Wörter weichen
Wörter weichen
bis sie zart werden und sanft
eine neue Farbe erhalten
einen neuen Duft ausströmen
bis sie wörtlich werden
Sätze lüften
nach draußen in den Wind damit
sie flattern und sie drillen sich
kühlen aus und hängen sich
lassen sich ganz leicht zusammenlegen
Online-Altar
Der trottelbot hat ihn mir gezeigt, den Online-Altar. Meine Güte, wie oft hätte ich den schon gebauchen können und wusste nichts von seiner Existenz.
Dieser Online-Altar wurde speziell für Stoßgebete, Fürbitten
und Jammer bei IT-Problemen aller Art entwickelt.
Outfit aufpeppen
Die Taktik heißt Vor-mir-her-Schieben. Ich sollte mich längst um ein anderes Theme kümmern. Eins das widgetfähig, klar und gut lesbar ist.
Aber wie ich gestern schon schrieb: Ich bin kein Augenmensch. Wenn ich mir drei Themes angesehen habe, bin ich gelangweilt. Dann fällt mir ein, dass es noch anderes zu tun gibt. Ähnlich geht es mir beim Shoppen. Nach der dritten Umkleidekabine habe ich meistens auch keine Lust mehr.
Aber heute erinnert die Frankfurter Rundschau daran, dass Trägheit eine der Todsünden ist. Oh weh!
Wer sieht den Wald
vor lauter Bäumen nicht?
Ich, ich, ich. Könnte ich rufen. Wie der Kuckuck, der aus dem Wald ruft. Und wer sieht die Bäume vor lauter Wald nicht?
Ich, ich, ich, könnte ich rufen. Sehen ist nicht meine Stärke. Womit ich nicht meine, dass ich nicht sehen könnte.
Nein, nein, nein. Ich sehe den Wald und ich sehe die Bäume. Manchmal. Aber manchmal sehe ich nur den Wald und manchmal nur den einen Baum und dann den anderen und manchmal kann ich nicht kucken so viele Bäume gibt es da.
Sehen ist nicht meine Stärke.
Nicht im übertragenenen Sinn aber auch nicht im realen. Ich schäme mich, das zuzugeben. Gibt es doch Menschen mit viel größeren Sehbehinderungen als ich sie habe. Aber das ist nicht das Problem. Das Auge mag beeinträchtigt sein, das ist zu akzeptieren. Bei mir ist es der „Sinn“.
Mein „Sehsinn“ ist eingeschränkt – und das lässt mich zu seltsamen Interpretationen kommen. Die 3-D-Fähigkeit fehlt mir und daher überfordert mich sehr oft die Geschwindigkeit. „Geboren im Zeichen der Schnecke,“ sage ich oft von mir. Weil mir der Sinn für die Geschwindigkeit fehlt. Zu viele Menschen, die mir entgegen kommen, machen mir Angst, weil ich nie weiß, wie ich es schaffen soll, dass ich nicht mit ihnen zusammen stoße.
Die Ironie von der Geschicht: Oft stoße ich mit Menschen zusammen, weil ich den „Sehsinn“ einschränke. Mich in mir selbst versenke. Dort ist es übersichtlich – aber nicht zusammenstoßgeschützt.
Gut behütet
Gut behütet habe ich mich heute Morgen in die Kälte gewagt. Minus sechszehn Grad. Dazu bin ich nicht geboren. Die Wiege der Menschheit stand in Afrika, nicht am Südpol. Kein Wunder, dass ich die ganze Zeit bibbere und schnattere.
Aber mein Weg zu Arbeit, der wiegt alles auf. Eine Winteridylle.
Winterwelt
Morgens fahre ich durch die verschneite Winterwelt. Mir ist kalt, erst später fällt mir auf, dass ich meinen Hut vergessen habe. Schlecht für mich. Ich friere. Die Sitzung läuft, sie holpert und stolpert. Die Verantwortung liegt bei mir, fühle ich. Es wird gezogen und gedrückt von allen Seiten. Mir ist kalt.
Am Abend zuhause: schnell die Heizung hochgedreht. Immer noch zittere ich. Mir ist kalt. Ich lege die Decke über mich, schlafe ein, träume vom Spielzeugkrieg oder vom Krieg der Spielzeuge, das ist nicht ganz klar. Klar ist, dass ich mich ernstlich vor dem Hubschrauber fürchte. Davon wache ich auf. Davon und vor der Kälte, die mich zittern lässt.
Ich werde nicht warm mit diesem Winter.
Stöbern
Das Einstellen der alten Einträge führt mich zwangsläufig zum Stöbern in den alten Gefühlen und Gedanken. So viel ist geschehen in der Zeit. Viel Veränderung war da und vieles ist gleich geblieben. Immer gleich. Und trotzdem ist Zeit vergangen und ich habe mich verändert. Mein Leben hat sich verändert.
Die Frage von Frau Fragmente ging mir wieder durch den Kopf: Warum so wenig Menschen über die Arbeit bloggen? Für eine Weile habe ich darüber nachgedacht, ob ich meine selbst auferlegte Sperre nicht aufheben sollte? Die Arbeit, das ist der Teil des Lebens, der den größten Teil meiner Energien absorbiert. Der einen Teil meiner Persönlichkeit aufsaugt. Der an mir nagt und mich manchmal auch drückt. Ist es richtig, die Arbeit immer wieder aussen vor zu lassen?
Nein, ich habe nichts zu befürchten von meinem Arbeitgeber. Ich sitze relativ fest im Sattel, wie mensch so sagt und ich neige nicht zu Beschimpfungen oder gar zu Verleumdungen. Aber nein: Lieber nicht. Ich brauche meinen Schutzraum um mich herum. Ich brauche meine Schutzkleidung. Die würde ich mir nehmen, wenn ich über die Arbeit bloggen würde. Ich wäre verletzlicher als ich jetzt schon bin.
Nein, ich lass lieber anderen den Vortritt.
100 Kommentare
habt ihr mir schon geschrieben. Ihr schreibt schneller als ich kucken kann. Aber ich bin auch fleißig und stelle die nächsten alten Einträge ein.
Es wird schon wieder, denke ich mir. Und gleich darauf: Was für ein schönes Leben habe ich doch. Federleicht mit leichtgewichtigen Probleme.






