
Ich plane. Seit Tagen.
Ach was, seit Wochen. Wenn ich ehrlich bin sind es eher Monate.
Ich plane Wohlbefinden –
und weil dieses Blog hier stark selbstzensiert ist, entgeht euch was.
Die Story einer Frau, deren Planungen sich ständig hinter ihrem Rücken selbstständig machen. Die Intention ist, Wunschträume zu erfüllen. Drunter geht es natürlich nicht. Habt ihr schon mal ganz praktisch einen Wunschtraum erfüllt? Mit allen Konsequenzen?
Ich weiß, es ist unfair, Andeutungen zu machen und sie dann nicht mit Inhalten zu erfüllen. Aber dafür habe ich ja Hausrecht hier in der Sammelmappe. Darf mich hier auslassen.
Jedenfalls werde ich noch eine Weile das Nicht-Kontrollierbare planen.
Manchmal merke ich selbst, wie niedlich das ist.
Aber trotzdem bringt es mich an den Rand der Verzweiflung. An den kleinen Dingen verzweifle ich.
Und zwei Mal stündlich lege ich mich zurück und sage mir: Alles ist gut, wie es ist.
Alles ist gut.
Von diesem sanften Rauschen aufgewacht. Regen. Wenn ich im Trockenen bin, mag ich das Geräusch sehr. Es vermittelt mir Geborgenheit, Sicherheit und Ruhe.
Ich kann mich wieder ausstrecken und dem Regen lauschen. Es gibt nichts sonst, was ich tun könnte nachts um drei.
Es wird wieder alles grün werden. Der Blick nach draußen satt und grün.
Und dieser Duft!
Dieser Duft nach Gras, Baum und Leben.
Alles wird gut.
Ich bin dann doch ganz leise aufgestanden. Hatte in der Zwischenzeit der Oleander-Ableger gegoogelt und mir Sorgen um mein kleines Zweigchen gemacht. Hab ihn noch weiter von Blättern befreit und das Glas mit Alufolie umhüllt, damit die Wurzeln sich im Dunkeln bilden können. Erst jetzt merke ich, dass es geschickter gewesen wäre, wenn ich mehrere Ableger mitgebracht hätte. Jetzt muss mein einsamer Zweig die Last der buschigen Vermehrung auf seiner zarten Knospe tragen.
Falls es so weit kommt.
Das Tagebuch der Prinzessin Leia
von Carrie Fisher

Ein außergewöhnlicher autobiographischer Text
Prinzessin Leia lässt uns in ihr Tagebuch schauen – und zwar buchstäblich. In Carrie Fishers letztem Buch erzählt sie von der Zeit der Dreharbeiten am Set der Star Wars Filme. Sie erinnert sich an eine junge, verunsicherte Frau, die von Selbstzweifeln geplagt wurde und die erst mal in eine Abnehmklinik geschickt wurde, bevor sie die Rolle spielen durfte. Ängstlich hoffte sie, dass niemand merkte, dass sie die Klinik mit genau den 55 kg verließ, mit denen sie gekommen war. Während den Filmarbeiten kommt es zu einer Beziehung zwischen ihr und dem verheirateten Harrison Ford, die sie sehr verunsichert. Die Tagebuchaufzeichnungen der jungen Schauspielerin lassen erahnen, wie innerlich vereinsamt sie in dieser Zeit war. Das verletzte Selbstwertgefühl liegt in diesen Seiten offen.
Da ist eine Frau, die sich wieder und wieder öffnet, weil sie geliebt werden möchte. Von ihrem Geliebten, aber auch von den Menschen mit denen sie zusammen arbeitete, vom Publikum. Von allen Menschen, die ihr begegneten. Man ahnt, dass das ein anstrengende Leben werden muss.
„Unablässig versuche ich, dich dazu zu bringen, mich zu lieben, aber ich will die Liebe nicht – denn ich will die Suche danach.“
Das letzte Drittel des Buches erzählt von den Begegnungen mit den Fans bei Autogrammstunden oder Comic-Messen. Auch hier wird immer wieder deutlich, wie sehr diese Frau um ihre eigene Identität kämpfen muss.
Wer ist Carrie? Wer ist Prinzessin Leia? Mit jedem Lebensjahr entfernte sich die Illusion und blieb doch immer Teil ihres Lebens.
Sei gegrüßt.
Und.
Lebe.
Ich kann mir kaum eine schönere Ansprache von einer Kollegin und Freundin denken.
„Sei gegrüßt und lebe“ ist der Titel des Briefwechsel von Christa Wolf und Brigitte Reimann. Da treffen zwei Frauen aufeinander, die charakterlich und von der Persönlichkeit her, wie Feuer und Wasser zueinander stehen und sie bestärken und befruchten sich gegenseitig.
Diese Herzlichkeit mit der sie miteinander umgehen ohne sich in Oberflächlichkeiten zu verlieren ist ansteckend. Da sprechen zwei gleichwertige Kolleginnen sehr ehrlich mit einander.
„Und ist Dir nicht klar, dass die Pubertätszeit bei allen schöpferischen Menschen verlängert ist und eigentlich ihr ganzes Leben lang dauert …“
Das schreibt diese verkopfte und immer auf rationale Handlungsweisen bedachte Christa Wolf, der ewig zwischen Manie und Depression schwankenden, dauer-dramatisch verliebten Brigitte Reimann und wirft ihr damit einen Anker hin, an dem sie sich festhalten kann.
Das ist großartig.
Frau Auge verschenkt Gedichte.
Auf dem Wochenmarkt.
Wenn ich dort vorbei käme, würde ich mich sehr freuen über ein geschenktes Gedicht.
In der Zwischenzeit borge ich mir die Gedichte halt aus.
Geht auch.
Aber geschenkt ist eindeutig besser.
claudia Mai 30th,2017
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Momente der Klarheit
von Jackie Thomae
Zuerst bin ich schwer reingekommen in das Lesen dieses Episodenromans. Nach einer Weile konnte ich dem Stil des Buches dann folgen und mich auf die Trennungsgeschichten einlassen. Mir gefiel die Sprache und auch das Tempo in dem das Buch geschrieben ist recht gut.
Schwierigkeiten hatte ich mit den Figuren aus dem Medienmilieu. Mag ja sein, dass das Buch ein Spiegel dieses Kreises ist, aber dann sind das doch zu viele willkürlich ausgesuchte unreife Figuren aus diesem Milieu, die als Typ auf Dauer eher nerven als interessieren.
Die einzelnen Episoden sind sprachlich geschickt ausgearbeitet und legen die Persönlichkeiten der Figuren frei. Ihre Schwächen, ihre Wunden, ihre Narben. Es ist der Autorin gut gelungen, diese Momente jeweils einzufangen, in denen sich in den Menschen etwas in Bewegung setzt, etwas das eine Veränderung einläutet. Dass diese Veränderung all zu oft in einem Muster endet, das auch seine absehbaren Tücken in sich birgt, verschweigt sie nicht.

Wie immer geht mir nach den Tagen der Ruhe viel durch den Kopf. Die Sicht auf mein Alltagsleben ist wieder klarer geworden. Ich bringe Ideen mit für neue Projekte und Experimente an die ich mich wagen will. Gerade im Moment sind mir meine Prioritäten sehr bewusst. Auch das Anhäufen von Vergangenheit in meinem Leben. Mein Anspruch ist es immer mehr, runde Entscheidungen zu treffen, die mir dabei helfen in meiner täglich kürzer werdende Zukunft ein gutes Leben führen zu können.
Die Dinge, die mir wichtig sind, sind überschaubar. Das erleichtert die Angelegenheit. Außerdem gibt es eine Menge Rahmenbedingung, die außerhalb meiner Kontrollmöglichkeiten liegen. Es bleiben also nur noch wenige Stellschrauben, die für mich zugänglich sind. Deshalb ist es mir wichtig, dass ich diese Stellschrauben gut bedienen kann. Ich arbeite daran und fühle mich wohl dabei.
Nachhinein
von Lisa Kränzler
Ich schaffe es nicht, dieses Buch zu lesen. Es erscheint mir unnötig grausam, um den Konflikt zwischen den beiden Mädchen zu erzählen und die sogenannte Unterschicht wurde auch schon mal kreativer beschrieben.
Sieht so aus, als hätte sich seit der Lesung im Jahr 2012 bei mir dieses Gefühl nicht geändert. Diese Sprache geht mir tierisch auf den Geist, sie ist mir fast körperlich unangenehm.
Sie schließe den Reader, denn niemand verpflichtet mich, dass ich das bis zum Ende aushalten muss.
Dinge, die vom Himmel fallen
von Selja Ahava

Trotz des spektakularen Geschehens ist es ist eins von den wunderbar leisen Büchern. Es handelt von Tod, Trauer und vom Schicksal, das wir Menschen so schlecht verstehen können, wenn es so auffällig zufällig daher kommt. Wenn Dinge vom Himmel fallen, in diesem Fall buchstäblich und die Mutter von einem Eisklumpen erschlagen wird.
Die Geschichte wird mit unterschiedlichen Erzählerstimmen weitergetragen. Zaghaft, im Märchenstil und eindringlich.
Manchmal gehen zeitgenössische Trends an mir vorbei und holen mich dann nach Jahren ein. Nach Jahrzehnten kommt auch vor, denn schließlich bin ich im Zeichen der Schnecke geboren.
So geht es mir gerade mit Christa Wolf und ihren Texten. In den 80ern war ich mit anderen Sachen beschäftigt, in den 90ern war sie mir zu langatmig und umständlich, nach der Jahrtausendwende war mir der DDR-Stasi-Hintergrund zu abgründig und irgendwann hab ich dann die Stadt der Engel gelesen und war hingerissen. Dieses Buch habe ich sicher dreimal komplett gelesen und viele, viele Male lange Passagen daraus wiederholt nachgelesen. Ich hielt diesen Text für untypisch für sie und nichts, aber auch gar nichts hat mich neugierig auf ihre anderen Texte gemacht.
Jetzt lese ich mich im Urlaub langsam durch ihre Biografie. Ganz langsam, damit ich den Überblick nicht verliere. In dieser Biografie staubt so richtig der Mief der DDR. Die endlosen Taktierereien usw., aber langsam werde ich immer neugieriger auf die Texte von ihr. (Dazu tragen auch die Tagebücher der Brigitte Reimann bei.) Aus der Onleihe habe ich mir einige Texte heruntergeladen und kurz rein gelesen und merke jetzt, dass da viel mehr ist, als ich je wahrgenommen habe.
Manche Dinge brauchen ihre Zeit.
claudia Mai 24th,2017
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