkeiten. Dann will ich mal hoffen, dass sich die Nebensächlichkeiten nicht die nächsten Tage als Notwendigkeiten erweisen.
Das wäre nicht zum ersten Mal. Aber ich habe wirklich keinen blassen Schimmer, was es war.
Ja, ihr dürft schmökern in der Sammelmappe. Mache ich selbst viel zu wenig in den letzten Wochen. Das Leben fühlt sich gewichtig an. Nicht erdrückend, nur mit einem Drall nach unten. Kann es zuviel Erdung geben?
Falls ja, hätte ich schon viel früher reagieren müssen. Aber vielleicht ist ja auch alles ganz, ganz anders.
Vielleicht ist gar nichts schwer, vielleicht fühlt es sich nicht mal schwer an. Möglich, dass meine Sinne mir nicht den Weg weisen, den es wirklich gibt. Vielleicht gibt es nur die Traumpfade und alles andere ist eine Erfindung. Eine Massenhalluzination.
Möglich wäre das.
Ihr dürft jedenfalls gerne schmökern in der Sammelmappe. Manchmal verfolge ich das anhand der Statistik. Big Sister is watching you, anhand der gesammelten Daten. Selbst hier in der Sammelmappe.
Schmökern – das ist doch auch nur das Leben in einer Parallelwelt. In tausend Parallelwelten.
Da will wohl jemand Internetminister werden. Dass sie eine Ministerin in Peto haben fluste ich nicht.
Warum gibt es noch kein Internet-Ministerium?
Wir brauchen Medienkompetenz in der Regierung, bei den Parteien und bei den Juristen. Im Prinzip ist das eine Bildungsaufgabe. Aber dafür braucht es auch kein Ministerium.
Träume – die Natur hat sich da etwas Seltsames ausgedacht, um uns mit den nächtlichen Träumen zu beglücken bzw. zu erschrecken. Bis heute wissen wir nicht so richtig, wozu Träume wirklich gut sind. Es gibt ein paar Theorien dazu, aber richtig einleuchtend ist keine davon. Es scheint mit dem Sortieren im Gehirn zusammenzuhängen. Mit der Bildung von Mustern und Strukturen und mit dem Aussortieren. Dem über Bord werfen von Ballast, den wir nicht mehr brauchen.
Bei mir ist der Zugang zu meinen Träumen besonders intensiv, ich liebe meine Träume. Die Tagträume ebenso wie die in der Nacht.
Die Allergiemedikamente verändern die Träume. Sobald ich einschlafe, fange ich an zu träumen und höre erst wieder auf, wenn ich aufwache. Jetzt könntet ihr denken: Das ist doch toll, wenn du so gerne träumst.
Aber das ist ganz und gar nicht toll, denn das sind nicht meine Träume!
Die Medikamente rauben mir meine Träume und legen mir andere unters Kopfkissen. Diese Träume haben keine Intensität. Sie erzeugen keine Emotion, sie wirken nicht. Es sind flache Träume, obwohl dort andauernd verrückte Dinge passieren wirken sie nicht phantastisch, nicht kreativ.
Sie lassen mich einfach nur platt und erschöpft aufwachen.
Ich mag das nicht.
Geht so eine Hochzeit noch als RL (reallife) durch, fragt Benni auf Twitter und ich frage mich, wie lange meine Toleranz noch hält. Sind jetzt wirklich alle komplett außerhalb der Welt? Hat irgendjemand den GAU in Fukushima zurückgehext, ohne dass es mir aufgefallen wäre? Gibt es plötzlich Menschen, die gleicher sind als andere? Ist es vielleicht plötzlich politisch korrekt, dass mensch mit den ererbten Ungerechtigkeiten – ich könnte auch schreiben Verbrechen an der Menschlichkeit – mehr Status hat als andere?
Da ist doch gar keine Schale mehr an der man kratzen könnte. Nicht mal polieren mit gutem Willem kann Frau die.
Diese Spaß ist doch schon lange keine Spaß mehr.
Ein Projekt unter den Crowdfunding-Projekten gefällt mir ganz und gar nicht.
Die Hartz-IV-Wohnung. Blöder Projekttitel. Ganz dummer Projekttitel. Obwohl das Projekt selbst vielleicht gar nicht so verkehrt ist.
Lebensqualität für alle. Die Hartz IV Wohnung ist eine Ausstellung, die zeigt, wie man sich trotz kleiner Wohnung ein schönes Leben gönnen kann. Wir sind der Meinung, dass jeder Mensch ein gutes Leben haben sollte, auch wenn er wenig Geld hat. Und das gute Leben beginnt mit einem schönen Zuhause. Der Schlüssel liegt im Selberbau. Die vorgestellten Möbel kann man nicht kaufen, sondern nur selberbauen. Die Baupläne sind alle kostenfrei.
Ein schönes Leben bzw. eine schöne Wohnung bedeutet Lebensqualität. Aber eine Hartz-IV-Wohnung ist eine Zuweisung. Eine Zuschreibung. Es bedeutet ein Überstülpen von Schablonen. Ein sieh her: so kannst du es machen. Du kannst dich ducken und dich in dem Leben einrichten, das sich andere für dich ausgedacht haben.
Nein, das ist kein schöner Projekttitel. Aber klar: Es ist ein Marketing-Begriff.
So, Morgen ist also die Hochzeit. Man kann sie ignorieren, aber man kann ihr nicht entgehen. Nur ausweichen. Mir fällt es schwer, das ganze Theater ernst zu nehmen. Ein teurer Spaß auf Kosten von vielen schwachen Schultern. Ein geduldeter Spaß, vielleicht sogar eine gewünschte Ablenkung, eine Unterhaltung. So wie eine Daily Soap oder dieses Superstargedöns – nur halt um einiges teurer.
So eine Hochzeit ist eine gefährlliche Angelegenheit. Nicht nur wegen der häuslichen Gewalt, aber ganz sicher auch wegen ihr. Aber lassen wir sie in diesem Augenblick einmal weg. Die Familie überhaupt ist eine gefährliche Angelegenheit. Es geht so viel Gewalt von ihr aus. Physische und psychische Gewalt.
Die Regel ist einfach: Je näher ein Mensch einem anderen steht, desto mehr kann sie ihn oder er sie verletzen. Je näher man sich steht, desto leichter gerät man in Gefangenheit. Je näher man miteinander lebt, desto stärker ist die Gefahr der Abhängigkeit.
Je näher man sich fühlt, desto weniger Schutz gibt es voreinander.
So ist das mit der Liebe, mit der Hochzeit, mit dem Kinder kriegen. Nahe beim Glück liegen die Stolpersteine an denen man sich schlimm verletzen kann.
Mit Entsetzen festgestellt, dass ich für einige Tage in einem Zentrum ganz ohne Internet eingebucht wurde. Mein Gott, ich habe ja für vieles Verständnis, was mir in der Arbeit abverlangt wird. Aber zwei mal eine Woche innerhalb von zwei Monaten ohne Zugang im Netz ist doch ein bisschen viel verlangt. Jetzt rächt es sich, dass mein iPad-Dingens keine Karte für einen Telefonzugang besitzt. WLAN habe ich doch immer, dachte ich – und wenn ich unterwegs bin, dann macht das doch nichts, da habe ich ja mein Überwachungsphone, das muss ja auch zu irgendwas gut sein.
Also wenn ich jetzt noch öfter einkaserniert werde, dann bin ich beleidigt.
Jedenfalls habe ich die Hoffnung, dass mir am Freitag das Schicksal hold ist. Ich habe mir überlegt, dass wenn so viele Menschen unbedingt diese Hochzeit sehen müssen, die Bahnen unmöglich überfüllt sein können. Die Überlegung muss doch richtig sein, oder etwas nicht?
Ich werde sehen. So oder so – ich bin hoffnungsfroh.
(Nur das fehlende WLAN, das nehme ich jetzt wirklich persönlich.)
Hier kommt die Kunst ins Spiel, beendet shelog ihren Eintrag zum Vortrag von Gunter Dueck auf der republica.
Goethes „Wilhelm Meister“, der Roman der Resignation, handelt von der Selbstbeschränkung auf einen bürgerlichen Beruf, bei der man die ganzheitliche und schöpferische Personlichkeit (personifiziert durch Mignon) größtenteil abtöten und auf das Maß der Nützlichkeit zurückführen muss – vom Adligen oder Künstler zum Bürger zu werden, durch Professionalisierung in einem eng begrenzten Bereich.
Gunter Duecks Vortrag auf der re:publica 2011 handelt von der Aufhebung des Berufes, dem Ende des Bürgertums, der Professionalisierung als Mensch.