Journal17012021

Jetzt ist es soweit. Ich somatisiere die Pandemie mit Bauchschmerzen.
Hat ja lange gedauert. Das Heizkissen soll gegenwirken.

Bin ins Tal der Tränen abgebogen. Mein Körper trauert. Zuviel Abschied mit Abstand.

Der Körper weiß schneller was Sache ist, als Kopf und Verstand.

Was wird werden? Was wird sein?

Journal15012021

Ich werde innerlich ungeduldig. Hab keine Lust mehr, die ernst zu nehmen, die mich nicht ernst nehmen.

Wäre aber ein Fehler. Menschen zu unterschätzen ist immer ein Fehler.

In Deutschland gab es seit heute mehr als zwei Millionen Infektionen mit SARS COV2. Die Impfungen kommen nicht so voran, weil jetzt erst mal weniger produziert wird, damit später mehr produziert werden kann.

Gestern ist Blut geflossen. Und Tränen innen und außen. Das wird schon? Nein, leider nicht. Aber eine gute Lösung scheint es nicht zu geben. Nicht in dieser Welt.

Journal12012021

Gestern rätselte ich noch, wie ich mich fühle. Heute ist meine Gefühlswelt platt gedrückt. Oder eingefroren. Oder abhanden gekommen.

Bin müde und leer

und kann nicht ans Meer.

Gefühlsbeschreibung bezüglich Pandemie unter Zuhilfenahme von Liedermachertexten.

Es wird spannend werden. Vielversprechend gehen einige brandneue Virusvarianten mit Spezialkompetenzen auf dem Gebiet der schnellen Ansteckung und eine Impfkampange mit Impfdosenmangelerscheinung ins Rennen.

Wer wird gewinnen?

Ich hab schon eine klitzekleine Ahnung, wer auf der Verliererseite stehen könnte.

Journal11012021

Blau. Der Himmel ist blau. Corona-Himmel hieß er im März und im April 2019. Zum ersten Mal Minusgrade auf dem Weg ins Büro.

Ich kann gar nicht beschreiben wie ich mich genau fühle. Kaum nehme ich ein Gefühl wahr, wechselt es schon Farbe und Temperament. Die ganze Spannbreite nütze ich in dieser Hinsicht aus. Eine halbe Million Menschen sind in Deutschland schon geimpft. Nur – sagen die anderen. Aber was haben die für ein Tempo erwartet?

Wir haben Glück, wir haben Pech, wir sind ausgeliefert, wir tragen die Katastrophe in unserem Herzen weiter. Rechts und links von uns sind die Missstände noch größer. Aber ich mag nicht damit anfangen, das als Maßstab zu nehmen.

Zwischendurch erfasst mich mein Optimismus und dann sehe ich die sonnigen, freundlichen Tage vor mir.

Journal09012021

Januar 2021

Die Pandemie geht in die zweite Runde und wird mit uns Schlitten fahren. Die Politik verweigert ihre Arbeit und weiß hinterher das, was immer schon vorher klar ist. Die mutierte Variante des Virus wird wie eine neue Pandemie wirken. Das tut sie jetzt schon.

In sechs Wochen werden sie wieder sagen, dass niemand habe wissen können, wie schrecklich die Ausbreitung der neuen Variante des Virus wütet.

Meine Verzweiflung ist größer als meine Wut.

Auf Twitter las ich bei einer Pflegekraft: „Es ist wie bei den Windpocken. Hat sie einer, haben sie alle.“

Im Januar und Februar 2020 hatte ich große Angst vor dem Ausbruch der Pandemie.

Jetzt im Januar 2021 ist die Angst noch viel größer, weil sich das Ausmaß der Inkompetenz der Politik nicht mehr klein reden lässt.

Journal07012021

Überraschung darüber, dass der Brandstifter ein Feuer legt. Noch mehr Überraschung darüber, wie wackelig das Gebäude Demokratie plötzlich ist, wenn drinnen einer sitzt, der die Demokratie verhöhnt.

Plötzlich bricht einer den Pakt und die anderen drehen sich ziellos im Kreise.

Nichts ist sicher. Nichts ist vertraut.

Journal06012021

Tag x vor Frühlingsanfang. Gestern gab es einen 45minütigen Meisentanz auf meinem Balkon. Sie flirten, sie raufen, sie necken sich und stürzen gemeinsam in die Höhe, in die Tiefe. Sieht nach sehr viel Spaß und Übermut aus.

Das Reallife nimmt in der Pandemie erkennbar die Score-Kultur der Spiele auf. Wir zählen die Infektionen, die Toten, die Klinikbetten. Die Logistik der Impfdosen wird beobachtet, die Impfraten werden verglichen und es breitet sich Unmut aus, wenn die Spieler*innen merken, dass sie nicht schnell genug in die nächste Impfkategorie gelangen.

Die Corona-Warn-App hat schon länger die Kontakt-Tagebuch-Erweiterung und ich bemerkte es nicht, weil ich nicht runterscrollte.

Nun ja, die letzten drei Wochen hätte ich auch nichts eintragen müssen. Aber jetzt wird es arbeitsbedingt wieder bewegter. (Minimal bewegter.)

Wie wird mein Immunsystem wohl reagieren, wenn die Kontaktbeschränkungen zu Ende sind und die Viren wieder fröhlich ihrem Austausch frönen?

Bildbeschreibung : Claudia mit roter Mütze, roter Brille, Schal und FFP2-Maske als Selfie auf dem Bornheimer Markt

Journal04012021

Tief durchatmen und weitergehen.

Das wird mein Motto sein für die nächsten Tage.

Journal03012021

Die stillen Tage ziehen vorbei. Der Alltagslärm kündigt sich durch die Timeline an. Es werden harte Tage werden. Schrill und laut schreit sich der Zeitgeist durch das Pandemiejahr. Eine Gesellschaft mit Panikattacken.

Mit der berüchtigten Unfähigkeit zu Trauern und dem Laster der Besserwisserei.

(Ich hab Kraft getankt, wieviel wird die nächste Arbeitswoche zeigen.)

Journal02012021

Die Gemütsschaukel pendelt mit mir zwischen den Gefühlshöhepunkten hin und her. Die Feiertage haben mich in ein Null-Kontakt-Risiko-Glück eingesponnen. Große Ruhe, tiefe Friedfertigkeit und ganz viel Liebe im Überfluss.

Die Twitter-Timeline tut mir im Moment nicht gut. Andere Medien auch nicht. Gut tut mir, dass keine mir nahestehenden Menschen, in die Welt der Corona-Kriminellen abgewandert sind. Denn das wären auch schmerzliche Verluste.

Mittendrin geht es mir am Besten, wenn ich Augen und Ohren verschließe. Ich bin dann glücklich in diesen Tagen.

In meiner kleinen Welt.