Wir sind mit ca. 4000 aktive Fälle in unsere Beschränkungen hineingetrudelt und konnten sie nicht nachvollziehen und isolieren. Wie soll das jetzt auf dem Niveau von fast 70.000 klappen. Alle Länder, die es ohne Ausgangsbeschränkungen schaffen, bewegen sich auf einem vollkommen anderen Infektionsniveau.
Im Laufe des Tages wir das Papier der Leopoldina bekannt. Woraufhin ihr Server zusammengekracht.
Ein Hinweis auf ihre Kompetenzen? Oder eher so: Der erste Eindruck trügt?
Es ist ein komplizierter Plan und wieder wird klar: Ohne Maskenpflicht, Desinfektionsmittel und Tests geht gar nichts.
Ich muss morgen schon wieder ins Büro. Ich darf ins Büro muss ich vielleicht jetzt bald schreiben, während andere ihren finanziellen Boden verlieren. Nichts davon ist gut.
Wir hätten besser vorbereitet sein können. Viel besser. Das ist eine Katastrophe mit Ansage und viel Vorlauf. Bei jeder Warnung wurde weggeschaut und weggehört.
Wem wird heute zugehört?
Zahlen des Tages: 128.092 und 3.038, ca. 65.000 Genesene
Sie brüllen wie die Löwen und rütteln an den Gittern. Wenn sie vor vier Wochen das Sagen gehabt hätten, wäre es uns ergangen, wie den Ländern um uns herum. Als wenn das eine Frage des entweder oder wäre! Wenn wir jetzt Fehler machen dann haben wir beides: eine medizinische Katastrophe und noch schlimmere wirtschaftliche Probleme.
Wir brauchen eine kluge Strategie. Ausgeklügelt und abgestimmt. Und voralllem brauchen wir Masken, Masken, Masken und Tests, Tests, Test.
Gänsepaar im Ostpark mit drei Jungen
Ostersonntag. Eine Stunde Rundlauf heute morgen. Ein bisschen auf dem Balkon gewippt. Immer noch große Freude über den Schaukelstuhl und dass er noch vor den Feiertagen ankam.
Gehäkelt. Gelesen. Endlich klappt es wieder ein bisschen mit dem Lesen. Gegessen. Zum Nachtisch ein Eis. Die Tage vergehen rasend schnell. Ich möchte sie festhalten. Sie anhalten. Aber den Zauberspruch dafür kenne ich nicht.
Ob ich jemals wieder den Weg raus aus dem Kokon finde?
Die Morgensonne ist ein Traum, der Mittag verfliegt im Nu und Abends ist es in der Höhle am Schönsten. Gestern große, große Angst, dass all das Gewonnene durch Ungeduld versiebt wird. Fast verzweifelt, heute Gleichgültigkeit an dieser Stelle.
Alles wird gut.
Frohe Ostern!
Zahlen des Tages: 123.878 und 2.736, sowie 53.918 Genesene und 67.229 Aktive.
Eine Vergangenheit der kontaktreichen Beziehungslosigkeit.
Ich fühle mich nicht mitgemeint.
Weide am Teich im Ostpark im Hintergrund eine Gans
Am frühen Vormittag doch die Möglichkeit eine Runde durch den Ostpark zu laufen. Zwischen den Joggern gerade noch so Platz für uns. Den Rest des Vormittags auf dem Balkon verbracht. Wohin der Nachmittag verschwunden ist, kann ich nicht sagen. Er hat sich aufgelöst, verschwunden in eine andere Welt.
Zahlen des Tages: 119.401 und 2607, sowie 52.407 Genesene und 64.387 aktive Fälle
Die Zahlen steigen nicht mehr so arg, aber sie steigen. Das Niveau ist immer noch hoch. Die Szenarien verdunkeln sich, das Wetter zeigt sich von seiner schönsten Seite. Bin heute wieder durch die Stadt gelaufen, geschützt mit der geschenkten Schutzmaske. Danke, liebe Maskennäherinnen. Danke, an alle, die ihre Lieben mit Masken versehen. Wir werden noch viele brauchen.
Briefkastenklappe mit der Aufschrift „Wünsche an das Universum“
Auch im Büro ist diese Ungeduld zu spüren. Wann geht es weiter? Wie geht es weiter? Vorschläge werden gemacht und wieder verworfen.
Eine seltsame Hektik. Gespenstisch.
Hab uns heute nochmal mit Leckerbissen eingedeckt. Ganz gegen den ursprünglichen Plan. Trost durch Essen scheint auch so eine kollektive Erfahrung zu sein. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Zusammenfassung meines heutigen Gemütszustand: Erschöpft.
Die Aussicht auf vier freie Tage tut gut. Wir werden nicht viel nach draußen können. Das ist das, was ich am meisten bedauere. Für uns ist zu wenig Platz zwischen all den Joggerinnen, Rädern und den Hundeleinen.
Drückt die Daumen, dass das gut ausgeht mit den Osterfeiertagen! Drückt ganz fest die Daumen!
Zahlen des Tages: 115.523 und 2451 Genesene 46.300 und 66.772 aktive Fälle.
Alle scharen mit den Hufen, wollen raus, raus, raus. Die Zahlen sind tückisch.
Hoffnung ist ein kostbares Gut. Ich freue mich auf die Feiertage, dann kann ich mich endlich einigeln und muss nicht mehr funktionieren. Muss nicht mehr die Fahne oben halten. Kann Ausatmen und mich in mein Schneckenhaus verkriechen.
Das wird notwendig sein. Die Arbeit vergiftet die letzten Winkel in den Stuben, dringt überall ein. Eine Infektion der anderen Art.
Protect me from what I want. Jenny Holzer
Zahlen des Tages: 106.739 und 1942, sowie 36.081 und noch 68.716 aktive Fälle. Ein hohes Niveau.
Sonntag. SonnenSonntag. Frühling. Wir gehen früh nach draußen, wir ahnen, dass wir später keine Chance mehr haben abstandshaltend durch die Straßen oder den Park zu laufen. Wir brauchen ebenerdige Wege, Steigungen sind ungeeignet und verursachen Schwierigkeiten, es bleiben also nur einige wenige Strecken für uns übrig.
Blick auf den Teich im Ostpark
Ich träume von einem Schaukelstuhl für den Balkon. In Kuba habe ich die Schaukelstühle geliebt. Aber der Balkon ist so klein. Bzw. er ist schon so vollgestellt.
Ich träume weiter vom Schaukelstuhl.
Zahlen des Tages: 97.074 und 1.478, 26.400 sind Genesene aber noch fast 70.000 aktive Fälle.
Zu viele. Es sind einfach noch zu viele und nun stellt sich heraus, dass sie doch nicht so viel Intensivbetten haben, wie sie dachten.
Twitter regt sich über ein Pimmelgedicht auf und ich sorge mich über die Welt und die Menschen.
(Über das Pimmelgedicht muss ich schmunzeln. Hab es extra gegoogelt und dann auch gleich kapiert, dass es dieser Rammstein-Mensch ist, vom dem die Rede ist. Das läuft außerhalb meiner Komfortzone, findet aber innerhalb meiner Sozialisierung statt. Scheint so als wohnt im Inneren meines Mimosenseelchen eine Kravallschachtel, die auch gerne ihren Mittelfinger zeigt.
Die meint jedenfalls: gut gemacht, ins Herz getroffen und selbstverständlich seid ihr ja alle so hold und unschuldig.
Gleichzeitig weiß ich natürlich, dass da jemand aus der bildungsbürgerlichen Mittelschicht, direkt ins Herz seiner Mittelschichtskumpan*innen trifft.
Gut gebrüllt, Löwe.
Vielleicht bleibt uns noch Zeit, die Wunden zu lecken und die Mittelfinger auszutauschen. Falls nicht, passt es gut zu unserem Untergang.)
Frühling ist draußen und mit dem warmen Wetter kommt das Problem, dass die Straßen, der Hang und der Park voll sind. Wir kommen nicht weg von hier. Müssen uns einordnen in die Lücken, die uns die anderen lassen. Zum Schluss drehen wir auf dem LKW-Parkplatz unsere Runde. Hauptsache raus.
Hauptsache sie lassen uns noch raus.
Was ist eigentlich mit den Zahlen aus Frankreich so plötzlich passiert?
Zahlen des Tages:
92.150 und 1335, sowie 26.400 Genesene und 64.420 aktive Fälle.