Herzunruhe
Bei mir wirkt sie auch: die Herzunruhe
– und dabei trumpfe ich doch immer wieder auf: mit der Herzensruhe.
Mein Herz schlägt für die Gerechtigkeit. Mein Herz schlägt im Liebestakt.
Mein Herz schlägt.
Es schlägt.
Bei mir wirkt sie auch: die Herzunruhe
– und dabei trumpfe ich doch immer wieder auf: mit der Herzensruhe.
Mein Herz schlägt für die Gerechtigkeit. Mein Herz schlägt im Liebestakt.
Mein Herz schlägt.
Es schlägt.
Für eine kurze Zeit würde ich gerne: mein Leben verhüllen. Ein Tuch darüber legen, wie früher über den Käfig am Abend, damit der Kanarienvogel schläft. Für eine kurze Zeit nur: von der Bildfläche verschwinden. Unsichtbar. Nur das Tuch ist da – und unter dem Tuch, schläft meine Seele.
Was für ein Blödsinn! Was für ein Gedanke! Immer diese Rückzugstendenzen, immer diese Innerlichkeit. Der Mensch lebt vom Kontakt, von der Berührung, von dem Leben in Zeit und Raum. Nimm ihm die Zeit, nimm ihm den Raum und er wird jämmerlich zu grunde gehen.
Und trotzdem: möchte ich mich manchmal gerne verhüllen. Unter dem Tuch nur mit mir selbst konfrontiert.
mehr strahlend als stochernd
mehr stichelnd als glänzend
fast zärtlich
ein Strich und keine Linie
gemalt statt gezeichnet
mit Kreide
in den Sand
Noch ein Tag Schonzeit und dann beginnt der Ernst. Nicht dran denken; ist auch so schon schlimm genug. Besser wäre es, wenn ich etwas Ablenkung hätte. Ein schönes Video, schöne Musik. Ein bisschen Kitsch, das tut mir in solchen Moment ganz gut. Aber mir will nichts richtiges einfallen, was ich hören könnte. Ich klicke mich hier hin und dort hin. Nichts beruhigt mich, alles lässt mich kalt, die Gedanken ziehen ihre Kreise immer enger. Die Angst zurrt mich fest. Wickelt mich ein. Ich richte mich auf. Spanne mich an: Nicht unterkriegen lassen. Alles, nur nicht unterkriegen lassen.
Bald ist alles vorbei. Alles wieder im Lot. Alles viel besser als vorher. Alles wieder gut.
Wieder gut.
mag ich nicht. Ich mag lieber ankommen. Dass jede Abreise auch ein Ankommen mit beinhaltet, kommt mir jetzt wie eine intellektuelle Spitzfindigkeit vor. Eine Logik, extra dazu bestimmt mich zu ärgern.
Ich mag die Abreisetage trotzdem nicht. Egal wo ich hinterher auch ankomme. Sie sind so kurz. So unbestimmt.
Und trotzdem bin ich froh, dass ich reisen kann. Den Ort wechseln, den Raum austauschen.
Würde mich gerne
in die Worte
hinein wühlen
mich darin suhlen
mich drehen und
wälzen
würde mir gerne
eine Schutzhaut
zulegen
nicht nur
aus Worten
nicht nur
für diese Zeit
Ich lebe meine Ängste aus. Aus Sicht der Glücksforschung – oder der Leidforschung oder der Angstforschung – ist das ein Fehler. Ausleben heißt sich an ein Verhaltensmuster zu gewöhnen. Es sich anzutrainieren. So trainiert sich die Glückliche das Glück an und die Ängstliche die Angst. Also doch besser die Angst einfach zu den Akten zu legen? Sie hinten ein sortieren und nicht beachten?
Das habe ich auch schon versucht, aber das ging nicht gut aus. Meinem Pokerface ist die Angst und die Furcht nicht anzumerken und im schlimmsten Fall würde ich tot umfallen bevor jemand merkt, dass etwas nicht in Ordnung mit mir ist. Diese Methode scheint mir daher nicht besonders angebracht. Ich mache das, was ich am Besten kann. Ich nehme meine Angst und drehe sie nach allen Seiten. Betrachte sie von oben und von unten und bespreche sie im Guten und im Bösen. Ich halte sie weiter von mir weg und gehe noch mal extra nahe dran.
Ich habe keine Angst vor meiner Angst. Sie kriegt mich nicht klein, höchstens in die Nähe eines Ohnmachtsanfalls. Aber den verhindert mein vegetatives Nervensystem. Das hat sich auch schon dran gewöhnt.
So ist das mit mir und meiner Angst.
Manchmal denke ich: Ich bin eine mutige Frau. Eine sehr mutige Frau, die schon vielen Ängsten in die Augen sah. Bis jetzt hinderte mich die Angst nie, meinen Weg zu gehen. Nur verlangsamt hat sie ihn ab und zu. Aber ihr wisst ja: Ich bin im Zeichen der Schnecke geboren.
Da passt das.
Ein Blog ist für vieles gut. Manche Menschen schreiben ihre Einkaufszettel rein, andere ihre Rezeptsammlung, einige zeigen ihre Haustierchen und loben Mann und Kinder. Meine Sammelmappe muss in regelmäßigen Abständen meine Jammerattacken ertragen. Jetzt ist es wieder so weit. Ich will nicht, aber ich muss. Der Countdown läuft.
Oh, weh und das mit meiner Zahnarztphobie.
500 Einträge sind jetzt in der Sammelmappe nachgetragen. Oh weh, das ist ganz schön anstrengend und bedarf Konzentration. Warum war ich auch immer so fleißig in der Vergangenheit?
Das war manchmal ein reines Blog-Feuerwerk.