Realitätsmüdigkeit

Realitätsmüdigkeit und Alltagspoesie werden auf keinen Fall gegeneinander ausgespielt. Das ist der Deal mit dem intellektuellen Teil des Mimosenseelchen.
Der Donner hallt klassisch durch alle Knochen. Lässt die Stadt erzittern und den Himmel brechen.
Ein Platz in der Arche fehlt mir dringlichst. Die Sirenen erinnern daran. Blaulicht erhellt die Flut.
Das Wetter hält der Menschheit mit Selbstbewusstsein den Spiegel vor. Dringt durch’s Gemüt und reibt sich dran.

Das Mimosenseelchen gehört in Watte gepackt. Das ist die Bilanz nach zwei Tagen. Losstrampeln wäre eine Strategie.
Innehalten die andere.

Das Weinen der Anderen. Die Tränen der Jungen. Sie rühren an.
Sie nicht schützen zu können schmerzt. Tut weh.
So weite Wege. So endlose Kreise.

Nimm mein Herz in die Hand. Es schlägt doch nur für dich.

Mit beiden Beinen

Mit beiden Beinen in dem Alltagsschlamassel gelandet. Knietief dort eingesunken. Wie es sich gehört für eine ordentliche Arbeitnehmerin. Das ist unsere Bestimmung. Unserer innere Passion, denn sonst wären wir ja nicht da, wo wir sind.

Eine gewalttätige Gesellschaft zeigt sich gleich mehrfach überrascht vom Ausbruch der Gewalt. Das überrascht jetzt wiederum mich, denn das gehört doch zum philosophischen Grundwissen, dass wer Wind sät, Sturm erntet.
Und sie haben verdammt viel Wind gesät und säen ihn immer weiter.

Menschenleben gegeneinander auf zurechnen ist keine gute Idee. Und Menschen, die tanzen, sind genauso zu schützen, wie Menschen, die flüchten.
Lauter Selbstverständlichkeiten, aber keine Platitüden. Die wirklich wichtigen Weisheiten im Leben sind alle einfach, obwohl das Leben selbst immer so kompliziert ist. Aber dieses Paradoxon müsste jemand anders auflösen. Ich bin viel zu müde.

Das scheint mein neuer Lebensmodus zu sein: realitätsmüde.

Übergang

Die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben.

Ein von Claudia (@sammelmappe) gepostetes Foto am

Hab einen Tag des Übergangs eingelegt. Oder besser gesagt, die Billigfluglinie hat ihn mir geschenkt, denn zuerst sah es so aus, als sollte ich das Paradies nicht verlassen dürfen. In Frankreich wird gestreikt und was auch immer darüber in den deutschen Medien steht: Der Streik ist ziemlich heftig und nicht so unbedeutend, wie er dargestellt wird. Um ein Haar hätte ich bei der Alternativplanung übersehen, dass auch in Katalonien gestreikt wird. Dort zum Glück aber bei der Bahn nur an geraden Tagen. Wie auch immer, mir bleibt für heute der Tag des Übergangs und den kann ich gut gebrauchen. Muss mich immer erst erden, ehe ich mich wieder in die Parallelwelt Büroflur begeben kann.

Viel passiert ist dieses Mal im reizarmen Paradies. Nach meiner Messskala, muss ich dazu sagen. Nur nach meiner Skala. Aber heute ist der Tag zwischen den Welten.
Der Übergangstag. Der Wechseltag.
Jetzt heißt es wieder von innen nach außen schalten. Mich wieder einklinken. Informationen aufholen, Kommunikation anbieten, die Welt wieder anstupsen und mithelfen, dass sie sich weiter dreht.
Ihr seht: Ich habe nur kleine Ziele.

Häkle mich zwischen den Welten entlang mit meiner doppelseitigen Häkelnadel Nr. 1,3.
Häkelfieber ist eine unterschätzte Sucht, vor der viel zu selten gewarnt wird.

Auf jedem Wollknäul sollte eigentlich die Botschaft stehen: Durch Stricken und Häkeln kann Ihnen die Realität abhanden kommen.

Urlaubsticker

Das Paradies hat seine ursprüngliche Bestimmung wiedergefunden. Den unschuldigen Zustand der Bedürfnislosigkeit.
Mehr Privileg als Leben im Paradies geht nicht, allerdings ist nicht allen Menschen die Begabung in die Wiege gelegt, das Paradies in seiner Ereignislosigkeit zu ertragen.
Mir reicht das Auf und ab, das mir das alltägliche Leben bietet und dieses Mal auch die kleine Schicksalseinlage vor Meereskulisse.

Falls ihr Reizarmut steigern wollt, empfehle ich vor dem Sprudelglas zu sitzen und den Bläschen beim Hochsteigen zuzusehen. Besser als jede Meditation, selbst wenn die frechen Spatzen dabei stören und quer über den Tisch laufen.

Minimalistisch kann ich.
Außer es handelt sich um Schokolade oder Eispackungen.

Ist auch besser so, denn wenn eins nicht funktioniert bei mir sind das Ideologien.

Wechseljahre

Freut mich sehr, dass immer mehr Blogeinträge zum Thema Wechseljahre auftauchen.

Körperlichkeiten bei Hier wie dort

Brief an mein Leben

Du machst es mir wirklich nicht leicht in diesen Tagen. Zuerst schickt du mich ins Paradies und lässt dann die Sintflut auf mich regnen. Ganz real und metaphorisch auch. Damit das Innere und das Äußere ja nicht aus dem Takt kommen.
Die Zielsetzung ist unbekannt. Wie so oft. Andere sagen, alles hätte seinen Sinn wir könnten ihn aber oft nur im Nachhinein sehen. Ich bezweifle das stark.
Da sitzt wahrscheinlich doch jemand da und würfelt mir mein Leben aus, damit es nicht zu langweilig wird.

Ich denke nach. Über Sexualität und was mit ihr zusammenhängt. Nachdem mir mein Internet-Wunderboy jetzt einfach so entzaubert wurde, bin ich traurig und verletzt. Muss das wirklich sein?
Muss es auf diese Art passieren?

Ich denke nach. Über Menschen, die ein unkonventionelles Leben führen. Stoßen sie zu schnell an Grenzen? Zu viele Grenzen? Zu enge Grenzen?

Ich denke nach. Wieder über Sexualität. Ist Sexualität für mich möglich, ohne dass ich manchmal Grenzen überschreite? Sie übertrete? Bin ich in der Lage, meine Grenzen selbst zu stecken?

Ich denke nach und dringe zu den Knackpunkten vor. Bin ich in der Lage meine Grenzen selbst zu sichern? Falls nein, unter welchen Schutz kann ich mich stellen, wenn ich dem Staat und seinen handelnden Personen nicht traue? Nicht den Ermittlungsbehörden, nicht dem Staatsapparat.

Ich denke nach und komme zu dem Schluss, dass ich ganz irrational der Meinung bin, ich könnte mir meine eigenen Grenzen selbst stecken und schützen. Ja, klar manchmal kommt es am Grenzzaun zu kleineren Rangeleien. Das ist klar, schließlich will ich mich ja nicht einmauern und einzäunen wie die EU. Ich möchte Austausch, Kommunikation, gute Nachbarn, liebe Freundinnen und Freunde. Keine Grenzzäune mit Wachtürmen davor. Genau, wenn ich schon bei den Metaphern bin, dann möchte ich gerne eine liebliche, grüne Grenze.

Ja, ich höre mir selbst zu und merke, was für einen kitschigen Schwachsinn ich von mir gebe. Das ist meine Art der Selbstbestrafung. Die Bloßstellung meiner Wünsche und Vorstellungen.
Ich hätte das gerne so. Ich wünsche mir eine Welt in der das so ist.

Hallo Leben!
Ich habe noch was mit dir vor.

Schrankgespräche

Was habe ich gelacht über das Video bei der Ausstellung! Bin dann extra noch ein zweites Mal gekommen, um das Video von Verena Lettmayer und Roza Rueb ein zweites Mal zu sehen. Jetzt sind die Schrankgespräche online..

Kunst wie ich sie mag!
Die beiden haben kein politisches oder gesellschaftliches Thema der letzten Monate ausgelassen. Sprechen alles an und entblößen die dumpfen Tendenzen der zeitgenössischen Hohlköpfe.

So genial, so grandios, so trocken.

Wie ihr seht: Ich bin begeistert und vergebe fünf Kunststerne für Relevanz, Humor, Weiblichkeit, Kritik und Kreativität.

„Roza Rueb und Verena Lettmayer führen ein künstlerisches Gespräch. Dabei werden u.a. Themen wie „Flüchtlinge“, „Bedingungsloses Grundeinkommen“, „Godzilla“, „Kreativwirtschaft“ und „Conchita Wurst“ verhandelt.
Ein hochemotionales Gespräch zwischen zwei Expertinnen: theatralisch, tiefsinnig, explosiv!“

Leerstelle

Steht für Luftanhalten, Herzstolpern, Krönchen richten, in Watte packen.

Reizarmut

Der langweiligste Ort an der Costa Brava muss es sein. Ganz öde, still und ruhig vor schöner Naturkulisse. Das ist mein Wunschort. Mein kleines Paradies. In der Vor- oder Nachsaison verlaufen sich ein paar Wochenendtouristen her, einheimische Rentnerpaare und wir.

Reizarmut ist für mich das Erholungskriterium Nummer eins. Früher fand ich das ätzend, hätte mir gewünscht, dass es anders wäre. Irgendwann habe ich kapiert, dass ich das nicht ändern kann. Im Alltag nicht. Im Urlaub manchmal, aber irgendwann muss ich die zwei Wochen pro Halbjahr einschieben, sonst rächt es sich.

Mein Paradies kann eine ganze Weile nur aus Lesen, Schreiben und rumliegen bestehen. Mir ist da nicht langweilig und mir fehlt da auch nichts. Ich erinnere mich daran, dass mir von Erwachsenen genau das schon mit sieben, acht Jahren zum Vorwurf gemacht wurde. Selbst als ich jünger war, nur da ging es nicht ums Lesen, sondern ums alleine Spielen und Sachen bauen. Wenn du Dinge allein machst, wirst du mit Argusaugen betrachtet. Was hat die denn im Sinn?
Und überhaupt: Hält sie sich vielleicht für etwas Besseres? Will sie sich absondern von uns?
Nein, unsere Gesellschaft kann nicht besonders gut mit introvertierten Menschen. Sie traut ihnen nicht besonders viel zu. Unterschätzt sie permanent. Wir sind eine extrovertierte Gesellschaft. Was ja nicht generell schlecht ist. Es wird nur blöd, wenn die introvertierten Menschen ihren Platz und ihre Fähigkeiten abgesprochen bekommen. Denn eigentlich ist doch für alle Persönlichkeitstypen Platz und sie stören sich gegenseitig nicht, sondern befruchten sich doch.

Aber vielleicht sind wir als Gesellschaft einfach zu sehr aus der Balance gekommen. Es fehlt das Gleichgewicht in jeder Hinsicht.

Weitere Überlegungen zur Toilettenbenutzung

Wenn du einmal angefangen hast auf ein Problem zu achten , dann begegnet es dir in seinen unterschiedlichen Varianten und Facetten immer wieder.
Ist euch schon mal aufgefallen, wie sehr die Toilettenbenutzung im öffentlichen Raum an den Konsum gebunden ist?
Wenn du die Möglichkeit und den Willen zum Konsumieren hast, dann stehen dir die Toiletten der Welt offen. Wenn du diese Möglichkeit nicht hast, dann darfst du halt in irgendein stinkiges Eck pieseln und dich dabei auch genauso fühlen, wie der Kapitalismus sich das für Konsumverweigerer vorstellt.
Ja, ich gebe es zu: das ist jetzt etwas zugespitzt. Aber warum fühlt sich sonst niemand mehr für diese menschlichen Bedürfnisse zuständig? Wenn ich meine Tage habe, bin ich auf Toiletten angewiesen, wenn ich Schwierigkeiten mit der Blase habe, bin ich auf Toiletten angewiesen, wenn meine Verdauung mit mir ein Tänzchen aufführt, bin ich auf Toiletten angewiesen.
Aber wenn ich nicht sicher sein kann, dass ich rechtzeitig ein mir zugängliche Toilette erreichen kann, werde ich mir dreimal überlegen, ob ich mein Zuhause – so ich eins habe – verlasse. Nicht auf Toilette gehen zu können, ist eine unwürdige Situation. Das Desaster ist auffällig. Es ist zu sehen und zu riechen. Diese Risiko gehe ich nur ein, wenn ich mir fast sicher bin, dass ich die Wette gegen meinen Körper gewinne.
Denn wer will schon dastehen, als jemand der für alle sichtbar seinen Körper nicht unter Kontrolle hat?

Also noch mal zu dem Ausgangspunkt: Warum kümmert sich dann in unserer Gesellschaft nur der Konsum um dieses Bedürfnis?
Soll das Recht einer würdigen Toilettenbenutzung nur Menschen zustehen, die sich es leisten können auf Vorrat zu konsumieren?

Mir erscheint das keine sympathische Lösung.