In den letzten Tagen den Zustand der Introvertiertheit kontinuierlich erhöht. Die Skala scheint nach oben offen zu sein. Noch ist kein Ende abzusehen.
Dieser Zustand versetzt mich oft in ein Stadium des schlechten Gewissens. Wahrscheinlich fühlt es sich einfach zu wohlig an, dieses Gefühl ganz bei mir zu sein.
Was so kuschlig ist, muss einen Harken haben. Außerdem ist es ein Verhalten, das gesellschaftlich keine gute Reputation besitzt. Das Gegenteil von „offen“ halt. Offen ist das meist zitierteste Wort, das bei Auswahlentscheidungen fällt, um die Entscheidung zu untermauern.
Die Zuschreibung ist eindeutig: offene Personen sind gut, introvertierte Personen schlecht bzw. sie taugen gerade um sie vor Exceltabellen in eine abgelegene Kammer zu setzen.
Das Gegenteil von offen ist verschlossen und wer sich verschließt, sperrt andere aus, das mögen sie nicht.
Was für ein Blödsinn!
Und dennoch so weit verbreitet.
Manchmal – ich sage manchmal, weil es da eben keine berechenbaren Zusammenhänge gibt – manchmal ist die Fähigkeit „Bei-Sich-Zusein“ die Grundlage für ein besonderes Verständnis anderer Menschen.
Dadurch ist eine ganz spezielle, intensive Kommunikation möglich. Es entsteht ein Austausch auf Ebene, die eine starke Wahrnehmung zulässt.
Für mich heißt das, das so manche introvertierte Seele ihre Türe zum Innern sehr viel weiter öffnet, als das andere Menschen tun. Das kostet Kraft.
Mich jedenfalls.
Deshalb schließe ich manchmal die Tür und verreise ins Land der Träume, bin ganz bei mir, aber so gar nicht hier, bis ich wieder Erdung fühle, die Fenster und Türen zum Herzen öffne und alle Willkommen heiße: die Wohlgesonnenen und die anderen meistens auch.
Wer steht hier jetzt genau vor der Pleite? Die Menschlichkeit? Die Solidarität? Wir?
Der Euro? Die Wirtschaft? Der Kapitalismus? Wir?
Der Egoismus? Die Erklärungsversuche? Die, die es immer besser wissen? Wir?
Ich habe keine Antworten.
Und wenn ich es genau nehme, habe ich nicht mal Fragen.

Was vom Tage blieb:
Balkonliebe
Terror einmal rund um die Welt
der Wunsch nach gerechter Freiheit, weil es eine andere gar nicht geben kann
Europa ohne europäischen Geist
die Verwunderung über die Gleichsetzung von Ehe mit Liebe Kopfschütteln
im Leben versinken
und immer wieder die Hoffnung auf ein gutes Ende
Manche bekommen ihr Glück hinterher geworfen und sind dann noch wählerisch.
Andere kriegen ein Päckchen gepackt, das sie kaum tragen können.
claudia Juni 25th,2015
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Machtkämpfe mag ich nicht. Das verleitet viele Menschen dazu, mich zu unterschätzen.
Allerdings sollte doch bekannt sein, dass es keine gute Strategie ist, die Gegnerin zu unterschätzen, wenn einer unbedingt seine Macht demonstrieren will.
Fazit: Der Kampf endet abrupt in der ersten Runde und hinterlässt nachhaltiges Unwohlsein.
Oh, Schreck! So sehen Überwachungsprofile aus.
Metadaten. Ihr wisst schon: alles nicht so schlimm. Nur Metadaten.
Die SPD geht konsequent ihren Weg und spricht sich für die anlasslose Massenüberwachung ihrer Bevölkerung aus. Die Bevölkerung scheint der Feind zu sein. Ein tückischer Feind, der mit Vorratsdatenspeicherung zu disziplinieren ist.
Damit nicht genug: es wird von vermeintlichen Freiheitsrechten gesprochen. Vermeintliche Freiheitsrechte, die gegen die Kinderschänder aufgewogen werden. Als wenn sie nicht wüssten, wo die Kinderschänder sitzen. Als könnten sie diese – wie alle anderen Tatverdächtigen – nicht überwachen, überführen und verurteilen.
Das alte Problem: die Lügen werden so lange wiederholt bis sie sich als Fakten ausgeben.
Alle Hoffnung liegt nun wieder auf dem Verfassungsgericht, das bisher jede Gesetzesinitiative in Richtung Vorratsdatenspeicherung wieder gekippt hat.
Die vermeintlichen Freiheitsrechte verzeihe ich nicht.

Es ist noch nicht so lange her, seit ich für mich selbst entscheide, in welchem Spiegel ich mich spiegeln mag.
Parallel zu dieser neuen Erkenntnis, genieße ich es zu sehen, wie sich andere Menschen in dem von ihnen selbst ausgesuchten Spiegeln hin und her drehen. Im übertragenen Sinn. Es macht so viel Spaß mit anzusehen, wie sie alle Details ausblenden, die nicht in den selbstgewählten Spiegel passen.
„Wenn alle Frauen dieser Erde morgen früh aufwachten und sich in ihren Körpern wirklich wohl und kraftvoll fühlten, würde die Weltwirtschaft über Nacht zusammenbrechen.“
Ein Zitat von Laurie Penny aus ihrem Buch „Fleischmarkt“
Dass die kluge Laurie Penny in Deutschland zum Star wird, betrachte ich mit viel Neugierde und Wonne.
Außerdem fällt mir ein, dass ich ja noch was zur Lesung in Frankfurt bloggen wollte. Das hole ich bei dieser Gelegenheit gleich nach.
Zum ersten Mal gehört und gesehen hab ich Laurie Penny auf der re:publica 2013 und hab gestaunt: Sollte es wirklich möglich sein, dass in Groß Britannien so junge Frauen feste Kolumnen in großen Zeitungen erhalten? Dass sie regelmäßig dort veröffentlicht werden? Junge, feministische Frauen?
Ich lernte dann, dass der englischsprachige Raum mit Feminismus etwas anders umgeht, als wir das in Deutschland tun. Feminismus ist dort ein Thema, das nicht nur in der Nische der Nische behandelt wird.
Da steht sie also auf der Bühne bei der re:publica und gibt kluge Sachen von sich. Voller Selbstvertrauen und Klarheit. Ich war neugierig geworden.
Später hab ich ihr Buch „Fleischmarkt“ gelesen aus dem das Eingangszitat stammt. Sie legt den Finger in die Wunden der Gesellschaft und scheut sich nicht, den Kapitalismus kalt auseinanderzunehmen und zu sezieren.
Im Februar kam dann „Unsagbare Dinge – Sex, Lügen und Revolution“ auf deutsch heraus. In der Bahnhofsbuchhandlung laufe ich an einem Stapel vorbei und sehe aus dem Augenwinkel, dass das ja das neue Buch von Laurie Penny ist. Wie schafft sie das nur, frage ich mich? Wie schafft sie es auf der Woge des Mainstreams mitzuschwimmen mit ihren scharfen Analysen.
War ja klar, dass ich sofort nach einem Ticket Ausschau hielt, als sie mit ihrer Buchvorstellungstour auch für Frankfurt angekündigt wurde. Das wollte ich nicht verpassen.
Die Veranstaltung in der Nationalbibliothek war gut besucht und der überwiegende Teil des Publikums bestand aus jungen Frauen. Sehr jungen Frauen. Sonst kann es vorkommen, dass ich bei feministischen Veranstaltungen mit meinen 50+ Lebensjahren zu den jüngeren gehöre. Aber hier war das deutlich anders. Da saßen sie nun, die jungen, gepflegten, eher dezent gekleideten Frauen mit ihrem akademischen Hintergrund und lauschten fasziniert dieser jungen Frau, die ab und an ihren Fingernägel kaute, ihr herzhaftes Lachen hören ließ und die immer mitten im Thema war und mit deutlich spürbarer Neugierde auf die Fragen des Publikums einging.
Warum sie so erfolgreich ist? Sie ist bunt, wirkt sehr authentisch, spricht und schreibt sehr persönlich, strahlt Charisma und Leben aus.
Antje meint der deutsche Netzfeminismus hat Laurie Penny zum Star gemacht. Da ist was dran.
Mir gefällt diese Entwicklung sehr. Es wächst etwas auf fruchtbarem Boden.
claudia Juni 19th,2015
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Lange habe ich mich gefragt, wo ich hin will.
Heute frage ich mich, was ich abwerfen möchte. Angekommen bin ich. Allerdings immer noch mit zu viel Ballast. Den trage ich aus vielen Gründen mit mir. Weil ich mich an ihn gewöhnt habe. Weil es sich so gehört. Weil es vielleicht einen großen Knall gibt, wenn ich ihn abwerfe.
Weil ich dann vielleicht abhebe. Schwebe.
Oder vielleicht direkt zur Insel fliege.