Ab und zu bloggt Wolfgang Herrndorf –
Wenn ich bei der Arbeit in Gedanken von meinem Rechner aufschaue, bin ich immer geneigt, die Wolkenbank am Horizont für einen Tsunami zu halten. Heute über Nacht hat eine Flutwelle den Holzsteg, der dreißig, vierzig Meter über den Strand führt, abgerissen und weggeschwemmt. Es ist Vollmond. Einmal täglich spült eine große Welle die Sonnenbadenden zur Seite.
In der Nacht kitzelt der Vollmond durch die Ritzen des Rollladens meine Nase. Schlafen unter einem Scheinwerfer. Am Morgen schaue ich ins sonntägliche Bilderbuchwetter-Himmelblau. Unwirklich kommt mir das vor. Aber ja: der Frühling kommt. Er macht sich bereit, er lässt sich nicht vom Irrsinn der Welt vertreiben. Noch nicht, sollte ich vielleicht dazu schreiben und bin froh, dass ich meinen Pessimismus wieder gefunden habe. Mein Pessimismus ist mein Schutzpatron. Ich glaube fest daran, dass es nie schlimmer kommen kann als ich es mir ausmale, auch wenn mich jeder Tag vom Gegenteil überzeugt.
In den morgendlichen Nachrichten fällt ein Schatten auf den Kampf gegen den Super-GAU, es ist der Tod des Eisbär-Superstars Knut. Die Menschen sind weltweit betroffen von beiden Ereignissen. Nur wie es weitergeht mit der Kühlung erfahren wir nicht und auch nicht, dass es nur noch darum geht, die Ausmaße der Katastrophe möglichst kein zu halten.
Aber zu Libyen haben alle noch was zu sagen. Schön dass endlich wieder Kampfjets fliegen, man könnte sonst denken, kein Mensch braucht die. Aber nein: die nächste Runde um das Tauziehen Öl-Öl-Öl ist eröffnet.
Ich sehe zum Fenster raus. Es ist herrliches Wetter draußen. Ein Reisetag. Wunderbar geeignet um im Zug durch das Land zu reisen. Die Tasche gepackt, mit Proviant dieses Mal. Der Alltag kann kommen. Eigentlich zählt doch immer nur der Alltag, ein anderes Leben haben wir nicht.
Jeder Tag ist ein Lebenstag – selbst wenn es der letzte ist.
Claudia März 20th,2011
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die Finger ziehen Kreise
des Füllers Schattenspitze
teilt die Kästchen ein
es schweigt sich schwer
mit vollem Kopf
unterstreich das Schweigen
mit scharfen Fingernägel
sie ritzen ein
was hier nicht
stehen darf
So eine Unverschämtheit! So sind sie, die deutschen Wutbürger. Ihr Wut geht soweit, dass sie von ihren Nachbarn Statements zur Sicherheit verlangen. Na so was! Warum klappt in Deutschland, das mit der nuklearen PR nicht so gut wie im Nachbarland? Dort schlafen alle entspannt auf ihrem energetischen Ruhekissen Kernenergie:
Und hierzulande herrscht German Atom-Angst
Die Presse heizt diese Panik kräftig an – bis hin zu zweifelhaften außenpolitischen Statements. So gibt es hiesige Berichterstatter, die von der Bundesregierung ernsthaft fordern, ein Gutachten über die Sicherheit des französischen Atommeilers in Fessenheim nahe der deutschen Grenze zu beantragen.
Ich freue mich drauf!
http://re-publica.de/11/blog/panel/blogger-im-gespr%C3%A4ch/
Und es ist quasi eine doppelte Premiere – das erste Mal auf der Re:publica für mich und dann wird „mein“ Panel für mich in Gebärdensprache gedolmetscht, was für die Zuschauer bedeuten wird, dass sie nicht nur mich sehen werden, sondern vielleicht auch zum ersten Mal in ihrem Leben Gebärdensprachverdolmetschung auf einer großen Veranstaltung erleben werden.
Julia ist bekannt für ihren Lippen-Ableseservice bei Fussballspielen über Twitter. Es ist toll, dass sie sich für eine Teilnahme bei der republica entschieden hat.
Da läuft sie dahin die Woche. Die Woche des nuklearen Weltuntergangs. Die Woche, der revolutionär Kämpfenden. Die Woche des Hamsterrads.
Das läuft und läuft und läuft. Vielleicht wird es noch weiterlaufen, wenn die Welt schon untergegangen ist. Kein virtuelles, nein ein materielles Hamsterrad. Die Realität entfernt sich vom Empfinden. Sie entwickelt eine Selbstständigkeit, die unheimlich ist. Die Realität scheint mir in den letzten Tagen: instabil, eine Option, die niemand wählen mag.
Die Realität wird überbewertet, Träume an die Macht.
Claudia März 18th,2011
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„Man sagt, ein gutorganisierter Mensch fühle sich auch in der Hölle wohl.“ – Angela Krauß gibt es jetzt auch bei den Frauenzitaten.
In Fakten kann der Mensch nicht wurzeln – das ist auch ein wunderschönes Zitat von ihr.
Highlight des heutigen Tages: Veräppelt worden.
Kräftig veräppelt. Heutzutage geht das per Automat. z.B. mit diesem.
zwischen zwei Gesten
steht das lebendige Leben
sprüht Funken vor Glück
„Das Gedicht ändert sich, wenn es sich mit dem Ich des Lesers füllt.“ Hilde Domin
Mit dem Ich der Leserin sicher auch.
Kling schlimm! Wie kommts, dass du die Stimmungen als "fremd" erlebst? Ich betrachte alle Stimmungen als eigene und suche entweder…