Heute wieder das Abenteuer Bahn hart am Limit erlebt. Große Enttäuschung meinerseits, dass es mir nicht gelingt, die ewig gleichen Szenarien mit mehr Gelassenheit zu ertragen. Das Trauerspiel ist jeweils absehbar und dennoch zum Verzweifeln. Und kein Ende in Sicht.
Vor 16 Jahren zeigte mein Außenthermometer Minus 15 Grad an. Heute schmolz das Wintermärchenland dahin. Auch die großen Schneemenschen, die die Kinder aus unserem Gelände herzallerliebst zusammentrugen. Alles dahin geflossen. Vergangen wie die Lebenszeit, die hinter mir liegt.
„Eine Freundschaft zu halten ist ungefähr das Schwerste, was es auf der Welt gibt, sie bedarf einer sorgfältigen Pflege, sonst verblasst allmählich aller Glanz, alle Wärme vergeht, und was bleibt, ist Erinnerung. Im besten Fall. Selbst die kann verblassen.“
Ich habe auch gelebt – Briefe einer Freundschaft
Astrid Lindgren – Louise Hartung
Zum Einschlafen den Briefwechsel zweier Frauen im Ohr. Mit das Beste, das es gibt, um der Welt am nächsten Tag wieder mit Energie die Stirn bieten zu können. Als Kraftresource sind Freundschaften unterschätzt. Um so wichtiger ist es, sie zu pflegen. Das gilt auch für Schwesterschaften.
Im „Hier und Jetzt“ zu leben wird überschätzt. Eindeutig. So verlockend sich dieser Vorschlag anhört, er eignet sich vor allem für den Sprüchekalender, den Notfalleinsatzplan und die Meditationsstunde zwischen Tür und Angel.
Wer ausschließlich im „Hier und Jetzt“ lebt, verpasst etwas. Stehen uns nicht tausend Traum- und Fantasiewelten offen? Ist es nicht ein leiser Luxus, sich ab und zu in Erinnerungen zu verlieren, ihnen nachzuspüren wie alten Wegen? Sich Traumschlösser zu bauen, sie mit Hingabe wieder abzureißen und aus dem gleichen Material neue zu errichten? Macht es nicht gerade deshalb so viel Freude, sich in der Literatur, im Museum oder im Konzert zeitweilig zu verlieren, um verändert zurückzukehren? Für einen Moment jemand anderes zu sein, oder mehr man selbst?
So viele Welten.
So viele Wirklichkeiten.
So viele Träume.
Und vielleicht besteht die Kunst nicht darin, immer im „Hier und Jetzt“ zu verharren, sondern darin, beweglich zu bleiben: verwurzelt und fließend zugleich.
Der Himmel trägt winterblau. Die Luft ist klar und frostig. Januartage wie aus dem Bilderbuch. Im Morgengrauen laufe ich los zum Training. Rund um die Uhr finden sich im Sportcenter Menschen ein, um sich auf die seltsamsten Arten und Weisen zu bewegen. Wenn ich auf dem Crosstrainer stehe und mich im Studio umsehe, kommt mir der Gedanke: Was wäre, wenn eine spätere Generation in 1000 Jahren die Überreste von Fitnessstudios ausgraben würde? Ob sie die Geräte wohl für Kultgegenstände halten würden? So viele, an so vielen Orten in der Stadt. Was sie sich da wohl für Gedanken machen würden?
Wir machen uns ja immer Gedanken, über das was war und das was kommt. Allerdings sind wir erstaunlich unflexibel darin, immer gehen wir von dem aus, was wir kennen und mögen und bleiben da gerne.