Julieta

Gestern war ich im Kino und habe mich verliebt. Verliebt in einen Film. Verliebt in eine Geschichte.
Ich mag die Filme von Pedro Almodovar schon immer. Ich mag seinen Humor, seine Sicht auf die Liebe, seine Frauenfiguren. Ich mag seine Filme. Juileta ist einer seiner poetischen Filme. Nicht überspannt rasant. Im Gegenteil. Es ist ein ganz ruhiger Film. Voller Schmerz und Schuld. Abschied und Trennung.
Der Film beruht auf drei Geschichten von Alice Munro, die durch eine vierte Geschichte miteinanderverwebt wird. Das ist kunstvoll gemacht.

Würde ich mir gleich noch einmal ansehen, so sehr trägt er mich.

Sorgen

Ich mache mir Sorgen. Ständig und überall. Genaugenommen bin ich die Urmutter aller besorgten Bürgerinnen und Bürger – nur dass ich es nicht gelten lasse, dass Sorgen dazu führen, dass Menschen bedroht, belästigt und genötigt werden. Das wäre dann ja eine rekursive Sorge: eine Sorge, die andere Sorgen erzeugt.

Zurück zum Anfang. Ich mache mir Sorgen. Über den Zustand der Welt, über Kriege und menschenverachtendes Verhalten. Ich mache mir Sorgen um das Wohlergehen der Menschheit im Allgemeinen und im Besonderen mache ich mir auch Sorgen.

Auch um Menschen, die ich gar nicht kenne.
Um Ed Snowden zum Beispiel in diesem Moment.

Hiroshima

And the World remembers the face

Jedes Jahr wenn es August wird, heiß, Sommer, dann kommt die Erinnerung an das Schreckliche. An das Grauen.
An den kleinen Jungen. The Little Boy. So nannten sie die Bombe.
Der Jahrestag kommt und die Glocken läuten. In meinem Herzen beginnen sie manchmal früher zu läuten – und nie, nie, nie hab ich das Leid ermessen können.

Es ist an der Zeit, die Kriege und die Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu beenden!

Hiroshima (von Wishful Thinking)

There’s a shadow of a man at Hiroshima
where he’d pass the noon
in a wonderland at Hiroshima
’neath the August moon

And the world remembers his face
– remembers the place was here…

Fly metal bird to Hiroshima
and away your load
Speak the magic word to Hiroshima
let the sky explode

And the world remembers his name
– remembers the flame was here…
Hiroshima

And the world remembers his name
– remembers the flame was here…
Hiroshima…

(Hiroshima, Japanese city of three hundred
thousand people
Ceased to exist at 9: 15 on a Monday morning
While going about its business in the sunshine
of a hot summer day.
It vanished in a huge ball of fire and a cloud
of boiling smoke
Obliterated by the first atom bomb used in the
history of world war terror
Such is the electrifying report of the American
crew of the superforce who dropped the bomb
as a cataclysmic warning to the Japs to get out
of war or be destroyed.
Hiroshima, the whole crew agreed was blotted
out but a flash more brilliant than the sun)

Chelsea Manning

Chelsea Manning berichtet aus ihrem Leben und über ihre Haftbedingungen in einem Podcast. Briefe an amnesty nennt er sich und wird von einer Schauspielerin gesprochen, denn bekanntlich kann Chelsea nicht für solche Projekte zur Verfügung stehen.

Der Podcast wurde im Februar veröffentlicht, aber ich habe ihn erst heute gefunden. Ich finde es gut, dass sie aus ihrem Leben erzählt. Das Prinzip des Sichtbar machens überzeugt mich im Alter immer mehr.
Fast mein ganzes Leben habe ich die Unsichtbarkeit hochgehalten. Je leider, desto angenehmer, je unscheinbarer desto Wirkungsvoller.
In Ausnahmefällen mag das passen, als Prinzip ist es untauglich.

Vielfältigkeit sichtbar machen, Schwäche sichtbar machen, anderes sichtbar machen, flüchtiges sichtbar machen, Ängste sichtbar machen, Fehler sichtbar machen, Korrekturen sichtbar machen. Das scheint mir ein guter Weg zu sein.

Nachtrag: Was für eine großartige Aktivistin sie ist, könnt ihr auch gut in ihren Artikeln wiederfinden.

Identität im Netz

Das Wort Backup macht die Runde seit vor ein paar Tagen das Blog des Autors Dennis Cooper von Google ohne Vorwarnung gelöscht wurde. Zensur, künstlerische Freiheit und Redundanz im Netz sind weiteren Stichpunkte.

Digitale Identität ist mein Thema in diesem Zusammenhang. Wie sieht es aus mit meiner eigenen digitalen Identität? Ich habe bei fremden Bloghostern auf verschiedenen Plattformen anfangen und mich irgendwann auf mein Kraut-und-Rüben-Sammelblog zurück gezogen. Hab mir nicht mal die Mühe gemacht, den Domainnamen und den Blognamen abzugleichen. Die Sammelmappe läuft bei einem Hoster und wird mit mir sterben, spätestens wenn der Hoster kein Geld mehr bekommt. Eine Variante von „bis dass der Tod euch scheidet“. Denn dann wird niemand mehr in der Verantwortung sein, die Texte aufzubewahren oder ein Backup einzuspielen.
Dass das Internet nichts vergisst, ist eine der Mythen an denen nur ein kleines Körnchen Wahrheit ist. Das habe ich schon festgestellt. Damals als die Sammelmappe verloren ging und ich glaubte ein Backup zu haben, dass sich aber als nicht wiedereinspielbar herausstellte. Das Internet ist wie eine böswillige Klatschtante, es vergisst nur die Angelegenheiten nicht, bei denen du nackt und blöd dastehst. Alles andere kannst du vergeblich suchen. Es ist, als wäre es nie geschehen.

Vielleicht gibt es jetzt schon Menschen, die für den Fall ihres Ablebens bestimmen, was mit ihrer Blog- und Accountpflege passieren soll. So wie bei der Grabpflege. Ich gehöre eindeutig nicht dazu; bei mir wird alles zuwuchern, was auf den öffentlichen Accounts ist und die Sammelmappe wird verschwinden.
Nicht ganz, fällt mir jetzt ein. Das Marbacher Archiv dokumentiert sie. Aber ich habe mich nie darum gekümmert, was das in der Praxis heißt.

Aber mir würde es schon etwas ausmachen, wenn ich von Hoster zu Hoster ziehen müsste, weil meine Inhalte nicht genehm sind. Dann bräuchte ich dringend eine Redundanz.

Aber wie soll das gehen? Die eigenen Texte einspielen geht schon, aber was ist mit der Kommentaren und der Kommentaratmosphäre?
Wieder ein Thema, das für die Sammelmappe nicht relevant ist, aber eben für andere Blogs. Manche funktionieren wie kleine Räume oder besser wie Plätze in der Stadt an denen es zu Begegnungen kommt. Die Atmosphäre nach einem Umzug jedesmal zu erhalten und zu portieren ist gar nicht so leicht.

Vielleicht sollten wir uns schon mal daran gewöhnen, dass es nicht immer so einfach bleibt, Meinungen und Fiktionen frei zu äußern.
Vielleicht ist das einfach die Zukunft, die ein bisschen mehr Anstrengung von uns verlangt, unsere Rechte einzufordern und von unserem Recht auf freie Gedanken Gebrauch zu machen.
Vielleicht.

dieses Sport-Gedingse

Über dieses Sport-Gedingse, das in einem fernen Land stattfindet und für das rigorose kriminelle Machenschaften notwendig waren, um es zu veranstalten, sollte man genau eine Sache wissen, nämlich die, die sich hinter diesem Link befindet.

Was du über dieses Sport-Gedingse wissen solltest.

Sie treiben es schon wild, diese Sport-Gedingse-Organisationen aller Art. Denn das IOC ist ja nicht die einzige Organisation, die mit so Gaga-Vorschriften aufwartet und kostenpflichtig abmahnt. Unsere Eine greift sich da nur an den Kopf und geht weiter. Andere interessieren sich für Sport, glauben an die Freundschaftslüge und tappen in die Nationenfalle.

Wie uncool ist das denn und warum kommen die schon seit Jahren mit der Masche durch?

Sie braucht Unterstützung

Nach ihrem Suizid-Versuch wurden die ohnehin schon grausamen Haftbedingungen von Chelsea Manning noch drakonischen und grausamer. Es ist so unglaublich, was dieses Land mit seinen jungen Menschen macht. Chelsea hat unglaublich viel Mut bewiesen. Sie sollte jetzt Solidarität erfahren.

Chelsea Manning braucht Unterstützerinnen. Viele.

3000 Jahre alt

Fundstück

Ein winziger Knäul Garn wurde bei Ausgrabungen gefunden.
3000 Jahre alt.

Der Koloss

„Der Koloss“ war der einzige Gedichtband von Sylvia Plath der zu ihren Lebzeiten veröffentlicht wurde.

Die zweisprachige Ausgabe in der Übersetzung von Judith Zander kommt meinem Lesebedürfnis besonders entgegen. Schon immer wollte ich Gedichte von ihr lesen; mit der deutschen Übersetzung an der Seite, kann ich die lyrische Dimension im Original ergründen.

Ärgerlich ist, dass in der Einführung gleich wieder so eine Überhöhung der Person von Sylvia Plath zu finden ist. „Die Geburtsstunde einer Ikone“ heißt es da. Immer wollen sie den Dichterinnen die Bodenhaftung nicht gönnen.

Die Sprache der Gedichte ist bedrückend klar. Die Bilder, die sie entstehen lässt, ergreifen mich zutiefst. Die Natur, der Alltag, der Traum. Alles findet sich in diesen Gedichten.

Es sind starke Gedichte, in einer aufrechten Sprache verfasst.

Lebenslautstärke

Das Aufwachsen in einer lauten Umgebung hat mich leise gemacht. Andere macht es laut.
Nie wirkt etwas gleich. Es hängt immer davon ab, auf welche Erde die Saat fällt.

Stille ist mein Genuss.

Im Laufe meines Lebens habe ich gemerkt, dass es manchmal auch wichtig ist, gehört zu werden. Heute bin ich professionell genug mir dann ein Mikrofon zu suchen. Sowohl in der realen Welt, als auch als Metapher. LeiseSein ist mit vielen Vorurteilen belegt, denn in unserer Gesellschaft gelten die lauten Stimmen als tonangebend.

Wie absurd wir doch manchmal ticken.