Spanisch

Heute abend ist wieder Spanisch dran. Einmal die Woche, eineinhalb Stunden. Wenn ich von der Arbeit komme bin ich so müde, dass ich meine, nicht ein Wort mehr spanisch zu verstehen oder zu sprechen. Manchmal verfluche ich mich auch und denke, es könnte jetzt so schön sein, einfach auf der Couch zu liegen. Aber nein, dann muss ich wieder raus. Vorher schnell was essen und dann noch mal los und in der Dunkelheit zurück.

Wenn ich zurück komme, bin ich meist frohgemut. Freue mich über das Gelernte, darüber dass ich mich überwunden habe. Nein – jetzt bitte nicht vom inneren Schweinehund reden! Nein, denn so ein Tier habe ich ganz sicher nicht in mir. Das ist auch wieder so eine Metapher, die sich durchgesetzt hat. Ein entsetzliches Bild, das mir fremd ist.

Telefonbücher

Umberto Eco sagt in der Kulturzeit, er würde sein Telefonbuch mit auf eine einsame Inselmitnehmen. Dabei geht er zum Regal und holt ein Telefonbuch hervor. Er erklärt seine Wahl damit, dass er auf der einsamen Insel Geschichten zu den Personen erfinden könnte. Geschichten, die ihm nie langweilig würden.

Vor ein paar Tagen habe ich darüber nachgedacht, wie schwierig es noch vor 15 Jahren war, eine Telefonnummer von jemanden herauszufinden, von dem man nicht wusste, in welcher Stadt derjenige genau wohnte. Fast unmöglich war das. In der Hauptpost hingen in langen Reihen Telefonbücher im Vorraum. Die ganze Wand entlang, die Telefonbücher der größten Städte. Nur der Großstädte. Zerfetzt, zerfasert, zerfleddert, mit Kugelschreiber bekritzelt. Nicht sehr einladend und trotzdem die Illusion einer großen weiten Welt, die telefonisch erreichbar ist. Die nah ist.

Nah, aber teuer. Denn das waren sie, die Ferntelefonate in andere Städte: Sauteuer.

Vincent

Bilder und Briefe von Vincent van Gogh – meine Leidenschaft. Die Briefe von Vincent habe ich in den letzten 15 Jahren sicher 4 mal gelesen. Er hat hat unheimlich viel geschrieben. Über die Arbeit, über das Leben, über die Menschen und über seine Bilder.

Eine Ausstellung, die die Bilder mit seinen Briefen in Bezug setzt, finde ich klasse.

Es ist schön, dass ich über den Link von paul celandi zu der Ausstellung und zu den Ausstellungsseiten gelangt bin. Ein Traum.

Wahrheit

Alles was ich schreibe, soll den Hauch der Wahrheit mit sich tragen.

Nimm mich mit

Nimm mich mit, möchte ich heute am liebsten sagen. Nimm mich mit. Manchmal ist es schön einfach mitzugehen – oder mitzufahren. Ich habe einmal einen Mann geheiratet, weil er mich mitnahm: Ans Meer.

Kopf-Schüttel-Tage

Ein hektischer Tag war das heute. Mit einer logistischen Meisterleistung und meinen mystischen Fähigkeiten, Hardware, Software und Netzinfrastruktur meinen Willen aufzuzwingen und den Bann der Störfaktoren mühelos zu brechen, habe ich das Unmögliche in der kürzest möglichen Zeit geschafft. Alle Konzentration war auf das Gelingen der Operation gerichtet. Als ich heute Nachmittag dann wieder zu Hause ankam (Nein, nicht angekamt – liebe Engl) nun, als ich wieder ankam und den Recher anwarf, habe ich nachgedacht. Eine Sekunde, vielleicht auch drei: Ist heute erster April? Nein, das habe ich nach drei Sekunden dann verworfen. So weit außerhalb der Zeiten und Welten lebe ich dann doch nicht. Gibt es einen anderen Grund, blöde Scherze zu machen? Vielleicht ein neuer amerikanischer Brauch, der auf Europa überschwappt? Das wäre schon eher möglich.

Ich habe jedenfalls eine ganze Weile gebraucht, bis ich die Meldungen: Obama erhält den Friedensnobelpreis und die Amerikaner bombadieren den Mond um Wasser zu finden, als Nicht-Scherz-Meldung eingeordnet habe.

Hingabe

Hingabe

das Gefühl

nicht verstanden zu werden
und dann alles einzubringen
alles in die Waagschale legen

um zu zeigen:

das bin ich
das ist es mir wert

ich gebe mich hin

Zwischen den Welten

Manchmal fällt die Zeit zwischen die Ritzen
in Zügen verliert sie sich besonders gern
Sie quillt über aus den Abfallbehältern
setzt sich in den Mantelfurchen fest
saugt sich mit Langeweile voll
bis sie durch die Sitze trieft

Zwischen den Welten
wird die Zeit geknuddelt
und wieder aufgebügelt
Zwischen den Welten
ist Achtsamkeit gefragt
verletzlich lebt es sich
Zwischen den Welten

Was macht den Menschen aus

Menschen. Was macht den Menschen aus? Wenn ich nach Frieden rufe, rufen die anderen: So ist er halt der Mensch. Ein gefährliches Raubtier. Stimmt das? Ist der Mensch ein Raubtier? Nein, er ist kein Raubtier. Er ist ein soziales Wesen. Ein soziales, relativ schwaches Wesen, das nur in der Gruppe überleben kann. Da kommt der Mensch her. Dass er als Gattung relativ erfolgreich sei, sagen einige Menschen. Aber das verstehe ich nicht: Woran sollte man diesen Erfolg messen? An der Anzahl der Menschen? Ich nehme an, es gibt mehr Ameisen auf der Welt. An seinem Alter? Nun, das wissen wir alle: So alt ist der Mensch nicht. An seiner Intelligenz? Was soll intelligent an einem Wesen sein, das sich seine Lebensgrundlage selbst zerstört? Ich kann darin keine Intelligenz erblicken. Gut, man kann irgendwelche Meßgrößen erfinden – und man hat das ja auch getan – in denen der Mensch gut abschneidet, die nimmt man dann als Erfolgsgrößen und dann stimmt das ganze. Ein Trick, den kein unabhängiger Gutachter durchgehen lassen würde, wenn es um eine objektive Beurteilung ginge.
Aber der Mensch hat die Macht, seine eigenen Werte zu bestimmen. Ah, da wären wir beim Thema: Macht. Der Mensch hat die Macht seine Lebensgrundlage selbst zu zerstören und die der ganzen Natur gleich mit. Der ganzen Natur? Das wäre jetzt doch etwas übertrieben. Der Mensch hat die Macht, die Welt aus dem Gleichgewicht zubringen und die Natur hat die Macht, sich ein neues Gleichgewicht zu suchen. Mit oder ohne Menschen, das ist der Natur egal.

Aber ich bin vom Thema abgekommen. Das Thema ist die Gewalt. Die menschliche Gewalt. Liegt wirklich so viel Gewalt im Menschen? Gewalt, die der Mensch gegen Menschen richtet? Also noch mal zurück. Wo kommt der Mensch her? Der Mensch ist ein körperlich schwaches, aber findiges Wesen, das nur in der Gruppe überleben kann. Nichts seltenes im Tierreich. Da gibt es viele Tierarten, die als Herde, Rudel oder wie die Gruppen alle heißen, überleben. Es gibt auch viele, die Rangordnungen ausbilden. Aber keine, die so komplizierte soziale Beziehungen untereinander ausbilden. Die längste Zeit waren die Menschengruppen vom Aussterben bedroht. Es gab immer nur wenige Menschen, die Entfernungen zwischen den Gruppen waren sehr groß, die Gruppen relativ klein. Die Überlebenschancen für die Kinder waren dramatisch schlecht. Jedes Mitglied der Gruppe war daher wichtig. Jedes einzelne noch so schwache Mitglied war wichtig. Die jungen, weil sie die Zukunft bedeuteten, die Alten, weil sie sich erinnern konnten. Selbst die fremden Menschengruppen waren wichtig, weil sie Austausch bedeuteten. Austausch von Informationen, Werkzeugen oder Menschen.
Ich gehe nicht so weit, dass ich sage, dass der Mensch keine gewalttägigen Neigungen in sich hat. Nein, denn er hat z.B. eine ausgeprägte Angst vor Fremden, die oft zu Gewalt führt. Eine tiefsitzende Angst vor fremden Menschen. Der fremde Mensch konnte auch immer einer sein, der einem etwas wegnehmen konnte, oder etwas antun konnte. Aber das ist nur eine von vielen tausend Emotionen zu der der Mensch fähig ist. Viel wichtiger für das Überleben der Menschen war die Fähigkeit, wirklich jeden in der Gruppe einzubinden. Für Zusammenhalt in der Gruppe zu sorgen. Für ein Gleichgewicht.

Es ist eine Crux, dass so viele Menschen an das Märchen vom „Raubtier Mensch“ glauben. Denn das hält davon ab, sich auf den Weg zu machen und die Friedfertigkeit zu fordern. Frieden anzustreben. Frieden und Gewaltfreiheit. Dem Menschen ist die Fähigkeit zum abstrakten Denken gegeben. Das heißt, er kann ein Ziel anstreben, das er noch nicht erlebt hat. Er kann sich etwas vorstellen: Er kann sich vorstellen wie es wäre, wenn Gewalt tatsächlich geächtet würde zwischen den Menschen.

Herbst

Herbstlicher LahnblickHerbstlicher Lahnblick

Blick auf den StegBlick auf den Steg

Herbstliches SchlossHerbstliches Schloss