Alte Bekannte
Ich liebe es alte Bekannte zu Begrüßen. Auch aber nicht nur in der Sammelmappe.
Ich liebe es alte Bekannte zu Begrüßen. Auch aber nicht nur in der Sammelmappe.
Schon vorgestern und gestern hätte ich einen Eintrag zur Müdigkeit schreiben können. Müdigkeit I, Müdigkeit II und heute wären wir gemeinsam bei Müdigkeit III angelangt.
Das habe ich euch also erspart. Meine soziale Ader hat es euch erspart und ehe mir jetzt die Augen wieder zufallen, schließe ich diesen Beitrag.
Widme mich meinen Träumen: die vom Tag und die in der Nacht.
Das Notizbuch
vielleicht sollte ich besser
heute noch und ganz schnell
einen Satz in das neue Notizbuch schreiben,
das die Buchbinderin
für mich gebunden hat
damit ich nicht erstarre
in Ehrfurcht
vor dem schönen Papier
dem inneren Blatt
in Farbe
den Leineneinband
vorne geblümt
und hinten in dunklem rot
meine Farbe
die ich so mag
vielleicht sollte ich besser
heute noch und ganz schnell
einen Satz in das neue Notizbuch schreiben
Bevor mich die Todesmeldungen von der Loveparade so aus dem Tritt brachten, hatte ich eigentlich vor, einen Eintrag zu den neuen Plänen der Regierung über die Mietkosten der Hartz-IV-Empfänger zu schreiben. Über die Abwärtsspirale, die unsere Gesellschaft so schön weiter nach unten dreht. Alles ist zu toppen und nach unten gibt es kein Limit mehr.
Es geht abwärts! Das müssten jetzt die Letzten begreifen. Es geht abwärts für die Masse, damit es für einige Wenige immer weiter nach oben gehen kann.
Und alle laufen mit. Alle laufen auf ihrem Weg. Nein, das was wie ein Kreis aussieht das ist keiner. Das ist die Spirale, die direkt ins Elend führt.
Wie lange werden die Schafe wohl noch mitlaufen? Wie lange werden sie sich die Geschichten von den Leistungsträgern noch anhören und wie lange denken sie auch weiterhin: Das kann doch in Deutschland nicht passieren!
In Deutschland wird keine Massen-Veranstaltung genehmigt bei der Eingang, Ausgang und Rettungsweg durch einen Tunnel führt. In Deutschland verhungert niemand. In Deutschland sind die Menschen weniger arm als in anderen Ländern.
Nein, sie sind nicht weniger arm. Sie werden gedemütigt und sie lassen sich demütigen.
Die Spirale führt abwärts und jeder denkt daran, dass sie immer weiter nach unten führen kann.
Aber wenn plötzlich mehr Menschen auf den Gedanken kämen, dass sie dort nicht weiter gehen müssen? Wenn sich mehr ausklinken würden und sich wieder einklinken in eine Gemeinschaft, die diesen Namen verdient?
Was dann?
Ich lese auf Twitter und identica die Nachrichten zur Loveparade. Es wird weiter getanzt und gehofft, dass keine zweite Panik aufkommt. Keine schlimmere Panik. Nicht noch mehr Tote. Mir wird schlecht, wenn ich daran denke. Es ist einfach zu groß, es sind zu viele.
Hoffentlich werden es nicht noch mehr.
Nachtrag:
Der Zombie der Ruhrbürokraten frisst 19 Menschenleben, 342 sind verletzt
Nerdcore: Tote auf der Loveparade
Die Regierungen lassen die Banken Stresstests zur Beruhigung der Bevölkerung machen, die eigentlich nur Streicheltests sind. Das Öl sprudelt in den Ozean und an anderer Stelle, in die Wüste, in die Erde. Alles nicht so schlimm. Oder nur kurz mal schlimm.
In der Zwischenzeit geht der Wahnsinn weiter. Die atomare Entsorgung ist nach so vielen Jahrzehnten Nutzung der Technik weiter weg von einer Lösung wie zu Beginn. Von der Beherrschung der Technik mal ganz zu schweigen.
Aber zum Glück gibt es noch Länder, die sich um den Umweltschutz kümmern.
In Botswana dürfen die Buschmenschen (ich nehme an, die gibt es auch in weiblichem Geschlecht) ihren Brunnen nicht mehr benutzen. Mehrere hundert Männer, Frauen und Kinder müssen nun zum Teil tagelang laufen, um in der Wüste des Kalahari-Parks Wasser zu finden.
(Ah, ich sehe gerade: Survival International nennt sie Buschleute.)
Kluge Worte schreibt Antje Schrupp in ihrem Beitrag Der Feminismus, die Frauen und die Welt
Ich behaupte, dass überall, wo Frauen fehlen, der Welt etwas fehlt. Die Orte, die Institutionen, die Bereiche, an denen Frauen deutlich unterrepräsentiert sind oder gar ganz fehlen, sind schlechter als sie sein könnten.
Die Welt braucht weibliche Freiheit. Feminismus ist keine Lobbyarbeit für Fraueninteressen, sondern eine Bewegung, bei der es um das gute Leben aller Menschen geht.
Ein Linktipp aus der FINET-Gruppe:
Deutschlandweites Sommerstudium für Frauen in der Informatik
Die Informatica Feminale bietet jährlich kompakte Lehre zur Informatik für Studentinnen aller Hochschularten und für an Weiterbildung interessierte Frauen. Studieneinstieg, Verbleib im Studium, Berufsübergang und lebenslanges Lernen auf universitärem Niveau stehen dabei gleichermaßen im Blickfeld. Dozentinnen und Teilnehmerinnen kommen aus dem In- und Ausland. Das Sommerstudium in der Universität Bremen ist ein Ort des Experimentierens, um neue Konzepte für das Informatikstudium zu finden.
Blätter rauschen
und rascheln die Kindheit
herbei
der Wind, der Wind
das himmlische Kind
die Blätter
rascheln
die Seele um den Verstand
Der Chaos Computer Club (CCC) hat seit Beginn seines Bestehens die Chancen und Möglichkeiten, die das vernetzte Leben mit sich bringt, erkannt und propagiert. Viele der ursprünglichen – damals noch futuristisch anmutenden – Visionen sind inzwischen nicht nur Realität, sondern Selbstverständlichkeiten in der Mitte der Gesellschaft geworden. Der Einzug des Internets in den Alltag fast der gesamten Bevölkerung hat uns Datenschutzsorgen gebracht, aber auch zu einer Demokratisierung, einer Bereicherung aus wissenschaftlicher, sozialer und künstlerischer Sicht geführt. Die Selbstheilungskräfte des Internets haben dabei viele befürchtete dystopische Auswüchse ohne staatliches Eingreifen verhindern können. Aus unserer Sicht liegt der aktuellen Diskussion eine Fehleinschätzung zugrunde, an welchen Stellen Regulierungsbedarf notwendig ist und an welchen nicht.
Wir haben daher in klare Worte gefaßt, welche Errungenschaften erhalten und welche aktuellen Mißstände unserer Meinung nach angepackt werden müssen, welche Risiken für die Zukunft einer wettbewerbs- und lebensfähigen Gesellschaft im Netz wir sehen und wohin die Reise gehen soll. Diese Reise kann natürlich nur unter Mitnahme aller Bürger, die ausreichend schnell, unzensiert und unbevormundet an ein interaktives Netz angeschlossen sind, Fahrt aufnehmen.
Wir sehen es als Problem, wenn das Netz nur als Quell ewigen Übels wahrgenommen wird, welches streng reguliert und möglichst mehrwert-gerecht präsentiert werden muß. Als Abbild des Lebens hat der Markt im Netz seinen Platz – genau wie die Politik, aber keiner der Spieler darf zum übermächtigen Kontrolleur werden. Dazu muß der Staat mit gutem Beispiel vorangehen, darf sich nicht weiter in IT-Großprojekten über den Tisch ziehen lassen, muß die digitale Intimsphäre seine Bürger achten und selbst mit angemessener Transparenz für alle nachvollziehbar, am besten gar maschinenlesbar werden. Und wer Mißstände, Korruption und Datenskandale aufdeckt, muß belohnt, nicht geächtet und bestraft werden.
Dabei sollen die Netzbürger nicht bloß als statistische (Stör-)Größe in ausufernd wachsenden Datenbanken verbucht und verarbeitet werden. Im Gegenteil: Sie sind der Souverän und müssen im selbstbestimmten Umgang mit ihrem Netz ausgebildet werden. Dazu gehört, den Wert von Privatsphäre zu erkennen und mit den intimsten Geheimnissen achtsam umzugehen. Das Netz ist unsere gemeinsame Infrastruktur; unser Staat sollte sie aufbauen, hegen und pflegen, anstatt sich auf das Kleinhalten und Reglementieren zu konzentrieren. Read the rest of this entry »