Technische Überlegungen

Ich besitze den Kindle Touch schon so lange und bin noch nie vorher auf den Gedanken gekommen, dass er sich als mp3-Player einsetzen lässt. Akkuschonend. Langstreckenflug geeignet. So einfach ist die Lösung.

Kuba ist ein wunderschönes Landes. Aber diese Unerreichbarkeit macht mich kirre. Beim letzten Mal war ich total ausgeknockt, weil meine Sim-Karte störig reagierte. Kommt manchmal vor und dann stehst du da. Ohne Netz und doppelten Boden. Verzweifelt in einem Land in dem für die Bewohner jede Fahrt zur und von der Arbeit ein Lotterie-Abenteuer ist. Nicht nur die Logistik, eigentlich das ganze Leben. Nichts, nichts, nichts ist planbar im Alltag. Ohne eine Riesenportion Geduld und Gelassenkeit geht dort gar nichts.

Aber mir ist mehr die Verzweiflung in die Wiege gelegt worden. Ich bin dort immer wieder fehl am Platz und trotzdem so verliebt in dieses Land und in die Menschen.

Wünschelrute

Es ist immer Zeit für gute Wünsche.
Je älter ich werde, desto mehr lerne ich das.

Die wirklich wichtigen Dinge im Leben kommen oft klein und unscheinbar daher.

Nicht jeder hat eine Wünschelrute parat um das Glück aufzuspüren. Also braucht es manchmal mehrere Anläufe, um die Glücksader zu finden, die in unserem Alltag verborgen liegt.
Schade, dass manche Menschen ihrem Spürsinn nach Freude nicht vertrauen und sich zu schnell ablenken lassen, von ihrer kleinen verlässlichen Glücksquelle, die sie in sich tragen.

Aber vielleicht ist das einfach der Weg, den sie gehen müssen, um am Ende ihrer Irrtümer endlich zu verstehen, dass die Freude im wesentlichen doch meistens aus ihnen selbst kommt.
Dass sie sie in sich tragen.

Tagesform

Geschwächt von der Allergie. Ein bisschen mutlos wegen der Heftigkeit der Attacken. Kraftlos.

Ich ziehe mich in mich zurück, wie ein Igel ohne Stacheln. Jedenfalls keine stichbaren, keine wahrnehmbaren. Aber manchmal jaule ich kurz auf, um dem Jammer wenigstens einen Ton zu geben.

Jede Entscheidung fällt mir unendlich schwer. Selbst die für das Paradies. Drei Daten stehen zur Auswahl und ich kann und kann mich nicht entscheiden.

Das eine Datum wäre vernünftig, das andere wäre ökonomisch und das dritte wäre mein Wunschdatum. Aber weder vernünftig noch ökonomisch.

Seit wann soll das ein Entscheidungskriterium sein? Etwas, das ich mir wünsche?

Gestern Nacht träumte ich, dass ich auf Reisen war und jemand hat einfach meinen Koffer eingepackt und ihn weggefahren. Nicht gestohlen, nur aus Versehen mit anderen Koffern zusammen ins Auto gepackt und ich stand jetzt ganz ohne da.

Lebenswelten

Biografien und Autobiografien sind mein liebster Lesestoff. Ich mag den Blick in fremde Lebenswelten. Den von außen genauso gern wie den von innen.

Bei ist es nicht mal wichtig, ob es sich um fiktive oder reale Lebensbeschreibungen handelt. Irgendwie wird ja aus jedem realen Leben etwas Fiktives, sobald eine beginnt es zu beschreiben.

Bestimmt ist das auch der Grund, dass ich soziale Medien so gerne mag. Blogs, Twitter, Facebook, Instagram, Snapchat – ich mag sie alle. Mag den Blick in die Lebenswelten, die sie mir gewähren. Immer mit dem Wissen, dass ich dort genau das zu sehen bekomme, was mir die Menschen von sich zeigen wollen.

Lesetechnik


Wie viele Bücher könntest Du in der Zeit lesen, die du am Smartphone verbringst?

Schon die Frage irritiert. Ich lese sehr viele Bücher auf dem Smartphone. Zunächst mal alle die, die ich über die geniale Onleihe der Stadtbücherei ausleihe, dann aber auch manchmal welche in der Kindle-App.

Den alten, zerkratzten Kindle Touch mit den sichtbaren Gebrauchsspuren hole ich fast nur hervor, wenn es die Umstände erfordern. Auf Reisen, in der Sonne, am Strand. Ich bin etwas traurig, dass die Onleihe nicht mit dem Kindle zusammen funktioniert, bin aber nicht amboniert genug, mit meinem ganzen Lesekram zu wechseln. Die Abneigung vor der Krake namens Amazon ist bisher nicht groß genug, aber irgendwann siegt vielleicht der Wunsch, die Onleihe auf einem Reader lesen zu können, dann schaffe ich mir einen weiteren Reader an.

(Um Himmelswillen! Mit dem Tablet und dem Diensthandy habe ich unterwegs schon vier mobile Geräte zu versorgen. Diesen Gedanken sollte ich schnell wieder vergessen.)

Allerdings lese ich in letzter Zeit auch wieder deutlich mehr Papierbücher. Die alten Lieblingsbücher, die ich in der Endlosschleife lese und die Schätzchen, die ich mir aus der Bücherei abhole.

Notizen

Das Leben wird notiert.
Nebenbei und mittendrin. Es lässt sich festhalten, ohne das Geringste zu offenbaren.
Es verblasst von Jahr zu Jahr.
Alle großen Gefühle sind schon gefühlt, alle Kämpfe gekämpft. Alle Sehnsüchte verflüchtigt.

Dennoch wird weiter notiert und gelistet. Fleißig dokumentiert.
Weil das Leben manchmal eine Buchhalterei ist. Was am Ende übrig bleibt, soll stimmen.
Am Besten ist es, wenn es im Guten endet.

Aber wer will die Bilanz erstellen, wenn die Notizen fehlen?
Wer will ohne Fakten die Zeilen und Spalten füllen.
Wer wagt sich, ein Fazit zu ziehen?

Tag um Tag wird weiter notiert. Das Leben vage umrissen. In Eile skizziert.

Eindeutiger Versuch einer Verführung

Das Buch „Eindeutiger Versuch einer Verführung“ von Alissa Walser ist eine Empfehlung für alle die, die es beim Lesen kurz mögen.
Denn diese Geschichten sind extrem kurz. Mehr als 50 Alltagsminiaturen auf ca. 130 Seiten. Schnell erzählt, beinahe beiläufig. Das Milieu ist immer das gleiche: zeitgenössischer Mittelstand. Die Geschichten sind manchmal melancholisch, manchmal sarkastisch oder auch lakonisch.
Das große Drama ist in diesem Alltag nicht zu finden. Immer wieder geht um Frauen, Mütter und Männer. Um Genervtheit, Sehnsucht, Erinnerung und Täuschung. Oft rettet nur noch Sarkasmus die Situation. Manchmal tröstet die Landschaft, aber manchmal zeigt auch sie nur ein höhnisches Gesicht.

Die Texte sind vielseitig, aber nicht tiefgründig. Wie der Alltag eben so ist.

Der Blick auf die Seele

Durch die Worte auf die Seele blicken.
Im Schreiben, im Sprechen.
Diese Selbstvergewisserung, die immer funktioniert.
Die Zärtlichkeit des Beschreibens, die Sanftheit des Begreifens.
Den Dingen auf den Grund fühlen, den Gedanken folgen.

Die Worte tragen fort, weit in die Welt hinein. Aber sie kommen auch wieder zurück. Ungeplant und unberechnet. Segen und Fluch führen sie mit. Sei dir dessen bewusst!
Sei sorgsam im Umgang mit ihnen.
Sie tragen Macht in sich.

Worte tendieren dazu sich selbstständig zu machen. Denke daran!
Wenn sie nicht mehr im Schutz deiner Begleitung wirken, entfalten sie ihre vollständige Kraft. Im Guten wie im Bösen.

Lass sie deine Seele mit sich führen.

Weltschmerz

Wenn ich etwas kann, dann Weltschmerz. Der wurde mir sorgsam in die Wiege gelegt. Mit dem Auftrag ihn zu hegen und pflegen. Ihn nicht aus den Augen zulassen. Immer in Rufweite.

So habe ich ihn über die Jahre groß gezogen und wir wurden vertraut miteinander. Ein untrennbares Paar.

Der Weltschmerz lastet schwer auf meinen Schultern. Manchmal wiegt er so schwer, dass ich befürchte, dass er den Lauf der Welt anhalten wird. Denn er verlangsamt alles. Unerbittlich.

Wer erschuf die Welt so, dass sie sich unbeirrt immer weiterdreht? Das Schreckliche geschieht und das Unsagbare passiert und nichts brinkt die Welt zu wanken.

Aber der Schmerz der Welt hallt in meinem Ohren. Ein lautes Echo.
Unendlicher Widerhall.

Die Landschaft ist schön

Die Landschaft ist schön.
Das war ihr Standardsatz auf die Frage, wie es ihr denn gefällt. Hier in dem Ort. Die Frage, die immer sofort kam.

Sie hatte den Satz schnell gefunden, denn er ging ihr leicht von den Lippen und er bewährte sich von Anfang an. Die fragenden Menschen schienen geschmeichelt, als hätten sie vergessen, dass diese Antwort eine mögliche Option war. Sie waren zufrieden.
Die Landschaft ist schön, das hatten sie vergessen. Übersehen.
Sie hatten nicht mehr daran gedacht.

Dieser Satz bildete ihr Bollwerk gegen weitere Fragen. Voller Ehrlichkeit lenkte er von der Tatsache ab, dass die Frage mit ihm nicht umfassend beantwortet war.