Lesen macht glücklich

Bin besessen von diesem Tagebuch. So stark. So krass. So wahr.

„Das Alter? Ein grausames Thema. Weil man auf jeden Fall daran stirbt.“

Diese Reise ohne Wiederkehr wird so selten wahrhaftig beschrieben. Zu oft ist sie in ein verhüllendes Gewand gekleidet. Mir gefällt es gut, wenn eine ehrlich darüber schreibt.

Warum mache ich das nicht öfter? Jetzt bin ich mittendrin.

Bildbeschreibung : Das Buch „vom Fischen und von der Liebe“ liegt auf Claudias Schoß. Auf der roten Hose und dem hellen Pulli.

Vom Fischen und von der Liebe

Bestimmt habe ich es hier schon erwähnt. „Vom Fischen und von der Liebe“ von Benoite Groult

Die Leseprobe fand ich schon umwerfend toll. Voller Kraft und Elan. Ein Tagebuch. Den Begriff Alterstagebuch, habe ich irgendwo gelesen. Gibt ja nicht so viele von alten Frauen.

Hab das Buch geduldig in der Bücherei vorbestellt und darauf gewartet.

Leseglück.

Mileva Einstein-Marić und die anderen genialen Frauen

Auf beziehungsweise weiterdenken den wunderbaren Tipp zu diesem Buch gefunden:

Hier nun noch die versprochene Namensliste, unvollständig, im Buch sind noch viele mehr zu finden: Mileva Einstein-Marić, Sophie Taeuber-Arp, Julie Wolfthorn, Marie Bashkirtseff, Elen Luksch-Makowsky, Dora Hitz, Teresa Feodorwna Ries, Ida Boy-Ed, Elsa Asenijeff, Vally Wygodzinski, Marevna, Carmen Herrera, Josephine Nivison-Hopper, Paula Modersohn-Becker, Clara Westhoff-Rilke. Zitiert werden Gedichte u.a. von Else Lasker-Schüler, Rose Ausländer, Gabriela Mistral, Luisa Famos, Ricarda Huch, Gertrud Kolmar. Was für ein schönes Buch und wie viele wertvolle Hinweise auf Werke und Künstlerinnen! Ich wünsche mir, dass Senta-Trömel Plötz‘ kluge und einfühlsame Auseinandersetzung mit den genialen Frauen unseren Blick schärft, wir immer aufmerksamer werden, sodass immer mehr dieser Frauen hinter ihren Männern auftauchen und den ihnen zustehenden Platz in unserer Vorstellung und damit auch in unserer Überlieferung einnehmen können.

Senta Trömel-Plötz, Mileva Einstein-Marić und andere geniale Frauen. Wortstücke, Christel Göttert Verlag, Rüsselsheim 2019, 228 S., 17 Euro.

Journal14012020

Für den Rest der Woche kann ich weiter brüten über die Hartnäckigkeit mit der sich der Mythos hielt, dass Gewalt ein Erziehungsmittel sei.

Wie sehr es in den Menschen steckt, an das Böse in anderen Menschen zu glauben.

Wie sehr Stärke mit Gewalt in Verbindung gebracht wird.

Und dass letztlich doch eine große Sehnsucht nach Gewaltlosigkeit in den Menschheit steckt.

Gewaltig

Die Welt in der wir Leben. Das Menschenbild mit dem wir sozialisiert wurden.

Nachtrag zu gestern:

Durch das am 2.11.2000 verabschiedete Gesetz zur Ächtung der Gewalt in der Erziehung wurde Deutschland zum 13. Staat der diesen Schritt wagte.

(Ich lese das Buch „Gegen die Gewalt “ von Christian Pfeiffer)

Das „angeschlagene Selbstbewusstsein“ erhält eine ganz besondere Bedeutung.

Schläge

Zum 1. Oktober 1979 trat in Schweden ein Gesetz in Kraft, das Schweden zum ersten Land der Welt machte, in dem jegliches Schlagen von Kindern gesetzlich verboten wurde.

1979!

Lehrkräfte in der Bundesrepublik Deutschland durften bis in die 1980er Jahre schlagen und sich dabei auf „Gewohnheitsrecht“ berufen.

Sehr scharf

“Ich kann nur beschreiben, was ich kenne, darum muss ich oft lügen, denn ich sehe sehr scharf und will niemandem weh tun.“

Marlen Haushofer

Journal10012020

Der Himmel klart auf. Rechtzeitig zur Wochenendstimmung. Hab tatsächlich diese erste vollumfängliche Arbeitswoche schon hinter mich gebracht. Es ist ruhig im Büro. Die Ferien sind noch nicht vorbei. Mir kommt die Ruhe entgegen. Der leere Büroflur fühlt sich an wie ein Schutzgebiet. Ein Schutzgebiet für gestresste Arbeit-Mimosen-Seelchen.

Nächste Woche geht es wieder rund. Dann stürze ich mich rein ins Getümmel.

Journal09012020

Ein bisschen Wehmut.

Ein bisschen Demut.

Ein bisschen Vermissen.

Ein bisschen Präsenz.

Lass uns fliegen.

Lass uns glücklich sein.

Journal08012020

„Ich interessiere mich sehr für die Zukunft, denn ich werde den Rest meines Lebens mit ihr verbringen.“ Milva

Bei mir ist es etwas anders. Ich interessiere mich sehr für die Vergangenheit, vorallem für die Erinnerungen, die ich in mir trage. Mit ihnen verbringe ich den Rest meines Lebens und weil ich so gierig bin, häufe ich immer weiter Erinnerungen an.

Das ist die richtige Strategie, denn Erinnerungen tendieren dazu in einen Strudel des Verschwindens zu geraten und dem gilt es entgegenzutreten. Mit einer Erinnerungswelle. Sie darf über das schwarze Loch des Verschwindens hinüberschwappen. Mit Kraft.

Ein Ozean des Lebens.