Piratenpartei

Mir persönlich ist das Programm der Piratenpartei noch zu mager. Informelle Selbstbestimmung, Patentrecht, Urheberrecht, Transparenz und OpenAccess sind wichtige Themen, die unbedingt in den Fokus der Öffentlichkeit gelangen müssen, aber mir reicht das nicht aus. Eine Partei muss Aussagen zu den sozialen, wirtschaftlichen und bildungspolitischen Themen machen. Sie muss zu Forschung und Umwelt etwas zu sagen haben. Und noch zu vielen Themen mehr.

Trotz meiner Kritik werde ich meine Unterstützungsunterschrift für die Zulassung zur Bundestagswahl geben. Eine bunte Parteienlandschaft schadet der Demokratie nicht. Im Gegenteil: sie nützt uns allen.

Nichtwählen ist auch eine Option

Ich warte extra ab bis der Wahltag (fast) zu Ende geht, ehe ich diesen Artikel poste. Nein, ich will niemanden beeinflussen. Nicht um zur Wahl zu gehen, nicht um es bleiben zu lassen und ganz besonders nicht, um den Menschen zu sagen, was sie wählen sollen. Aber es nervt. Es nervt mich ganz gewaltig, wie oberlehrerhaft die Twitterer und Blogger das Mantra der Medien wiederholen: Wer nicht wählen geht, wählt rechts. Wer nicht wählen geht, untergräbt die Demokratie. Wer nicht wählt, ist doof oder ein Schuft oder was weiß ich.

Jeder, der hier in der Sammelmappe liest, merkt, dass mir die Politik und die Menschen am Herzen liegen. Dass ich Ungerechtigkeiten nicht mag, dass ich für eine barmherziger, sozialere Welt eintrete. Aber auch für die Freiheit im Denken und Handeln.

Nein: Wahlpflicht ist keine Option. In einer echten Demokratie kann es keine Wahlpflicht geben. Davon bin ich überzeugt und auch, dass jeder Mensch frei handeln kann. Nicht-Wählen ist eine Handlung. Eine sehr passive Handlung, aber unter den gegebenen Umständen manchmal nicht zu umgehen. Nicht-Wählen ist eine Option. Hoffentlich nicht für immer und hoffentlich finden auch die Nicht-Wähler ihre Möglichkeit sich in der Zukunft aktiv in unsere Demokratie einzubringen, solange es noch eine Demokratie ist. Das wünsche ich mir.

Aber die jungen Menschen scheinen schon mit oberlehrerhafter Attitude aufzuwachsen: Das ist ein No-Go, sagen sie in jedem zweiten Satz und meinen damit, das tut man nicht.

Das tut man nicht – das kenne ich noch von irgendwoher. Von früher, wenn die Erwachsenen keine Begründung für ihr Verbot finden konnten. Dann tat man das einfach nicht. Heute ist das ein No-Go und alle nicken im Takt.

Lasst sie nicken. Wenn es sein muss im Dreiviertel-Takt.

Nachtrag
Um Missverständnisse zu vermeiden: Ich habe gewählt. Aber ich gehöre zu den Menschen, die von den anderen nicht immer das verlangen, was sie selbst tun. Im Internet scheinen die selten zu sein.

Tagebuch bloggen

Tagebuchbloggen ist der neueste Trend. Einer hat angefangen, andere haben es aufgenommen und weiter geschrieben. Eine Herausforderung, nicht immer einfach zu realisieren.

Mein Tagebuch schreibe ich ganz traditionell in die Kladden; in der letzten Zeit habe ich mir angewöhnt, diese Kladden im Abstand von ca. drei Monaten abzutippen. Drei Monate – In diesem Zeitrahmen hat sich viel von dem, was passiert ist, wieder gesetzt, trotzdem ist alles noch nah genug, dass ich mich noch einmal in die Zeit hinein versetzen kann. Dieser Rhythmus gefällt mir ganz gut.

Für mich kommt das Tagebuchbuchbloggen aus verschiedenen Gründen, die ich in der Sammelmappe schon mehrfach diskutiert habe, nicht in Frage. Ich bleibe bei meinen persönlichen Kladden. Manchmal zitiere ich hier aber auch aus ihnen, z. B. wenn ich mir Notizen beim Lesen mache.

Fragen ohne Antworten

Wie fängt man sich selbst wieder auf, wenn man sich aus Versehen in die Luft geworfen hat?

Zeugnis – Vincent

Ich kruschle mich weiter durch den zweiten Band der Briefe von Vincent Van Gogh an seinen Bruder. Die einzelnen Bände umfassen jeweils 750 Seiten. Genau das richtige für mich. Merkwürdig: Romane mit sovielen Seiten mag ich selten. Es gibt nicht viele Romane, die gut geschrieben und sehr umfangreich sind. Aber Briefe und Biografien, die können nicht umfassend genug sein. Vorausgesetzt natürlich, sie stammen von Menschen, die mich interessieren. Briefe und Biografien und heute die Blogs: Das passt schon zueinander.

Es ist rührend zu lesen, wie Vincent in der Erinnerung an seine Arbeit in der Kunsthandlung einen Satz aus dem Kündigungsschreiben zitiert:

“Sie sind ein anständiger und rühriger Angesteller, aber Sie geben den anderen ein schlechtes Beispiel.”

Samstagmorgen

Ich mag den Samstagmorgen. Meistens bummelt er so vor sich hin. Heute ist er begleitet von der Regenstimmung. Feine Bindfäden regnet es vom grauen Himmel. Ziemlich viele Bindfäden würde ich sagen. Wenn man drinn sitzt und nicht daran denkt, dass man später noch unter dem Regen durchrennen muss, dann sieht es gemütlich aus. Etwas zu kühl für meinen Geschmack ist es heute. Das Wetter kann es einem nie recht machen. Wie auch? Dafür ist der Samstagmorgen willkommen, so ruhig, so sanft, so träge. Solange, bis der Blick auf die Uhr wieder zeigt: Schnell, schnell – raff dich auf, du musst noch das tun, und das, und das und vor allem darfst du nicht das vergessen.

Nein, ich vergesse nichts. Ich schau nur noch kurz dem Regen zu. Es regnet draußen – für mich.

Assoziationen – ganz ohne Alphabet

Wochenende – Schafskälte – noch kälter – Darm wehrt sich – schüttelt mich – schöne Aussichten – Kündingungszeiten – Gesetzeslage – gut durchmischt – keine Frauen weit und breit – abgeharkt – Liebesnest – Zukunftspläne – rosarot – mit und ohne Brille – ja und nein sagen – der Nichte schreiben – die Fee erfüllt den falschen Wunsch – Sehnsucht – lesen – schreiben – Schreibzeit – Zukunft – bald – kein Geheimnis – Wunschdenken – Utopien – Pläne schmieden – Enttäuschungen – sich irren – Liebeszeit – Gedankenwelt – erstes, zweites, drittes Leben – Hier und jetzt – Übergang – gewichtig sein – aus Zucker – wenn dann Traubenzucker – aufmuntern – du – er – wir beide – wie früher – 50 m² – S-Bahn – Lesen – Bloglesung – Ja! – Vorsicht – Plan – Traum – Schluss – Ende – Wie schön!

Vincent

Er ist mein Lieblingsmaler mit den schönsten Sonnenblumen und Blütenträumen die auf Leinwand vorstellbar sind. Was für ein Mensch er war, lässt sich beim Lesen seiner Briefe an seinen Bruder Theo erahnen.

“Die Hoffnung auf bessere Zeiten soll sich nicht als ein Gefühl, sondern als ein handeln in der Gegenwart zeigen.”

“In solchen Momenten möchte man aus Eisen sein und ärgert sich darüber, dass man nur aus Fleisch und Blut ist.”

“Und ich male doch so gern.”

“der Einfluß eines guten Menschen reicht oft weit.”

“Ich weiß nicht, wie ich durchkommen soll – nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern gegenüber der Kunst und dem Leben im allgemeinen.”

“Es wird dir jetzt vielleicht zumute sein, als schiene die Sonne schöner und als hätten alle Dinge wieder einen neuen Reiz bekommen. Wenigstens glaube ich, dass derlei stets die Folge einer ernsthaften Liebe ist, und das ist etwas Herrliches. Und ich glaube auch, dass diejenigen, die meinen, man könnte dann nicht klar denken, im Irrtum sind, den gerade dann denkt man sehr klar und tut mehr als sonst. Liebe ist etwas Ewiges, sie verändert sich wohl dem Schein, aber nicht dem Wesen nach. Und es ist zwischen dem, der liebt, und demselbsen Menschen vor dieser Zeit der gleiche Unterschied wie zwischen einer Lampe, die angezndet ist und einer, die nicht brennt. Die Lampe war wohl da und war auch eine gute Lampe, doch jetzt gibt sie auch noch Licht und erfüllt ihre eigentliche Aufgabe.”

Tag der Umwelt

ist morgen – und ich bin sicher, dass da wieder jede Menge Leute ganz stolz auf sich sind, dass sie ihr fünfundzwanzigstes Handy und ihren siebzehnten Computer in die dritte Welt geschickt haben, täglich ihren Müll sortieren und überall Energiesparlampen verwenden. Das mit den Energiesparlampen zählt bald nicht mehr als Argument, weil es dann keine Glühbirnen mehr zu kaufen gibt und das Gift – nun ja, das vergessen wir lieber mal ganz schnell. Wo Umwelt drauf steht muss schließlich auch Umwelt drin sein.
Ich verzichte auf die Grundsatzdiskussion und lebe mein konsumreduziertes Leben. Meine volle Bewunderung erhalten Menschen, die ganz ohne Geld und ohne Konsum leben können. Das schaffe ich nicht; dazu fehlen mir  einige praktische Fähigkeiten. Ich halte diese Menschen jedenfalls nicht für Spinner sondere bewundere ihre Konsequenz.

Unfreiwilliges Leben mit wenig Geld führt auch zu weniger Konsum
, vielleicht lässt sich unsere Regierung da noch etwas einfallen, um etwas für die nationale Energiebilianz zu tun.

(Nachtrag: Sehe gerade, dass auf meiner Lieblingsinsel, das Thema “Ohne Geld keine Krise” schon gestern eine Erwähnung gefunden hat.)

Himmlischer Friede

Es ist mal wieder so weit. Ein Jahrestag nähert sich. Das schlimme Massaker am Platz des Himmlichen Friedens in Peking am 4. Juni 1989 bei dem so viele junge Menschen starben. Die Regierung in Beijing hat schon mal reagiert und vorsorglich YouTube, Twitter, Flickr und co gesperrt.

Auf YouTube sind einige Videos eingestellt. Ihr könnt sie finden, wenn ihr nach Tiananmen sucht. Unter anderem ist dort auch das berühmte Video von dem jungen Mann mit den Einkaufstüten, der sich dem Panzer entgegenstellt: Holding Up A Tank.
Für ihn ging die Sache gut aus, für hunderte anderer junger Menschen leider nicht.