Lesen – Ein brodelnder Kessel

“Eine Literatur, zur Gänze aus guten Büchern zusammengesetzt, wäre bald ohne Leser und ausgestorben, die Isolation zu groß. Wir benötigen auch die trivialen, kurzlebigen Bücher: Das sind die Ankleidezimmer, die Werkstätten, die Seitenflügel, die Spülküchen, die brodelnden Kessel, in denen das Leben siedet und dampft und immerzu hochkocht. Sie befruchten unseren Geist und machen ihn bereit für die großen Meisterwerke.”

Virginia Woolf

Novemberschreiben

Gut über das Novemberschreiben – den NaNoWriMo – kommt man, wenn man eine bestimmte Strategie verfolgt. Wenn man sich in der Vorbereitung Klarheit über seine Figuren, Schauplätze und das Umfeld verschafft. Vielleicht sogar ein paar Recherchen in Vorfeld schon abklärt. Das würde ich auch gerne machen, aber da gibt es ein Problem, das bei meiner Schreibweise hinderlich ist.
Genau wie hier in der Sammelmappe, schreibe ich meine Texte zunächst erst mal sehr assoziativ. D.h. Ich weiß gar nicht, wohin mich der Text führt und außer der einen oder vielleicht auch zwei Figuren, die die Geschichte tragen, kenne ich im Vorfeld auch die beteiligten Figuren nicht. Das heißt ich muss mich auch im Nachgang ständig vergewissern, dass die Tatsachen stimmen. Da erscheint ein Büro im 12. Stock und ich muss sicher sein, dass die Figur nicht vorher nur kurz den Gang hinunter gelaufen ist, um in ihr Büro zu kommen.
Das ist jetzt eher ein harmloses Beispiel, das man später leicht korrieren kann. Aber es gibt Kleinigkeiten, die können einen Text ganz schön in die Bredouille bringen. Das habe ich schon erlebt – und für das Prinzip des NaNoWriMo kann das ziemlich heftig werden. Denn dann gerate ich ins Stocken und kann mich mit meinem Text nicht mehr drehen und wenden.

Ich hoffe, ich bringe soviel Gleichmut mit in das Novemberschreiben, dass ich solche Momente gut abfedern kann.

Kriegsheld

Als Typ und als Mensch finde ich den Nicolas Berggruen äußerst interessant. Gerne würde ich ihn mal treffen, um zu sehen, wie er aus der Nähe und als Gegenüber wirkt.

Sein Schilderungen vom Kriegsschauplatz Eurokrise habe ich allerdings nicht alle verstanden. Auch nicht, wie brisant es ist, wenn sich plötzlich so ein Institut in die Politik einmischt, das über einen so großen Kapitalstock verfügt.

NaNoWriMo 2011

In drei Tagen geht es los und die Spannung wächst von Stunde zu Stunde. Ich sehe mir meinen Terminkalender an und grüble, wieviel Zeit mir zum Schreiben bleiben wird. Drei Stunden am Tag konzentriertes Arbeiten sind notwendig schätze ich, um die Wörterzahl zu schaffen.
Eignet sich der Text, den ich plane, für die Challange? Sollte ich nicht doch auf Figuren und einen konkreten Handlungsablauf setzen?
Ertrage ich mein gewähltes Thema in dieser Intensität einen Monat lang?

Es kommen immer mehr Fragen auf. Ich glaube, man nennt das Lampenfieber.

Selbstbeschreibung

Ich bin eindeutig zu streng zu mir und meinen Mitmenschen. Das merke ich immer wieder. Wobei es so ist, dass ich im Vorteil bin, denn die Strenge zu mir selbst wird abgemildert durch einen weiteren entgegen gesetzten Zug meiner Persönlichkeit: Meine Neigung, fast alle Dinge, Begebenheiten, Situationen oder Umgebungen in einen emotionalen Licht zu sehen. Sie in ihren gefühlsmäßigen Kontext wahrzunehmen. Da schießt meine moralisch Strenge manchmal wie ein Blitz durch diese Wahrnehmung.
Für meine Mitmenschen ist es schwieriger mit diesem Zug von mir umzugehen. Für sie kommt die Strenge oft sehr unerwartet und trifft sie somit ungebremst.

Schmerz

Meine Tränen
schreien
lauter
als der Horizont

und vertrocknen

Durchnässt

„Wenn man Fische fragt, wie es am Meeresgrund aussieht, vergessen sie wahrscheinlich zu erwähnen, dass es dort nass ist.“
Wo das Zitat her ist, weiß ich leider nicht mehr. Treffend ist es alle Mal.

Lob der Scham

Die Scham kommt in dem Text, den ich mir für den NaNoWriMo vorgenommen habe auch vor. Am Rande.

Bei den Gleisbauarbeiten ist die Scham heute im Mittelpunkt:

Und daher gilt – für mich – noch immer:

„Es ist ein zweischneidig Schwert mit der Scham: Geschamig verbirgt die eine züchtig mit niedergeschlagenem Blick den Trieb. Verschämt dagegen bedeckt die andere das Versäumnis der Scham entblößenden Intimrasur. Doch vermag wohl gerade erst die schüchternde Scham die Gelüste ins Maßlose zu steigern. Denn wenn die Scham sich selbst überwindet und befreit, beginnt der Rausch.“

Mentale Vorbereitung

Immer wieder falle ich auf die Idee hinein, ich könne mit der richtigen Vorbereitung alles meistern. Alles ist machbar – vielleicht auch kontrollierbar – wenn ich nur gut genug vorbereitet bin.
Gibt es keine äußerlichen oder organisatorischen Vorbereitungsmöglichkeiten möchte ich mich mental vorbereiten. So wie jetzt: jetzt bereite ich mich mental auf den NaNoWriMo 2011 vor.
Wie gesagt: Für die Langsam- und Wenigschreiberin mit betriebsamen Arbeitsalltag eine Riesenherausforderung.
Und dann noch der Text. Es soll ein poetischer, experimenteller Text werden von dem ich nicht weiß, ob er später die Form eines Romans erfüllt.
Schnell geschriebene lyrische oder poetische Texte bergen ein Risiko, aber das gehe ich gerne ein.
Für mich und weil ich die Vorfreude schon so genieße, für mich schreiben zu dürfen und mich ganz meinem Text widmen zu können ist mein Paradies.
Wieviele Menschen haben schon die Möglichkeit in einem Paradis zu leben?
Und sei es auch nur vorübergehend.

Herbst

Ein Montag mit Überraschungen wie gemacht für spontane Menschen. Eine Nachhilfestunde in Sachen Kreativität.

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