So einen Zwischenzustand wie dieses Mal kenne ich sonst nicht von der Rückkehr einer Reise. Dieses Mal habe ich mich zwischen den Welten verhakt. Und zwischen den Zeiten. Der Koffer steht im Flur und ist nicht ausgepackt. Nicht mal aufgemacht.
Meine Seele braucht noch ein bisschen bis sie hinterher kommt. Sie reist langsamer als der Rest.
Wie so oft komme ich mit einem gespaltenen Herzen aus Kuba zurück. Ich sehe, was ich sehe, erlebe, was ich erlebe, höre, was ich höre und weiß doch, dass das nicht die Welt ist, die die Menschen in Kuba sehen, erleben und hören. Wie immer trage ich eine große Dankbarkeit mit mir und nehme Demut mit in meinen Alltag.
Niemand darf die Geschichte verlassen bevor sie zu Ende erzählt worden ist.
Das Ende der Reise verheddert sich in emotionalem Gestrüpp. Abschied und Ankunftsfreude geraten in einen Strudel. Noch während des Erlebens verwandelt sich die Realität in Erinnerungsanekdoten. Die einfachste Art, das unbegreifliche zu verarbeiten.
Als introvertierte Frau durch dieses extrovertierte Land reisen, kostet Kraft. An jeder Ecke gibt es was zu sehen, zu hören und zu staunen. Ein Gratiskurs in Sachen Lebensbewältigung.
Er wird mir nicht helfen, dieser Kurs, so war es die vorhergehenden Jahre auch. Etwas demütiger wird er mich machen. Etwas geschmeidiger.
Hier wird heute über die Verfassung abgestimmt. Untermalt von übersteuerter Plärmusik. Wir hören uns an, was die Menschen zu sagen haben und wissen sehr genau, dass wir nichts wissen.
Nachts träume ich Märchenträume, die Gans, die mich ins Land meiner Sehnsüchte trägt.
Alles wird gut, flüstere ich mir innerlich zu. Alles wird gut. Heute, morgen, immer da.
Reisen bildet. Reisen erdet. Reisen erweitert den Horizont.
Mag sein, dass das zutrifft. Mag aber auch sein, das es Wunschdenken ist, denn manche Menschen reisen mit geschlossenem Herzen durch Kontinente und andere sitzen zuhause und heißen die Welt willkommen.
Ich bin überwältigt von dem, was mir hier alles begegnet. Von einem Alltag, der so zäh und anstrengend ist. Jeder Tag eine neue Herausforderung, jede Entscheidung ein Schwergewicht.
Dieses Land lehrt mich ganz sprichwörtlich, wo meine Grenzen sind und was ich aushalten kann. Jedes Mal verortet es mich neu. Glücklich und dankbar bin ich, das erleben zu können.