Weich gezeichnet

Lyrik für alle Tage

Tief Atem holen

im Grunde versinken

und beim Wiederauftauchen

achten

dass die Seele sich

nicht wegpustet

Fingerspitzenpoesie

Zum Tag der Poesie ein bisschen Fingerspitzen-Lyrik

 

Der Körper will den Körper spüren – und sei es nur mit den Fingerspitzen. Sich vergewissern, dass die Einsamkeit nicht endlos ist. Alleinsein endet hinter der Fingerspitze, wenn sie fündig geworden ist.

Alleinsein beginnt vor der Seifenblase, die unter der Fingerspitze platzt.

Sprüche

Angesichts der Daueranspannung der letzten Tage und der Überforderung durch den elf Tage schon anhaltenden Weltuntergang leert sich mein Gehirn zusehens. Es weigert sich weiter zu denken. Denn jeder einzelne Gedanke endet doch immer nur in einem Desaster. Daher versucht mein Hirn auszuweichen und es bleibt an Sprüchen hängen. Sprüche, die oberflächlig gar nichts mit den Umständen zu tun haben.

Sprüche, die vom Unglück abschotten.

z.B.

Alles ist möglich, gilt nicht.

Das Herz ausschütten, um es nachher wieder zu befüllen.

Der Knäul hat sich selbst umgarnt.

Lust fährt ab auf Risiko.

Wegwerfarbeiter

Immer wenn du denkst es geht nicht mehr weiter nach unten, wirst du eines besseren belehrt. Wegwerfarbeiter. Bisher hatte ich dieses Wort noch nie gehört. Der Kapitalismus macht’s möglich. Wenn du unter bist, dann ist es ein Leichtes noch jemand zu finden, der drauf haut und dich benutzen darf.

Mir ist schlecht. Mir ist durchgehend schlecht, wenn ich diese Nachrichten höre.

 

Krisenkommunikation

Das habe ich jetzt auch kapiert.

„Man muss nicht alles sagen, was wahr ist, aber alles, was man sagt, muss wahr sein!“
(Egon Bahr)

 

via Fefes Blog

Guckt euch mal Anlage 1 von diesem Leitfaden zur Information der Öffentlichkeit in kerntechnischen Notfällen an. Fängt auf Seite 52 an. Das Dokument ist eine Empfehlung der Strahlenschutzkommission. Ich zitiere mal:Beispiel einer Gliederung einer Präsentation:

  1. Einleitung
    1. Statement der persönlichen Betroffenheit
    2. Statement zum Engagement und zur Absicht der informierenden Behörde

Stereotype, Sichtbarkeit und Wettkampf

Die republica nimmt Form an.

Diversity in der digitalen Gesellschaft

Frauen in der digitalen Gesellschaft anders wahrgenommen, als Männer. Diese andere Wahrnehmung ist gekennzeichnet durch:

a) Medienwirksamkeit: Spitzenfrau im Beruf oder „Spitzenbloggerin“ – beide sind weniger sichtbar als Männer (Quelle: Studie „Spitzenfrauen im Fokus der Medien“ Freie Universität Berlin)

b) Stereotypen: Existierende Stereotypen legen Frauen auf die Rolle „anderen“ fest, sie werden von den „dominanten“ Bloggern nicht als „gleiche“ gesehen. BloggerInnen handeln stereotyp. (Quelle: „Wie Vorurteile unsere Leistung verbessern und Verschlechtern können“, Prof Dr. Jens Förster, Uni. Amsterdam; „Geschlechterdifferenzierung und Gleichheitsnorm: Tücken der Gleichzeitigkeit“, Prof Dr. Regine Gildemeister, Uni. Tübingen)

c) Wettkampf: Die Sichtbarkeit in der digitalen Gesellschaft ist geprägt durch Wettkampf. Frauen stehen zu Competition anders, als Männer. (Quelle: Studie der University of Chicago, 14.01.2011)

Ziel des Vortrags: Lösungfindung!

via Mädchenmannschaft

Unterwegs

Blick auf dem Zugfenster

Blick auf dem Zugfenster

Monika III – das schlafende Mädchen

Die Geschichte ist mir selbst etwas unheimlich, aber ich habe mich noch einmal dran gemacht, sie weiter zu schreiben. Bin mir noch nicht sicher, wohin sie führt.

Monika I
Monika II

hier die Fortsetzung:

Immer gelang es Kerstin nicht, die Straße am Dorfrand und das Haus des Opas zu meiden. Kerstin wusste das. Aber sie wusste nicht, was sie sonst tun konnte. Das schlafende Mädchen war verschwunden. Nicht mehr da – so als wäre es nie da gewesen; und vielleicht war es auch nur ein traum gewesen. Was sollte es auch anderes sein? Kein Mädchen konnte so ruhig schlafen. So leicht, so lautlos. Irgendwann hätte das Mädchen aufspringen müssen. Lachend, prustend – oder auch lärmend und wütend, weil die rosen sie piksten.
Nur so leicht und lautlos weiterschlafen – das geht doch nicht in Wirklichkeit. Das konnte höchstens Dornröschen und das lebte – wie jeder wusste – im Märchen und nicht in dem Dorf in dem Kerstin wohnte.

Geh nicht mit Fremden und steig in kein Auto ein, sagten die Erwachsenen fast alle Tage.
Dabei gab es kaum fremde, die durchs Dorf liefen und ie Autos hielen schon gar nicht an. Die brausten die hauptstraße entlang und liesen die gebäude rechts und links erzittern. Die, die in Kerstins straße abbogen, die hätten sie höchstens zum Bach mitnehmen können. Dort war Schluss, die Straße war zu Ende. Außerdem waren alle Männer froh, wenn sie Ruhe vor den Kindern hatten. Kinder waren zu laut, zu scmutzig, zu störend. Die Männer, die ein Auto hatten, nahmen Kinder höchstens an Feiertagen mit. Zur Kirche, wenn alle Sonnatagskleiung trugen – und nur die eigenen oder die verwandten Kinder und wer wird die schon entführen.
Aber Kerstin wusste schon, was die großen meinten. In den nachrichten hatte sie es gehört und die Erwachsenen tuchelten darüber.
Entführung. Manchmal wurden Menschen entführt um Lösegeld zu erpressen. Besonders böse Ganster entführten auch Kinder, weil das einfacher war. Und dann konnte es passieren, dass den Eltern das Ohr des Kindes zurückgeschickt wurde. Kerstin hatte ein Ohr groß und deutlich auf der Titelseite der Zeitung mit den Bildern gesehen. Read the rest of this entry »

Am Horizont

Ab und zu bloggt Wolfgang Herrndorf

Wenn ich bei der Arbeit in Gedanken von meinem Rechner aufschaue, bin ich immer geneigt, die Wolkenbank am Horizont für einen Tsunami zu halten. Heute über Nacht hat eine Flutwelle den Holzsteg, der dreißig, vierzig Meter über den Strand führt, abgerissen und weggeschwemmt. Es ist Vollmond. Einmal täglich spült eine große Welle die Sonnenbadenden zur Seite.

Aufwachen

In der Nacht kitzelt der Vollmond durch die Ritzen des Rollladens meine Nase. Schlafen unter einem Scheinwerfer. Am Morgen schaue ich ins sonntägliche Bilderbuchwetter-Himmelblau. Unwirklich kommt mir das vor. Aber ja: der Frühling kommt. Er macht sich bereit, er lässt sich nicht vom Irrsinn der Welt vertreiben. Noch nicht, sollte ich vielleicht dazu schreiben und bin froh, dass ich meinen Pessimismus wieder gefunden habe. Mein Pessimismus ist mein Schutzpatron. Ich glaube fest daran, dass es nie schlimmer kommen kann als ich es mir ausmale, auch wenn mich jeder Tag vom Gegenteil überzeugt.

In den morgendlichen Nachrichten fällt ein Schatten auf den Kampf gegen den Super-GAU, es ist der Tod des Eisbär-Superstars Knut. Die Menschen sind weltweit betroffen von beiden Ereignissen. Nur wie es weitergeht mit der Kühlung erfahren wir nicht und auch nicht, dass es nur noch darum geht, die Ausmaße der Katastrophe möglichst kein zu halten.
Aber zu Libyen haben alle noch was zu sagen. Schön dass endlich wieder Kampfjets fliegen, man könnte sonst denken, kein Mensch braucht die. Aber nein: die nächste Runde um das Tauziehen Öl-Öl-Öl ist eröffnet.

Ich sehe zum Fenster raus. Es ist herrliches Wetter draußen. Ein Reisetag. Wunderbar geeignet um im Zug durch das Land zu reisen. Die Tasche gepackt, mit Proviant dieses Mal. Der Alltag kann kommen. Eigentlich zählt doch immer nur der Alltag, ein anderes Leben haben wir nicht.
Jeder Tag ist ein Lebenstag – selbst wenn es der letzte ist.