No backup, no cry. Faulheit hat ihren Preis. In diesem Fall liegt er bei 1500 Fotos. Das Fairphone macht mich einfach nicht glücklich. In drei Jahren hat es drei Rückwände auf dem Gewissen, weil der Akku zu heiß läuft. Einen Akku hat es gefressen und die dritte SD-Karte ist jetzt abgeraucht.
Es ist das erste Smartphone für das ich wirklich und wahrhaftig Ersatzteile brauche. Irgendwo las ich vor kurzem, dass es noch ein anderes nachhaltiges Smartphone gäbe. Vielleicht wäre das ja eine Alternative für mich, wenn die Nachfolge geregelt werden muss.
Mein Neujahr beginnt ohne gute Vorsätze. Ich bin zu alt um mir mein Leben mit selbst auferlegten Aufgaben sauer einzulegen.
In der Regel ist es ja verpönt zu sagen, dass wir für irgendwas zu alt sind. Oder überhaupt, dass eine alt ist. Ständig sollen wir jung im Herzen sein. Mindestens. Oder höchstens so jung wie wir uns fühlen.
Mir gefällt dieses Spiel nicht besonders. Meine Knochen knacken ab und zu. Wenn ich aufstehe, müssen meine Muskeln erst aus dem Standby-Zustand hochgefahren werden. Ich vertrage Hitze nicht mehr gut, Kälte auch nicht und Lärm geht mir so was von auf den Zeiger.
Meine Lebenszeit schmilzt dahin. Es gibt einige Dinge, mit denen ich zum ersten Mal konfrontiert bin, es gibt andere Dinge von denen ich weiß,dass sie von nun an abzählbar sind.
Meine Zeit und meine Energie ist kostbar geworden. Ich kann und will sie nicht mehr für alles und jedes verschwenden.
Silvester.
Der letzte Tag im Jahr. Mein liebster Tag im Jahr.
Ich zelebriere diesen Tag mit mir.
Twitter mag keine Böller. In den vergangenen Jahren kritisierte die Timeline das Geldverrauchen und appelierte für Spenden. Dieses Jahr schreien sie laut: Feinstaub. In diesem Spiel ist immer klar, wer gut und böse ist.
Böllern ist eine Klassenfrage. Wer zehn Jahre kürzere Lebenserwartung hat, böllert vielleicht gerne.
Aber ich bin abgekommen vom Thema. Ich mag diesen Tag. Jede Minute. Als wolle ich das alte Jahr festhalten, ihm meine Ehre erweisen.
Mit dem Neuen Jahr werde ich wieder fremdeln, das ist jetzt schon klar.
Es wird anders werden.
Die Spuren, die die Zeit hinterlässt werden markanter. Nichts mehr lässt sich leicht beiseite rücken.
Es wird ernsthaft werden dieses Neue Jahr.
Es wird mich packen.
Die Leichtigkeit ist dahin.
Aber immer noch gilt:
Das Glück schleicht sich wortlos an.
manchmal fällt die Zeit zwischen die Ritzen
in Zügen verliert sie sich besonders gern
sie quillt über aus den Abfallbehältern
setzt sich in den Mantelfurchen fest
und saugt sich mit Langeweile voll bis sie durch die Sitze trieft
zwischen den Welten
wird die Zeit geknuddelt
und anschließend wieder aufgebügelt
2018 war das Jahr in dem ich mich im Abschied nehmen übte.
Mit das Unangenehmste am älter werden ist für mich, dass es tatsächlich so viele Abschiede gibt. Kleine und kleinst Abschiede genauso wie die schweren, die wehtun.
Morgens sehe ich mir die Webcam vom Hafen in Llanca an und schaue ob die Fischer rausgefahren sind, welche Temperatur gerade herrscht und wie der Himmel aussieht.
Erinnerungen sind das Gold des Alters, geht mir durch den Kopf und ich bin froh über die vielen Erinnerungen der vergangenen Jahrzehnte.
2018 war auch das Jahr in dem mich mein Körper fast verzweifeln ließ, weil er sich als nicht so hitzebeständig erwies, wie ich ihn gerne haben würde.
Meistens bin ich meinem Körper ja dankbar für das was er für mich stemmt und aushält, aber die Hitze brachte mich über Wochen in einen Zustand tiefer Verzweiflung.
Viele Dinge sind gut gelaufen in diesem Jahr. Am Besten gefällt mir das Gefühl tiefer Zufriedenheit, das mich immer wieder überfällt.
Alles ist gut. (Nun ja, nicht alles, aber das was nicht gut ist, nimmt eben seinen natürlich Lauf.)
Alles ist gut. Besser als es jemals zuvor in meinem Leben war.
Der Himmel über mir ist blau. Selbst wenn er grau ist, weiß ich, dass die Sonne scheint.
Vor der Bio-Metzgerei wartet eine ca. 30 m lange Menschen-Schlange.
Es ist mild draußen.
Wunder dauern etwas länger, aber heute ist ein guter Tag dafür.
Der Blick vom Balkon führt ins Grüne. Die Meisen besuchen uns immer um die Mittagszeit.
Auf ARD läuft Familie Becker.
Hier ist es warm und gemütlich.
Ein Traum.
Ein kleiner Traum.
Nachtrag:
Das Vermeiden von Unglück ist eine Lebensstrategie.
Der vorweihnachtliche Vollmond scheint durch das Fenster. Strahlend und klar. Vielleicht ist sein Vorbild der Komet, der einst am Himmel stand.
Ich bin glücklich. Auf eine leise und und unspektakuläre Weise. Alles ist da, was ich brauche. Alles ist so wie ich es mag. Für den Augenblick.
Klar, da gibt es im Hintergrund noch diese Sorgen. Sie werden mir auch im nächsten Jahr nicht von der Seite weichen.
Doch für den Augenblick müssen sie zurückstehen. Sich hinten anstellen.