Zeichen

Auf der Insel wird gemalt und gelebt. Gelebt und geschaut – und manchmal werden auch Zeichen gesetzt.Zeichen

Zwischen den Welten

Manchmal fällt die Zeit zwischen die Ritzen
in Zügen verliert sie sich besonders gern
Sie quillt über aus den Abfallbehältern
setzt sich in den Mantelfurchen fest
saugt sich mit Langeweile voll
bis sie durch die Sitze trieft

Zwischen den Welten
wird die Zeit geknuddelt
und wieder aufgebügelt
Zwischen den Welten
ist Achtsamkeit gefragt
verletzlich lebt es sich
Zwischen den Welten


Ressourcen

Mit Ressourcen – so heißt es ständig – mit Ressourcen muss mensch haushalten. Sie effektiv und effinzient einsetzen. Nur so werden sie optimal ausgenutzt. Denn das ist es was mensch damit macht: Ressourcen werden genutzt. Benutzt.
Auch der Mensch – in diesem Fall groß geschrieben – ist eine Ressource. Nicht nur in der Arbeit, aber vor allem dort. Der Mensch wird eingeplant: Als Ressource, als Risiko, als Kostenfaktor, als Kapital.
Das Menschenleben ist vielfältig geworden. So viele Facetten! So weit sind wir gekommen.

Ich versuche ständig mit meinen Ressourcen zu haushalten. So weit bin ich Kind dieser Gesellschaft, sozialisiert in einer Gesellschaft, die immer nach dem Wert fragt, die für alles Klassifizierungen findet.
Auf meine Art laufe ich immer hoch am Limit, das lässt sich nicht leugnen, auch wenn ich noch so oft einen Inspektionstermin einlege (mache ich das wirklich?) und auch wenn ich tausend Mal die Notwendigkeit der Ruhezeiten und Entspannungsphasen erwähne. Es käme mir wie eine Verfehlung vor, wenn ich nicht richtig aus mich aufgepasst hätte, wenn der Motor plötzlich heiß laufen würde, weil ich die Ruhezeiten nicht eingehalten habe.
Trotzdem ahne ich doch, dass ich immer das Unmögliche will: Ich mache das mal. Ruhig und unaufgeregt. Da ist noch ein Stückchen vom Ressourcenkuchen übrig, das kann ich mir doch auf mein Tellerchen legen?
Wiegt ja nicht schwer – und glücklich macht es mich auch.
Oder nicht?

ausgehaucht

heute
und nicht nur heute
atmet es sich schwer
leichter wäre es
wenn die Luft dünner wäre
hauchzart
hauchfein

ein Hauch von Leben
ausgehaucht

Lückenfüller

An dieser Stelle sollte ein Gedicht stehen. Eigentlich. Aber wie ihr lesen könnt steht hier kein Gedicht. Vielleicht seid ihr erleichtert. Das sehe ich euch nach. Gedichte sind nicht jedermensch Sache – und die Gedichte von mir, nun ja, sie müssen euch nicht gefallen, nur weil ihr ab und an ihr der Sammelmappe lest.
Aber die Sammelmappe ist für mich der Platz für meine Gedichte. Da gehören sie hin, das ist der Raum den ich ihnen gebe.
An dieser Stelle sollte ein Gedicht stehen. Eigentlich.
Aber manchmal zensiert die Frau auch sich selbst. Eigenmächtig – aus Rücksichtnahme. Nein, das Gedicht war nicht skandalös, das hätte die Sammelmappe ertragen.
Zu düster war es.
Ausgehaucht. Vielleicht blogge ich es die nächsten Tage. Vielleicht.

Der 8. Mai

Der Tag an dem mir immer so komisch zumute ist. Der Bembel erinnert dran. Ein Tag der Freude, ein Tag der Trauer. Endlich und doch so spät ging der Nazi-Wahnsinn zu Ende. Was Menschen Menschen antun können. Sie haben nichts ausgelassen. Alles was vorstellbar war und noch ein paar ganz unvorstellbare Sachen gleich mit.

Missbrauchsvorwürfe

wiegen schwer und können großen Schaden anrichten, wenn sie ungerechtfertigt sind. Aber Schaden richtet vor allem auch der Missbrauch an. Missbrauchvorwürfe müssen aufgeklärt werden, so gut es geht.

Wenn die anklagende Frau beschrieben wird, als Frau, „die sich seit einem halben Jahrhundert jammernd und zeternd über ihr Leben beklagt“ – dann klingt das verdammt nach der Beschreibung einer missbrauchten Frau – Aber gemeint war es anders von Bettina Rühl.
In ihrem Interview schadet sie ihrem Image als Journalistin, obwohl sie das anderen vorwirft. Sie klingt wie ein kleines Kind. Ein Mädchen – verraten und verkauft von ihrer Mutter, der Welt und der Geschichte.

Wenn du so bist wie dein Lachen

Während ich hier auf dem fremden Planeten sitze und die Zeit und mein Gemüt anstarre, lindere ich die Empfindungslosigkeit mit melancholischer Musikberieselung. Da mein musikalisches Themenspektrum eng gesetzt ist, verliere ich mich dabei in den Liedern, die aus dem Radio erklangen, als ich ein Kind oder ein Mädchen war. Auch damals gingen die Schirme schon mit mir spazieren; allerdings rächte ich mich, indem ich sie in jeder Straßenbahn achtlos liegen lies.
Aus dieser Zeit stammt auch die Schnulze über das Lächeln, nein das Lachen. Über das Lachen, das die Liebe verspricht. Die Liebe und die Zärtlichkeit. Wenn du so bist wie dein Lachen
Möchte ich dich wiedersehn
Krumme Dinger mit dir machen
Streiten über tausen Sachen
Mit dir schwimmen nach Athen


Gefährlich, gefährlich. Sind diese Lieder. Ich habe alles geglaubt. Jedes Wort und wäre auch mit untergegangen. Einfach weil es so schön ins Lied gepasst hätte. Nur so konnte ich mir die Liebe vorstellen. Nur so das Leben.

Wenn du so bist wie dein Lachen,
Möchte ich dich wiedersehn,
Tolle Wetten mit dir machen,
Mit dir weinen über Sachen,
Sogar mit dir untergehn,
Sogar mit dir untergehn.

Tage wie dieser

An Tagen wie diesem geht mein Schirm mit mir spazieren. Der Schirm scheint entschlossener und zielstrebiger zu sein als ich. Wahrscheinlich wundert er sich, dass er so ein unnützes Anhängels braucht und insgeheim macht er bestimmt Pläne, wie er mich los werden kann. Er respektiert mich einfach nicht. Meint er könne einfach so mit dem Wind mitfliegen ohne sich die Drahtknochen zu brechen. Soll er doch. Er kann ruhig ohne mich gehen. Er hält mich eh nie richtig trocken – und sein leuchtendes Pink sieht auch aus der Ferne gut aus.

wie ein wärmendes Innenfutter

Ein Mensch wie ein wärmendes Innenfutter eines Mantels – ich betrachte das als Kompliment. Warum nicht? Innerlich ist bestimmt richtig, wärmend wäre schön, weich nicht minder. Eine schöne Beschreibung.