Auf der Suche nach dem Einhorn

Die Menschen sind wieder mal auf der Suche nach dem Einhorn. Dem einen, ganz besonderen Einhorn. Aber ich weiß nicht, wo das Einhorn zu finden ist. Ich kenne seine Geschichte nicht mehr, nicht seinen Atem, nicht den Lauf der Dinge. Wenn ich es nur könnte, dann hätte ich ganz sicher dem Einhorn einen Engel vorbeigeschickt. Aber das Einhorn hat sich schon vor langer Zeit zurückgezogen. Auf welchem Planeten es jetzt ist? Ich weiß es nicht, aber ich weiß, dass das Herz schmerzt, wenn man auf der Suche nach ihm ist und es nicht finden kann.

Alle, die auf der Suche nach dem Einhorn sind, grüße ich. Von Herzen, im Herzen.

Mondkuchenfest

Übermorgen ist der Herbst-Vollmond. Der Zeitpunkt an dem wir dem Mond am nähesten sind und daher sieht der Mond besonders groß aus. Eigentlich müsste dann auch das Mondkuchenfest nicht fern sein. Ich kenne den chinesischen Kalender nicht so genau. In China heißt es auch: Mitherbst. Ah, ich sehe gerade: Morgen ist Mondfest.
Wenn ihr ihn seht, grüßt ihn bitte von mir.

Gedichte fallen nicht vom Himmel

Gedichte fallen nicht vom Himmel
aber manchmal
einfach durch mich hindurch

Gedichte fallen in den Himmel
psst, ihr Echo hörst du
durch dich selbst beschwingt

Gedichte schreiben sich
manchmal zögern sie
bis sie mit Pauken und Trompeten
dein Herz zum Doppelschlag bewegen

Gedichte neigen sich
der Sehnsucht entgegen

Send me an Angel

Manchmal würde ich gerne einen Engel schicken. Einen Engel wie bei Wim Wenders “Himmel über Berlin”. Ein Engel, der mitleidet. Ein Engel, der die Geschichte erzählt. Ein Engel, der die Hand hält. Ein Engel, der in der Kälte Wärme spendet und im Lärm die Ohren schützt.
Ein Engel, der die Menschen liebt.

Aber da bleiben – nur – wir Menschen. Wir. Uns ist das Mitleid gegeben, die Trauer, das Mitgefühl und die Sehnsucht nach Harmonie und Gleichgewicht.
Aber Engel sind wir leider nicht.

Heimweg im Herbst

Herbstlicher Lahnblick

Strand-Still-Leben

es lebt sich still am Strand
umraunt von Plauderstimmen
ein plätscherndes Meer
und flatternde Bücher
die Rätsel geben Geheimnisse nicht preis
vor getönten Gläsern
wachsen Wolken in den Himmel
es lebt sich still am Strand
Strand-Stilleben

Weiche Hingabe

den Wunsch mich selbst aufzulösen
bis nur noch Liebe und Gefühl
übrig bleibt

(September 2009, September)

Private Utopien

Korrektes Verhalten genügt nicht, man benötigt noch ein wenig Doppelmoral in Politikerkreisen. So lautet mein ironischer Kommentar zum medialen Dienstwagen-BlaBla. Um die Aufrichtigkeit ist es schlecht bestellt in unserer Gesellschaft – und nicht nur in Politikerkreisen – zugegeben wird ein Fehlverhalten erst, wenn der Richterspruch gefällt ist – und manchmal nicht mal das.

Ehrlichkeit hat keinen Einkaufwert und die Lüge kommt im Blenderkleid daher. Manmal möchte ich mir eine feine, kleine, private Parallelwelt schaffen. Rückzug ins Private, nannte man das früher. Wobei mir das Private vielleicht doch zu klein wäre. Eine größere Lebens-Wohn-Verantwortungs- Lach-und-Trauer-Gemeinschaft fände ich nicht schlecht.

Da ich alt genug bin, um um die Schwierigkeiten des Zusammenlebens zu wissen, ist meine Hoffnung nicht sehr groß, dass sich dieser Wunsch ohne Hindernisse und Fallstricke erfüllt.

Dennoch hält sich der Gedanke seit Jahren in mir. Die Gesellschaft von innen her zu verändern. Werte leben, die zu Schlagwörter verkommen sind. Das ist mein Wunsch.

Ich fang’ an bei mir.

Bleib bei mir.

Graffiti unter der Brücke

Jetzt bin ich endlich dazu gekommen, die neuen Graffiti unter der Jungbuschbrücke zu fotografieren.

Graffiti mit Affe

Graffiti unter der Jungbuschbrücke

Gedeihende Neurosen

Gestern war ich auf Beutezug bei Zweitausendundeins und habe mich mit Lyrik, Büchner und Freud eingedeckt. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich Freud schon mal gelesen hätte. Nur ein paar Studien von Anna Freud, die fand ich damals sehr interessant. Seit ich die Autobiografie von Georges-Arthur Goldschmidt Über die Flüsse gelesen habe, war ich etwas neugierig auf die Schriften von Freud geworden. Goldschmidt wurde als deutsches, jüdisches Kind in Frankreich vor den Nazis versteckt und hat später als Übersetzer gearbeitet und unter anderem auch Sigmund Freud übersetzt. Er beschreibt, wie die deutsche Alltagssprache es möglich machte, dass Freud zu seinen Begrifflichkeiten und letztendlich auch zu seinen Theorien fand.
Nun ja, in Sprach- und Psychologiestudien will ich mich nicht vertiefen, aber es ist wirklich faszinierend einen Einblick in sein Denken zu erhalten. Amüsant ist er auch:
“Es interessierte mich, daß Neurosen in der Höhe von über 2000 Metern so wohl gedeihen sollten, ich fragte also weiter.” (Freud, Studien über die Historie – Katharina)