Es ist traurig, was sich eine Länderregierung mittlerweile alles erlauben kann ohne dass Konsequenzen gezogen werden. Früher ging das nur unter dem Tisch; heute schadet es nicht mal, wenn die manipulierten Gutachten öffentlich werden. Sie können einfach weiter machen, ohne dass irgendetwas geschieht.
Das ist sehr taurig.
was ich heute gegessen habe? Mein neues Lieblingsgericht. Rote Linsen. Warum habe ich die früher nie gegessen? Die schmecken lecker und sind schnell gekocht. Heute stelle ich extra einen persönlich Eintrag in die Sammelmappe: Es heißt doch immer, dass wir Blogger uns im Internet entblößen. Da will ich heute nicht hintenan stellen und mich auch entblößen. Meinen Speiseplan entblößen. Am Wochenende geht das. Am Wochenende ist die Versorgungslage gut. Unter der Woche sieht es da eher traurig aus. Das Schicksal der autobefreiten, unter-der-Woche-Single, in der lebensmittelgeschäftsfreien-Kleinstadt-Bewohnerin.
Nun gut, wenn ich mich schon entblöße, habe ich die Wahl, was ich genau von mir entblöße. Machen die anderen ja auch so. Manche entblößen ihr Dummheit. Aber die lese ich nicht, um die mache ich einen Bogen. Ich lese bei den Menschen, die ich mag. Die mich interessieren. Mit oder auch ohne Entblößung.
Was könnte ich jetzt noch entblößen? Dass ich einen Essensplan für Weihnachten aufgestellt habe. Andere Menschen sorgen sich um Geschenke und ich mich um den Essensplan für Weihnachten. Dabei feiere ich Weihnachten doch schon seit zwanzig Jahren nicht mehr. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich die Weihnachtszeit so gerne hab. Für mich ist es eine Zeit, zu der ich traditionell frei habe. Eine Zeit mit ein paar freien Tagen ohne Verpflichtungen. Eine entspannte Zeit zum Regenerieren. Ich freue mich drauf. Auch ohne Weihnachtsbaum und Kerzengedöns.
Meine ersten Schritte mit Google-Wave sind noch etwas wackelig und zögerlich. Ich begann gleich damit Jürgen zu meiner Einladungswave hinzu zu fügen. Was natürlich nicht Sinn und Zweck der Sache ist: Auf die Einladungswave sollte nur ich Zugriff haben. Nun ja, kein Problem, dachte ich mir, dann entfernst du ihn halt. Aber, das geht nicht!
Google hat noch einiges zu tun mit dieser Testversion. Wave ist klasse für Gruppenarbeit geeignet. Wenn nur nicht Google davor stehen würde, dann wäre mir wohler.
Ich werde wohl noch eine Weile im Dunkeln der Wellen herumstochern. Doch es macht auch Spaß. Einladung habe ich noch ein paar übrig, offensichtlich gibt es im Moment so viele, dass keiner mehr eine haben will. Seltsam, dass es dann so lange gedauert hat, bis ich eine bekommen habe. Ich hatte schon vor Wochen danach rumgefragt.
Gerade eben ist meine Badewanne übergelaufen. Ich musste nicht einmal wischen, allerdings habe ich eine Ewigkeit versucht den Zufluss abzustellen. Der war unter der Wasseroberfläche. Was für ein Gehuddel!
Im Moment scheine ich mich von der Tagträumerin zu einer Rund-Um-Die-Uhr-Träumerin zu entwickeln.
Mein Leben ist ein Traum und ein Traum ist mein Leben – und zwischendurch nimmt die Hektik ihren Lauf.
Selbstschutz?
Bin heute morgen aufgewacht und fühlte mich krank. Richtig krank. Ganz entsetzt war ich. Das kann doch nicht sein! Alles tat weh, der Kopf schien fast zu platzen. Verdammt, dachte ich. Verdammt, jetzt hat dich die Grippe erwischt. Das gibst doch nicht. Wo ich doch so sicher war, dass meine Abwehrkräfte ganz locker damit fertig werden. Verdammt, jetzt bist du mindestens eine Woche ausser Gefecht. Vielleicht sogar zwei. Und das bei diesem Terminplan. Alles gerät durcheinander.
Ich war richtig entsetzt. Mindestens fünf Minuten lang, dann beruhigte ich mich wieder und wurde gesund. Keine Schmerzen mehr, kein Fieber, kein Schwitzen. Ruhiger Atmen und geduldiger Herzschlag.
Entweder war das eine Spontanheilung oder ein fieser Traum.
Alltag. Arbeitsalltag. Voll gepackt mit Verpflichtungen, Information, kleinen und großen Arbeitshäppchen und Kommunikationslücken. Das Karussell dreht sich weiter, immer weiter. Wir nennen es Karussell, weil das romantischer klingt als die Tretmühle. Wir treten sie, so lange wir sie treten können. Dankbar noch dazu zugehören: zur tretenden Kasten.
Die Seele zieht sich zurück, geht in Deckung, sucht Schutz.
Alltag. Arbeitsalltag. Ja, wir leben noch.
Immer wieder eine Verärgerung wert, oder ein Stirnrunzeln, manchmal auch einen Wutausbruch oder nur Unverständnis: Die Bessermenschen. Die, die nicht nur alles besser wissen, sondern alles besser machen. Sie finden sich an jeder Straßenecke, haben ihren Stammtisch schon lange verlassen, denn dort gefällt es ihnen nicht mehr so gut wie früher. Dort sind sie ja mehrere, damit entfällt die Exklusivität und das wollen sie schon sein: exklusiv. Anders. Besser eben.
Ein guter Platz für die Bessermenschen ist hinter dem Monitor zuhause im Stübchen. Von dort aus lässt sich gut ins Internet schreiben und das eigene Exklusiv-Bessermensch-Sein in die Welt hinaus verkünden. Hach, ist das schön. Das bringt so eine Aura, in der mensch sich so gut suhlen kann.
Gut eignet sich für die persönliche Bessermensch-Präsentation auch ein Ereignis, an dem die Allgemeinheit teilnimmt. Dazu braucht es Medienpräsenz . Das ist genau der richtige Kontrast, die optimale Beleuchtung für die Bessermenschen-Darstellung. Was bin ich doch so kritisch! So anders als die anderen! Nehme mir das mediale Ereignis als Anlass und bashe die ganze Menschheit und stelle mich als etwas Besonderes heraus.
Manchmal frage ich mich, warum ich mir überhaupt die Mühe mache, über dieses Verhalten, die Stirn zu runzeln. Es ist so offensichtlich daneben, sich an aktuelle Medienereignisse zu hängen, um die eigene mediale Überlegenheit kund zu tun, dass es die Energie nicht wert ist, sich damit zu beschäftigen. Was mich immer wieder irritiert ist, dass es so viele Menschen machen. Menschen, die durchaus auch denken können. Aber offensichtlich setzt das Denken spätestens dann aus, wenn der Mensch anfängt sich selbst zu schmeicheln.
Ich traue ihnen jedenfalls nicht über den Weg: den Bessermenschen.