
Der Blick ins Feuer ruft die Vergangenheit wach. Die nahe und die ferne. Das Knistern im Holz sorgt für ein ausgeprägtes Geborgenheitsgefühl. Die Funken fliegen bis zu den Sternen und verwandeln sich in Träume und gute Wünsche. Gutes Karma wird in die Welt hineingeschickt in dieser Nacht.
Gutes Karma und ein wenig Segen.
In den Gärten wachsen hier überall Sonnenblumen. Bis in den Himmel. Oder kurz davor.
„Die Vögel verteilten ihre Samen im Winter.“
„Vogelfutter?“
Sie nickt und verteilt die abgebrochenen Blüten auf die Vase.
Sonnenblumen überall.
Heute habe ich viel gelernt über die Ethik des Sammelns.
Und heute Morgen habe ich gelernt wie wichtig meine Präsenz ist.
Am Mittag wurde mir klar, dass man nicht genug Feedback geben kann.
Und am Nachmittag habe ich mich kräftig über eine doof Ziege geärgert.
Alles in allem ein erfüllter Tag.

2500 Schritte bis zur U-Bahn-Station.
Früh am Morgen lege ich immer meine Schrittgrundlage für den Tag. Damit es mir leichter fällt, das Ziel von 10.000 Schritten nicht zu verpassen.
Am Bahnhof angekommen lacht mir die Anzeigetafel höhnisch zu: Zug fällt aus.
Am liebsten würde ich die Dienstreise einfach sausen lassen. Die nächste Verbindung ist abenteuerlich und zeigt auch schon zehn Minuten Verspätung an.
Den Schrittezähler im Auge laufe ich das Gleis hin und her. Eine Zigarette erschnorrt sich der Obdachlose am Ende des Bahnsteigs von mir. Zwei Euro die Frau, die mich nach Kleingeld fragt.
Als endlich der heiß ersehnte Zug einrollt, stürzen sich Menschenmassen hinein. Das Glück hält mir einen guten Strickplatz bereit.

Der Wind schüttelt die Bäume ordentlich durch und wirbelt die Blätter durcheinander. Es wird Herbst. Lang ersehnt in schwülen Tagen.
Mein Leben tackert sich fest.
Zielstrebig peilt es die 60 an. Das Seniorinnen-Alter.
Langsam zählen die Erinnerung mehr als die Zukunftsvisionen.
Jede Erinnerung ein kleiner Herzensschatz.
Im Herbst werden wir ein Kartoffelfeuer anzünden. Zu Ehren der Vergangenheit, als Zeichen für die kommenden Jahre.
Lass es Freundschaft sein.
Das Licht im Alltagstunnel.

Stuhl mit handgeschriebener Losnummer auf der Unterseite, vermutlich auktioniert zwischen 1933 und 1945, Flohmarktfund von Angela Jannelli
Nächste Woche bin ich zum ersten Mal bei einen Social Media Event Frankfurter Museen dabei. Vier Museen machen bei den schwierigen Thema Raubkunst mit.
Noch habe ich keine Ahnung, was mich dort erwartet. Bzw. was da eigentlich von mir erwartet wird.
Meine Anmeldung ist sehr spontan gelaufen, denn wenn ich länger als drei Sekunden darüber nachgedacht hätte, wäre sie sicher nicht zustande gekommen. Zu stark bin ich im Moment mit meiner Arbeit beschäftigt und die kostbare Freizeit verbringe ich dann lieber im introvertiert-kompatiblen Igelmodus.
Auch in mir haben sich die Chemnizer Bilder festgebissen und mir tiefe Wunden zugefügt. Die Angst sitzt tief, dass sich alles wiederholen könnte. Dieses Unrecht auf allen Ebenen.
Ich will das nicht.
claudia September 1st,2018
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Ich kann wegschauen, hinschauen oder etwas einfach ignorieren.
Heute mehr als gestern und morgen:
Wer denkt schon an morgen.
Die Welt färbt sich kackbraun ein.
Lautstark und unerbittlich.
Den Warnschuss haben zu viele nicht gehört.
Die anderen. Nun ja. Die wissen längst, wohin sie wollen.
„Stille Erbitterung, daß wieder die Woche bei nackten Fenstern ohne Vorhänge vergangen.“
7. März 1942
Thomas Mann in seinem Tagebuch
claudia August 29th,2018
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Ich bin so müde.
So rundherum müde.
Vielleicht verwandle ich mich gleich in einen Schicksalshauch.
claudia August 28th,2018
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Wer wüsste ohne den Spiegel von sich selbst?