Abenteuer Leben

Abenteuer Bahn – ich liebe es. So schrieb ich es in meinem letzten Kommentar zum Eintrag „Nie wieder“.
Aber was heißt das schon? So viele Male bin ich unspektakulär mit der Bahn von hier nach dort gekommen. Dieses Mal ist es anders – ich bin immer noch nicht angekommen – das Abenteuer nichtkontrollerbar ist mir dazwischen gekommen.
So ist das Leben. Einer meiner Lieblingssätze. C’est la vie!

Mein Leben ist nicht immer dienstkontibel, manchmal verträgt sich auch der Anspruch der Arbeit nicht mit dem des Lebens. Was lerne ich daraus? Das Leben hat Vorfahrt. Allerdings habe ich die Vorfahrtsregel nie so richtig umsetzen können. Das rächt sich jetzt.

So oder so ist das Leben, das ist mein zweiter Lieblingsspruch.

Nie wieder

Nie wieder werde ich mir so einen engen Zeitplan zumuten. Jetzt stehen wir hier auf der Strecke, niemand sagt uns was, weit und breit ist kein Zugbegleiter zu sehen. Von halb fünf am Nachmittag bis Morgen früh um sieben hätte meine Reise regulär gedauert. Ich mag mir gar nicht ausrechnen wie lange sie jetzt dauern wird und wie ich das mit der Arbeit hinkriegen soll.
Eine Runde Mitleid wünsche ich mir jetzt von euch.

Preisverleihung

Gleich geht es zur Preisverleihung. Meine innere Preisverleihung hat längst stattgefunden. Daran ist nichts mehr zu rütteln. Literatur ist zum Schluss dann doch auch wieder Geschmacksache.

Eine Unruhe hat mich erfasst, das Abreisefieber. Welcher Teufel hat mich geritten, diese verfluchte Zeitplanung zu wählen. Das mache ich beim nächsten Mal anders.
Vielleicht.

Befindlichkeiten

Die deutschen Fussballerinnen verlieren vielleicht – oder auch nicht. Eng wird es offensichtlich.
Mein Herz ist voll. Die Texte füllen mich. Was ist, was bleibt – ich weiss es nicht.
Literatur ist Herzblut – das ist das, was ich in den vergangenen Tagen verinnerlicht habe. Gemerkt habe ich auch: je mehr die Menschen vom Herzblut und der Leidenschaft sprechen, desto mehr geht sie ihnen ab. Vielleicht ein Vorurteil?
Ist nicht so wichtig. Wichtig ist, den eigenen Standpunkt zu finden. Das scheinbar einfachste ist dann doch die höchste Schwierigkeitsstufe.

TDDL 2011 – dritter Tag

Vier Lesungen heute. Spannend, spannend. Wie gut, dass ich mittlerweile unabhängig vom Urteil der Jury bin.

Leif Randt – Schimmernder Dunst über Cobycountry
Ein Text, so wie ihn in meiner Vorstellung ein junger Mann schreibt, der aus einem Literaturstudium kommt und sein Handwerk im Griff hat. Ein paar Lacher, ein paar mal ironisch überzogen, eine Welt parodiert, mit der sich wohl die Jury und die meisten Menschen im Publikum identifizieren. Bei der Diskussion fiel der Satz „so könnte Berlin in 10 Jahren aussehen“. Berlin in 10 Jahren eine Wellness- Oase? Berlin ist die Stadt der prekären Lebensverhältnisse. Aber davon versteht Mensch in Klagenfurt nicht so viel.

Anne Richter – Geschwister
Das war ja klar, dass dieser Text bei der Jury nicht gut ankam. Bei mir umso mehr. Eine doppelseitige Geschwistergeschichte, Familie satt, Familie pur, leise mit – im wahrsten Sinne des Wortes – Herzblut erzählt. Das war heute meine Geschichte und nicht allein nur deshalb, weil ich ein ausgeprägter Geschwistermensch bin.

Michel Bozikovic – Wespe
Der suizidgefährdete Kriegs-Cowboy in der man-Form geschrieben. Soviel Mann-man macht mich nicht munter sondern müde, da bleibe ich nicht objektiv. Das ist nicht meine Literatur.

Thomas Klupp – 9to5 Hardcore
Ich hätte es nicht nachsehen müssen, wieder einer der Literaturstudierten. Der Universitätsbetrieb fühlte sich richtig gespiegelt. Ein lustiger Text, handwerklich gut gemacht, klingt irgendwie nach Jugend – nahe ist er mir nicht.

Heute war es ganz auffallend: Jury und Publikum in Klagenfurt – und selbstverständlich auch die Autoren – kommen zum überwiegenden Teil aus der gleichen Schicht. Erlebnisarm und trotzdem voller Verlustängste. Heute war mir sehr stark bewusst, dass sie über ihre Bildung meinen, die Welt verstehen und begreifen können. Ohne Risiko und immer mit doppelter Leine und Fallnetz unterwegs. Aber ich meine, Literatur ist da, wo das Leben ist. Mittendrin und ganz besonders dabei.

Vor den Lesungen

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TDDL 2011 – zweiter Tag

Was kaum möglich war, ist eingetroffen: eine Steigerung von gestern auf heute. Volle Konzentration meinerseits auf die Texte. Ein wahrer Textrausch. Die Jury nehme ich weniger wahr. Mein Gott, konnte ich mich früher über die aufregen. Das ist weg, wie weggeblasen. Ab und an sehr durchsichtig, ihre Motive – und dann wieder menschlich witzig, wenn einer von ihnen auf der Leitung steht und nichts kapiert.

Linus Reichlin – Weltgegend
Da war sich die Jury einig: ein Text mit richtigen Männern und dann noch mit Hemingway-Anklang samt Kriegseinsatz. Diese Stichworte alleine müssten ihn bei mir durchfallen lassen, tut es aber nicht. Ich finde diesen Krieg erbärmlich, genau aus dem Grund, den der Text schildert: nur mit Schuld kommen wir aus dieser Weltgegend wieder heraus.
(Hab mir sogar zwei Krimis von ihm gekauft, dabei wollte ich doch aufhören mit dem Kaufen, dieser materiellen Bücher aus Papier.)

Maja Haderlap – im Kessel
Die Lokalmatadorin, die Kärntnerin über deren Buch „Engel des Vergessens“ Peter Handke schreibt: “ Maja Haderlap hat eine gewaltige Geschichte geschrieben … Die Großmutter wie noch keine, der arme bittere Vater wie noch keiner, die Toten wie noch nie, ein Kind wie noch keins.“
Auf mich wirkte der Text altmodisch, nicht zeitgemäß. Den echten Handke lese ich da lieber, trotz … Aber das ist eine andere Geschichte. Die Jury war angetan – Kritik wurde allenfalls gehaucht.

Julya Rabinowich – Erdfresserin
Bei der merkt Mensch sofort, dass Frauen nicht nur sanft Wesen sind. Sie geht sprachlich in die vollen. Für meinen Geschmack manchmal einen kleinen Hauch zu derb. Aber dafür ist sie dran an dem Leben, den Gefühlen, am Elend, das nicht spektakulär sondern triefend daher kommt.

Nina Bußmann – Große Ferien
Sie kann schreiben, auf alle Fälle. Die Geschichte und die Figuren bleiben aber kalt. Die Jury verliert sich dabei, als sie die Bezüge sucht. Aus meiner Sicht lässt sich da nicht viel finden. Alles schon dagewesen. Ich mag es lieber leidenschaftlich.

Steffen Popp – Spur einer Dorfgeschichte
Aus meiner Sicht große Poesie, wunderschöne Lyrik – sehr schlecht vorgetragen. Wenn der Autor ein bisschen mehr in den Hintergrund getreten wäre … Nun ja, die Lesungen sind kein Wunschkonzert. Ich geb schon Ruhe und wiederhole: ganz tolle Lyrik.

So jetzt bin ich erschöpft und voll bis obenhin. Es ist schön, dass es so etwas wie diese Tage gibt.

Links

http://mobil.derstandard.at/1308680751484

http://jhnnsstnbrg.tumblr.com/

Vorbereitungen

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TDDL 2011 – erster Tag

Womit soll ich nur anfangen? Dass das Internet-Roaming-Paket leider nicht funktioniert, obwohl die Buchung bestätigt ist. Daher leider kein twittern und kein Live-Foto möglich.
Das war es dann schon mit den schlechten Nachrichten, über den Rest kann ich nur schwärmen. Wetter grandios, Leute angenehm, Lesungen intensiv, Jury in Hochform, wenn auch etwas nörglerisch – aber das ist ja ihr Job.

Die Situation ist viel entspannter als ich mir das im Vorfeld vorgestellt hatte und auch das konzentrierte Zuhören ohne die gewohnte Internetlästerei nebenbei ist angenehm. Aber jetzt habe ich mich zurückgezogen und will den Lesungstag noch mal für mich Revue passieren lassen.

Gunter Geltinger – Auszug aus einem Roman
Ein starker Beginn, drastische Bilder, die allerdings zu häufig eingesetzt werden und im Verlauf des Textes immer aufdringlicher werden, die Figur der Mutter unklar zwischen einem verwahrlosten Zustand und Prinzessinnenoutfit,
(die Zigarette mehrfach als Fluppe zu bezeichnen irritierte mich)

Maximilian Steinbeis – Einen Schatz vergraben
Humorige Geschichte zum Thema Verlustangst, die Angst der Mittelschicht vor dem Finanzchaos, rund und abgeschlossen, in der Diskussion um die Geschichte lief die Jury zu Höchstform auf
(Beraterlyrik, meinte engl so treffend dazu)

Daniel Wisser – Standby
Das war dann die Einsamkeits- und Automationslyrik, das tote Untotsein bzw. die untote Angestelltenwelt eines Neurotikers, ein Leben, das niemand leben möchte in seiner Unlebendigkeit

Mittags dann die beiden Frauen

Anna Maria Praßler – Das Andere
Ich hab es nicht verstanden, was das Andere sein soll. Die Geschichte rund und glatt. Ein Schulmädchen schreibt einen Aufsatz über die Bedeutung von Leben und Tod, so hätte ich den Text kategorisiert. Aber die Autorin ist kein Schulmädchen, sie schreibt Drehbücher, sie wechselt gekonnt die Szenerien, worauf sie hinaus will ist mir nicht ganz klar. Der Tod ist grausam, manchmal.

Antonia Baum – Vollkommen leblos, bestenfalls tot
Ein irritierender Beginn, dann ein Texteinstieg mit starken Bildern, allerdings möchte ich nach einer Weile den Schalter zum Ausschalten des Bildmodus finden, so sehr nervt die Wiederholung, die Jury verzettelt sich auf Abwegen, findet nicht richtig zum Text oder Text nicht die Jury, so mag es manchmal ja auch sein.

Links:
http://jhnnsstnbrg.tumblr.com/

http://www.sprachrand.de/gedanken/2011/07/07/gedanken-zum-ingeborg-bachmann-preis-2011-1/

http://zeilenkino.de/bachmann-preis-2011-tag-1-der-deutschsprachigen-literatur-in-klagenfurt

http://www.vorspeisenplatte.de/speisen/2011/07/bachmannpreis-2011-der-donnerstag.htm

http://1668cc.wordpress.com/2011/07/07/gedanken-zum-bachmannpreis-2011/

http://notate.szylla.org/ein-stickiges-frauenwohnzimmer-mit-lauter-gehakelten-lugen/128

http://hoehereweltenblog.twoday.net/20110707/

http://mobil.derstandard.at/1308680682281

Gute Nacht

Ich gehe mit einem wunderbar wohligem Gefühl ins Bett. Ein Plan für Morgen steht noch nicht. Mag ich nur still zuhören oder doch lieber ein bisschen lästern?

Die Erfahrung des Abends: ich bin einfach nicht für das Fahren von Fahrzeugen geeignet, auch nicht für Fahrräder. Die fahren mit mir immer dahin, wohin sie wollen. Dachte bisher, das wäre nur bei Pferden so, habe mich da allerdings grundlegend getäuscht.