Herztier

„Wenn wir schweigen, werden wir unangenehm, sagte Edgar, wenn wir reden, werden wir lächerlich.“

Erster Satz von Herta Müllers Herztier

Abendmelodie

Ich gehe nicht gerne ins Bett bevor ich nicht etwas in die Sammelmappe geschrieben habe. Selbst wenn der Kopf ganz leer ist. Seltsam dieser Kopf: er wird von aussen angefüllt mit lauter überflüssigen Sachen und zum Schluss ist er ganz leer.

Eine mystische Gleichung.

Blick nach vorn

das kalte Kribbeln unter der Schulter
ungewollt und ungewiss
in den Abgrund geblickt

lächle,
bitte, bitte lächle

Männer

Manchmal wünsche ich mir die früheren Zeiten zurück, in denen die Männer nicht ständig in die Kamera heulten und ihre Beziehungen zu Minderjährigen in aller Heimlichkeit pflegten.
Aber Berlusconi hat in der Zwischenzeit offensichtlich Maßstäbe gesetzt, die es zu unterbieten gilt.

Die Zeiten ändern sich eben, das werde ich einsehen müssen: Jetzt gibt es sogar einen Aufstand der Faulen. Weshalb die wohl gerade jetzt aufstehen?

Sorgen

Steine
die auf meinem Leben
lasten
zerbröselt
manchmal die Sonne

des Nachts
im Traum

Bitterino-Soda

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Was würden Sie arbeiten, wenn für Ihr Grundeinkommen gesorgt wäre?

Die Frage alle Fragen zum Grundeinkommen. Eine Frage, die es sich lohnt, sie sich öfter selbst zu beantworten.
Frau Auge stellt sie sich auch.

Als erstes würde ich aufatmen und tief durchatmen. Noch hat mich meine Arbeit nicht krankgemacht, aber sie stresst auf eine nervige Art. Vielleicht würde ich eine ähnliche Arbeit in einem anderen Umfeld machen. Ein Umfeld, das sich diese Form der Arbeit nicht leisten kann.

Eingeigelt

Mich hat die Schlafkrankheit erwischt. Vielleicht ist es auch nur eine Schlafkur, die die Selbstheilungskräfte aktiviert und die nötig geworden ist, um gegen den Dauerstress resistent zu werden.

Mir hilft das Einigeln oft. Mich abschotten von äußeren Reizen und warten bis die Kraft wieder kommt. Ich fühle, dass sie langsam wieder in der Nähe ist. Deshalb bin ich jetzt vorsichtig und achte darauf, dass ich sie nicht vertreibe.

Einsatz

Wollt ich noch etwas sagen? Wahrscheinlich. Ganz sicher sogar, aber ich bin platt. Ich weiß nicht, ob London wieder brennt – hab was vom Militär gelesen. Ich weiß nicht, was die Börse macht und was die Banken treiben. Noch weniger weiß ich im Moment was es politisch neues gibt. Ach ja, die haben vielleicht immer noch Sommerpause.
Nein, ich mach jetzt keinen Witz mit einer Feuerpause.

Die Welt rumort. Sie verdaut uns gerade und wird uns ausspucken. Ich kann es ihr nicht verübeln, vielleicht ginge es mir an ihrer Stelle ähnlich.

Mit dem Herzen denken

Mit dem Herzen denken – so hieß ein Buch mit Texten von Petra Kelly. Drei Wochen lang war sie tot, ehe es jemand merkte. Ihre Partei gedachte ihr mit einer gemeinsamen Gedenkfeier mit ihrem Mörder. ( – vielleicht war es auch nur ihr Totschläger, das kann ich nicht wissen. Ein schiessender Totschläger, der auf eine Schlafende trifft. )
Ich komme vom Thema ab: mit dem Herzen denkt es sich besonders gut.

Vor allem politisch. Aber schade ist, dass das so ein großes Geheimnis ist.

Nachtrag: „Wir lassen uns nicht zu Tode verteidigen“ ist auch ein schönes Zitat von ihr.