
erschöpft
Die härteste Arbeitswoche im Kalenderjahr steht an. Steht vor mir und ich bin erschöpft. Erschöpft und müde. Das Leben, der Alltag, die Blutungen. NICHTS Außergewöhnliches.
Das Alter könnte ich vielleicht noch anführen.
Ich gehe vorsichtig mit mir um. In einigen Punkten jedenfalls gehe ich vorsichtig mit mir um. Ich nehme meine Grenzen bewusst wahr. Oder anders gesagt: Mein Körper zeigt mit immer hartnäckig, konsequent und beharrlich, wo meine Grenzen liegen.
Seit ich vollständig in der Personalratsarbeit tätig bin, ist es schwieriger mit dem Ausgleich geworden. Früher war die IT meine Ablenkung. Das was die Menschen aus mir herauszogen, habe ich mir über die Technik wieder zurück geholt. Ein Gleichgewicht, das recht gut funktionierte.
Jetzt ist das anders. Ungeschützt und unmaskiert setze ich mich meinen Aufgaben aus. Das raubt Energie und der Akku ist halt doch schon etwas betagt. Er seufst wie der Akku in meinem Telefon. Die Anruferinnen kriegen immer Mitleid mit ihm. Das ist wahrscheinlich auch der Sinn des Seufzens. Ich seufze auch. Tief, hörbar und ununterbrochen.
Das ist meine Methode mich wieder aufzuladen.
Vorsichtig und behutsam.
Das Leben hat seine eigenen Limits. Das habe ich früh gelernt.
Das EU-Parlament hat eine Petition beschlossen, die anregt, dass europäische Staaten Edward Snowden Schutz anbieten.
Leider ist das eher ein symbolischer Schritt in die richtige Richtung. Da die Machtverhältnisse klar sind, wissen wir alle, was passieren würde, wenn ein Staat diesen Schutz umsetzen würde.
Trotzdem ist es wichtig, diese Machtverhältnisse an die Oberfläche zu zerren. Die EU ist leider nicht autonom in diesen Fragen, da gilt eher die Regel: im Notfall greift der Stärkere zu.
Die Vernunft siegt schon lange nicht mehr. Und die Gerechtigkeit hat sich aus dieser Welt verirrt und lebt vielleicht in einer Parallelwelt auf.
Lasst uns über Online-Dating reden, heißt es in der neuen Kolumne. Lasst uns über unsere Suche reden. Nur ernsthaft und ernst gemeint selbstverständlich. In unserem Alter redet eine darüber nicht (die zitierten „Älteren“ sind wahrscheinlich 15 Jahre jünger als ich), deshalb jetzt die Kolumne. Zum darüber reden.
Anonym wird sie geschrieben. Hmm, bei dieser Einführung anonym?
Lasst uns uns verstecken, passt da besser. Lasst uns uns verstecken und Offenheit vortäuschen.
Ich kann durchaus verstehen, dass dieses Thema auch anonym aufgezogen werden kann. Mich stört nur der Widerspruch in diesem speziellen Fall.
Lasst uns über Liebe reden, über Sex und Beziehungen. Über all das was wichtig ist und wirklich zählt und ich bin dabei.
Your body is a battleground
Frauen in der Kunst
Und Frauen in der Technik
Immer noch und immer wieder: die Frau, das unbekannte Wesen. Fremd und beunruhigend. So blöd, dass sie nicht aufhören, die Kreise zu stören.
Manchmal zieht sich der Himmel zu, die Sonne versteckt sich hinter den Wolken und alles bleibt grau in grau und grau.
Das Elend der Welt erreicht mich im Überfluss. Wohin das Auge reicht Schmerzen, Leid, Gewalt, Krieg und Tod.
Der Blick in die Vergangenheit gleicht dem in die Zukunft. Nichts dazu gelernt: Was vielleicht das Schlimmste daran ist.
Die Menschheit hat den Verstand verloren. Mir geht der Titel der Kriegstagebücher von Astrid Lindgren nicht mehr aus dem Kopf.
Der eine Teil der Menschheit hat den Verstand verloren, ein anderer Teil sein Herz. Ich weiß nicht, was schlimmer ist.
Ich weiß nicht, wohin das alles führt.
Mein Name ist Weltschmerz. Ich schleiche mich hinterrücks an.
Jeden Tag auf’s Neue die Frage: Gibt es ein Leben vor der Arbeit?
Nachdenken über Undenkbares.
Zäune, Mauern, Meeresgräben.
Zum Thema nicht Klein-Reden-Lassen: Better call your hobby a passion.
Lego gehen die Steine aus. Was kann dieser #Kapitalismus überhaupt?
Frauenleben – bitte auspacken und sichtbar machen.
Mit allen Träumen mitten im Leben stehen.
Manche Dinge sind so groß, dass sie unsichtbar sind.
Wo ist das verdammte Wurmloch, das mich wieder in mein Universum bringt?
Zeitumstellung, die xxxte. Immer auf das Neue die Erleichterung, dass mir die geklaute Stunde doch wieder zurückgegeben wird.
Die Menschheit hat den Verstand verloren. Und Deutschland Hirn und Herz dazu. Menschen in das sichere Land Afganistan zurückschicken ist schon dreist. Worte lassen sich offensichtlich beliebig in Gebilde fassen, die zugleich sehr fantasiereich sind, aber eine Fassadenkulisse der Rationalität vor sich tragen. Nie war mehr Absurdistan als heute.
Ich bin zu alt geworden, um das noch lange ertragen zu können. Meine Lebenszeit zu schade, als dass ich diese Absurditäten noch ernst nehmen könnte.
Einer Realität lässt sich immer eine weitere entgegen stellen. Und noch eine. Und noch eine.
Hass ist keine Option. Gewalt ist keine Option. Vergesslichkeit ist keine Option.
Leben. Leben ist eine Option.
Hab mir die Leseprobe der Kriegstagebücher von Astrid Lindgren heruntergeladen und bin nach wenigen Seiten wie gebannt.
Faszinierend ist, dass ganz vorne schon der Alltag, das Einkaufen und die Spenden zwischen all den offiziellen Kriegsberichten erwähnt wird. Frauensichten sind eben auch und gerade im Krieg andere als die von Männern.
Aber unheimlich wird es auch, weil die Parallelen zur aktuellen Situation so deutlich zu erkennen sind. Noch nie in meiner Lebenszeit habe ich das so stark gefühlt.
Und noch nie war die Überheblichkeit so groß, zu denken wir könnten von dem was um uns herum passiert nicht gewaltsam tangiert werden.

der Tanz auf dem Vulkan
ist was für Eventtouristen
für die Übermütigen
er sprüht Lichteffekte
in den Himmel
bis die Erde bebt
Den Tag bevor er verschwindet noch kurz an seinem letzten Zipfel festhalten.
Nur ganz kurz. Mit dem Buch unter die Decke.
Ein Wohlgefühl.