habe ich gedacht, dass Christa Wolf gestorben sei. Aber sie hat ihr Buch vorgestellt. Fragmente. Ich nehme nur noch Fragmente aus den Nachrichten wahr. Warum sollte ich sie auch ernst nehmen? Sie nehmen mich ja auch nicht ernst. Nicht mich und nicht die anderen Wahrnehmenden. Sie interessieren sich nur für die Konsumenten. Ist ihr gutes Recht.
Auch wenn ich nur noch fragmentarische Blitzlichter wahrnehme: Nachrichten nehme ich doch ernst. Im Notfall hieß es: Radio oder Fernsehen anschalten und die Weisungen und Informationen befolgen, falls sie nicht durch Lautsprecher in den Straßen ertönen. Das hat nie jemand ernst genommen. Heute würde es vielleicht heißen, dass die Information über Twitter käme. Auch eine Möglichkeit.
Aber damals, damals haben wir genau die Zeit gekannt, die die Mittelstreckenraketen brauchen um uns zu erreichen. Da bedurfte es keiner Weisungen mehr.
Wenn die Sonne erlöscht, dann bleiben noch 7 Minuten.
Das war so lange beruhigend zu wissen, bis ich die Sonnenfinsternis 1999 erlebte.
Ablästern ist Volkssport geworden. Im Büro, im Web 2.0, in den Medien. Überall dort, wo Menschen sind wird abgelästert. Der Spaß am Klatsch und Trasch scheint im menschlichen Gen-Code festgeschrieben zu sein. Manchmal verkleidet sich das Ablästern mit dem Mäntelchen der Kritik. Da wird unter der Gürtellinie abgelästert und die offizielle Verlautbarung spricht von ehrlicher Kritik bzw. kritischer Meinungskundgebung.
Da mischt sich ganz schön was zusammen. Ich bin nicht gefeit von dieser Versuchung. Wie heißt es so schön: Pflege deine Feinde. Feinde im klassischen Sinn, habe ich nicht. Aber ich habe so manche Abläster-Quelle. Arrogante Schnösel. Hach, was kann ich über die ablästern.
Geizhälze! Ganz, ganz schlimm. Oder oberflächliche Menschen. Stundenlang könnte ich darüber ablästern.
So kann man doch nicht sein! Unmöglich.
In den letzten Jahren bin ich etwas kleinlauter geworden. Seit ich das Prinzip der Projektionen verstanden habe. Seitdem kommt ab und an der Gedanke in mir hoch: Warum lästere ich jetzt ausgerechnet über diese Frau ab? Oder warum bringt mich dieser Mann auf die Palme?
Dieser Spiegel gefällt mir dann nicht immer. Dann werde ich wieder leise.
Gerne gebe ich es nicht zu: aber ich war heute sehr überrascht, dass auf meinem Fernseher Fußball lief.
Nur für einen Augenblick, ich gebe es zu. Nur für einen Augenblick. Aber auf meinem Fernseher! Da lief Fußball!
Nicht dass ich nicht wüsste, dass Fußball-WM ist. Nein, selbstverständlich weiß ich das. Ihr twittert ja auch was das Zeug hält: in allen Farben, Streifen, Sternen.
Diese WM lehrt mich das Zen of Twitter. Ihr seid ein Inferno! #machtweiterdamit twittert mykke_
Hab ich selbstverständlich gleich gefavt.
Also klar ist, ich weiß: dass die WM stattfindet – trotzdem bin ich irritiert, über den Fussball auf meinem Fernseher.
Was will mir mein Unterbewusstsein damit sagen?
Wenn ich den Fussball nur lange genug ignoriere, dann findet er nicht auf meinem Fernseher statt?
Es reicht, wenn die Deutschen einmal gewinnen? (In der Vergangenheit war es öfter mal ein Glück für die Menschheit, wenn sie nicht gewonnen haben?)
Wer träumt, schwebt in den Wolken, aber der Fernseher steht trotzdem auf dem Boden der Tatsachen?
Vielleicht sollte ich einen Roman schreiben, über die Macht und die Ohnmacht der Gedanken? Besonders die der ignorierenden?
Wie auch immer. Am besten hat mir heute Morgen der kleine Junge – mit Migrationshintergrund (so sagt mensch wohl heutzutage) – gefallen. Ganz in eine deutsche Fahne gewickelt flüsterte er leise: Ole, ole, ole – we are the – ole, ole, ole
Aha, dachte ich mir: Ein Leisetreter. Ist bestimmt mit mir verwandt. So mit den Genen und so.
Eine Quote mit Reißverschlussprinzip kannte ich noch nicht. Dabei wird bei der Benennung von Personen solange zwischen Mann und Frau abgewechselt bis die vereinbarte Quote erreicht ist.
Vor ein paar Tagen habe ich darüber nachgedacht, ob es manchmal nicht sinnvoll wäre auch über das Thema Personalrat zu bloggen. Obwohl ein großer Teil der Personalratsarbeit vertraulich ist, gibt es doch auch einen Anteil, den ich öffentlich machen könnte. Nicht zuletzt, die wenigen Informationsquellen, die es im Netz dazu gibt.
Personalräte und Gewerkschaften sind nicht unbedingt die Vorreiter im Netz. Aber es gibt einige Themen, die Personalratsmitglieder interessieren.
Nun ja, ich habe hin und her gedacht und ein Personalrat-Blog auf gemacht. Ob das voreilig war? Ob ich genug Inhalte zusammen bekomme?
Die Zeit wird es mir zeigen. Es ist ein Versuch.
Wenn ihr Ideen und Anmerkungen habt: sie sind herzlich Willkommen!
Der Gesetzentwurf ist hochbrisant. Zum dritten Mal liegt dem US-Senat ein Antrag vor, der Präsident Obama im Krisenfall faktisch zum Kommandeur über Amerikas Kommunikations-Infrastruktur machen würde – diesmal mit Aussicht auf Erfolg. Bürgerrechtler sind empört.
Damit hätte Obama den Notfall-Ausschalter fürs Internet.
Ein Blick, ein Wort, eine Geste… und dann? Die Mädchenmannschaft macht auf die Aktion One Step Too Far aufmerksam. In Wales startet gerade eine neue Kampagne gegen Gewalt gegen Frauen: One Step Too Far. Wie die BBC berichtet, ist das Ziel dabei, bereits vermeintlich harmlose Belästigungen anzugehen.
Nadine vom Missy Magazine greift das Thema auf: Nein, Männer sind nicht die Bösen in diesem widerwärtigen Spielchen und Frauen nicht per se Opfer. Das Hauptproblem von Sexismus sehe ich immer noch in der Internalisierung und Bagatellisierung von Sexismus auf beiden Seiten.
Das Piratenweib spinnt das Netz weiter. Ob die Aktion eine solche Veränderung im Verhalten bewirken kann, oder ob sie nur von denen verstanden und akzeptiert wird, die sich sowieso schon Gedanken über diese Themen machen, sei mal dahin gestellt. Interessant und neu ist für mich dabei, dass eben nicht Frauen dafür verantwortlich gemacht werden, dass sie “blöd angemacht” werden, sondern der Ball hier zu den Tätern zurückgespielt wird.
Und ich schließe mich der Fragestellung an. “To you it’s nothing – but it all adds up”. Wer startet diese Kampagne nun in Deutschland?
Ab und an habe ich früher gedacht, so unbeschwert müsste man twittern können. (und denten und und und) Den Beruf nach außen bringen, sich öffnen und Kontaktstellen anbieten. Aber andererseits bleibt dann eben auch nur der Beruf. Wie auch immer: Ich dachte Christian Spannagel macht das super. Aber wie er das alles so getrennt hält war mir ein Rätsel. Männer, dachte ich mir. Die können das: ohne Probleme in getrennten Welten leben.
(Mann möge mir verzeihen. Manchmal glaube ich wirklich, dass es die beiden entfernten Planeten für gibt.)
Das ist nicht das Alter, das ist der ÖRR, der es nicht nötig hat, zeitgemäßen Komfort zu bieten. Ich hätte…