ausgezeichnet
kein Startschuss
am Anfang
keine Flagge
auf dem Höhepunkt
und schon gar
kein Zieleinlauf
es nennt sich Leben
und die Zeichen
muss du
suchen
kein Startschuss
am Anfang
keine Flagge
auf dem Höhepunkt
und schon gar
kein Zieleinlauf
es nennt sich Leben
und die Zeichen
muss du
suchen
Das Unterbewusstsein schlägt das rationale Denken um Längen. Bei anderen lãsst sich das aus sicherer Distanz beobachten, bei sich selbst schmerzen die Auswirkungen dieser Konstellation manchmal lebenslang. Gefangen im Gewirr der sozialen Prägungen. Doch die Illusion der vernünftigen Lebensentscheidungen hält sich hartnäckig.
Manchmal löst es Mitleid bei mir aus, andere Menschen in diesem Netz zappeln zu sehen. Manchmal hab ich auch Mitleid mit mir selbst und versuche dem Unterbewusstsein ein Schnippchen zu schlagen. Aber das ist wie bei dem Hase-und-Igel-Spiel: Das gewinnt immer nur der Igel.
Meine Timeline vergnügt sich oder langweilt sich mit dem 20-Sachen-Stöckchen, dessen Ursprung ich nicht mitbekommen habe.
Die hat es ganz doll gepackt und manche / mancher läuft zu Hochform auf.
Oder sie.
Oder sie.
Oder sie.
Oder sie.
Meine Meinung dazu: Selbstdarstellung ist nur störend, wenn ihr der Unterhaltungsfaktor fehlt.
Ich stricke mich in Rage – noch dazu in pink. Stricken nach Anleitung ist nicht so mein Ding – oder besser gesagt: stricken exakt nach Anleitung ist nicht mein Ding. Das Modell soll zu mir passen und wenn ich es mehrfach abändern muss, bis ich es so habe, wie ich es möchte, dann nervt mich das nicht.
Anleitungen sind zum Entlanghangeln da. So mache ich das mit Rezepten auch. Kaum zu glauben, dass ich mir mal einen Beruf aussuchte, bei dem jede Anleitung genau einzuhalten war.
Irgendwie habe ich das durchgehalten. Beruflich. Jedenfalls für die Zeit der Ausbildung, die für mich ja immer der Weg war und nie das Ziel.
Ich stricke mich in Rage und sehe die Nachrichten im Fernsehen, die ich sonst immer vermeide. Die Flüchtlinge sterben und ganz Deutschland regt sich über einen kranken Bischof auf. Die Unverhältnismäßigkeit überrascht mich immer wieder.
Es sieht aus wie Herbst und fühlt sich nach Winter an. Ein Hauch von Winter. Ich gebe zu: ich kann mich an die Bitterkälte des vergangenen Winters noch gut erinnern.
Aber jetzt ist dennoch erst mal Herbst. Bunt, nass, kalt. In der Arbeit erfahrungsgemäß eine streßige Zeit, die ihre Höhepunkte in der Vorweihnachtszeit findet. Dann wenn alle mit den Nerven runter sind und die Aussicht auf ein neu beginnendes Jahr, neue Hoffnungen wachsen lässt. Entgegen jede Erfahrung, würde ich meinen. Entgegen jede Vernunft.
Die Hoffnung ist ein Pflänzchen, das sich hartnäckig in den Ritzen des Alltags festsetzt.
Fünf Mal war ich schon auf dem Bürgeramt seit ich im August nach Frankfurt gezogen bin. Fünf Mal eine Nummer abgeholt und mich in den entsprechenden Wartebereich gesetzt. Ein weiteres Mal musste ich wieder umkehren, weil ich nicht damit rechnete, dass das Bürgeramt nur zweimal in der Woche nachmittags geöffnet hat.
Jetzt überlege ich ein sechstes Mal vorbei zu gehen. Die Öffnungszeiten kenne ich mittlerweile gut. Ich kann reingehen und bei der Nummerausgabe sagen, dass ich gerne wissen möchte, warum ich jetzt wieder evangelisch bin.
Noch eine fehlerhafte Datenübermittlung aus der Zuzugsgemeinde? Oder habe ich das vielleicht selbst abgezeichnet?
Erstaunlich, wie viele strittige Daten mein kleiner Lebensdatensatz enthält. Ich scheine die Datenfehler wie ein Honigtopf anzuziehen.
Eine andere Erklärung wäre, mein Unterbewusstes zieht mich immer ins Bürgerbüro, weil ich Warteräume so gerne mag und da ich jetzt nicht mehr so oft auf Bahnhöfen herumsitzen kann, sucht es sich ein anderes Betätigungsfeld.
Ja, ja – ich weiß: Glückseligkeit ist langweilig auf die Dauer. Ist eintönig für die Lesenden, die Beobachterinnen. Ausnahmen sind nur genehmigt, wenn die Erinnerungen das eigene Herz aufgehen lassen. Wenn es an Liebe und Zweisamkeit anknüpft.
Dann knüpfe ich doch gerne an eure Liebe und an eure Mehrsamkeit an.
Hier geht es jedenfalls weiter mit dem nachwachsendem Glück und einem mitleidigen Blick für die Schlange im Paradies.
Vergesst nie: das Glück schleicht sich wortlos an.
Es lässt sich nicht messen und nicht in Stunden oder Sekunden fassen.
Es ankert unvermittelt und falls es wegfliegt, dann vergewissert euch, ob es nicht einen Ableger zurück gelassen hat.
Wenn ich in der Dämmerung auf dem Balkon stehe, fliegen die Fledermäuse über die Kleingärten. Was für ein An- und Ausblick! Die Lichter der entfernten Autobahn, die der Flugzeuge und vorne fliegen die Fledermäuse.
Mittendrin im neuen Leben, das jeden Tag einen neuen verborgenen Zauber lüftet.
Ich kann gerne ein Quäntchen Glück abgeben. Es wächst hier ständig nach.
Bin heute durch die verlassenen Amtsflure geschlichen. Hab mich meinem Bürocomputer zärtlich genähert und ihm ein neues Passwort eingeflüstert, da er das alte nicht mehr länger mochte. Es läge über dem Haltbarkeitsdatum und bevor er Schluckprobleme bekomme, bin ich ihm natürlich zu Willen. Will es ja jedem recht machen. Jedenfalls jedem Computer.
Ansonsten: heimkommen, angekommen sein. Feststellen, dass sich das neue Leben nicht in Luft aufgelöst hat. Alles wunderschön! Ein langandauernder, unspektakulärer Traum.
Einen Entschluss habe ich auch gefasst. Da der Wahnsinn einen Namen – oder besser gesagt immer höhere Phantasiesummen annimmt – werde ich ein Spiel spielen. (ja, die überzeugte Nichtspielerin spielt ein Spiel) ich erhöhe mein Kunstbudget jeweils aktuell um die entsprechende Summe. Damit wenigstens die Kunst vom Irrsinn profitiert, der sonst nur Energie kostet.
Die Worte finden mich heute nicht. Zu gerne möchte ich sie anlocken, aber sie meiden mich.
Verärgern will ich sie nicht, zeige mich zurückhaltend und schließe für heute die Tür.