Fremde Teufel

Bei Che lese ich von Freunden, die durch China reisten und dort von den Kindern “fremde Teufel” gerufen wurden. Er meint, dass in anderen Ländern, die Menschen mehr ehrliches Interesse an den Fremden hätten.

Wer sagt denn, dass man an fremden Teufel kein ehrliches Interesse hat?

Ich habe die chinesischen Menschen sowohl in der Stadt als auch auf dem Land als sehr interessiert kennengelernt. Treffender ausgedrückt: Neugierig. Sie mussten alles erfahren und das, was sie erfahren haben, sofort untereinander besprechen. Auch wenn sie sich gegenseitig nicht kannten, z.B. wenn sie mit ihnen nur zufällig gemeinsam in einem kleinen Bus fuhren. Da musste jeder seinen Teil dazu beitragen, um zu erfahren, wo diese langnasigen Menschen herkommen, wo sie hinwollen, warum sie unterwegs waren und ob sie auch schon gegessen hatten. Sprachbarrieren waren keine Entschuldigung, um nicht an der Aufklärungsarbeit teilzunehmen. Gesprochen wurde mit allem was möglich war, unterbrochen wurden die Auskunftsgespräche, um innerchinesische Rücksprache und Diskussion zuhalten, und zu beratschlagen welche weiteren wichtigen Informationen noch zu ergattern sind.

Das nenne ich: Interesse. Ob es ehrlich ist, vermag ich nicht zu beantworten.

Walpurgisnacht

Myriam hat mich daran erinnert, dass heute Walburgisnacht ist, von uns früher schlicht und einfach Hexennacht genannt. Die Hexennacht war die erste Nacht – konkreter der erste Abend – an der wir als Kinder im Dunkeln unterwegs sein durften. Lange bevor uns noch der Silvester erlaubt wurde.
Das war ein Spaß! Wir durften im Dunkeln im Dorf herumlaufen und allerlei dummes Zeug anstellen. Das war quasi unsere Verpflichtung, denn für die Hexennacht wurden natürlich ein paar Hexen benötigt. Richtig derbe Scherze waren nie dabei, dazu waren wir alle viel zu brav. Ein paar versteckte Leitern hinterm Haus, Mülltonnen oder Eimer, die vertauscht wurden. Ein paar Klappläden zum Klappern gebracht. Das war es in der Regel schon. Aber die Tage vorher, die verbrachten wir immer mit den großen Plänen, ob wir nicht doch mal eine Stufe bei der Leiter von Frau F. ansägen sollten und die Hühner von Herrn S. freilassen könnten. Oder die Frau O. mal so richtig mit dem Hexengehäule erschrecken, dass sie noch am nächsten richtig ängstlich ist und uns nicht immer so beschimpft.

Kichererbsen

474 Rezepte für Gerichte mit Kichererbsen gibt es bei Chefkoch.de; und ich finde meins nicht mehr. Die Zutaten waren, so weit ich mich erinnere: Kichererbsen, Kartoffeln, Paprika, Tomate.

Es kann noch etwas dauern bis es heute Mittagessen gibt.

Pusteblume

Pusteblumen im Regen. In eine Pusteblumenwiese hat sich die Neckarwiese in diesen Tagen verwandelt.
Pusteblumen
Wie heißen Pusteblumen eigentlich auf englisch oder spanisch?

Selbstversorgung

Steter Tropfen höhlt den Stein, sagt das Sprichwort. Ich bin weder aus Stein noch aus Holz und unverwundbar bin ich auch nicht. Nur mein Kinderglaube lässt mich das im Eifer des Gefechtes, das sich Alltag nennt, vergessen. Die wichtigen Erkenntnis im Leben sind immer von verblüffender Einfachheit: Es ist wichtig, für sich selbst zu sorgen und darauf zu achten, dass man nicht unter die Räder gerät.

Ja, ja. Ich habe es mir jetzt ins Stammbuch geschrieben und werde darauf achten, dass ich mir daran erinnere.

Ausbreitung der Schweinegrippe

Vorsicht: Ruhe bewahren! Noch ist die Wahrscheinlichkeit größer, bei einem Verkehrsunfall zu sterben als an der Schweinegrippe – swine flu lautet der englische Name – und gestern habe ich irgendwo gelesen, dass die Israelis der Grippe einen Alternativnamen gegeben haben, damit sie den Namen des unreinen Tiers nicht aussprechen müssen, aber wie ihr seht ist mein Gedächtnis ein Sieb, mir fällt nicht mehr ein, wo ich es las und wie der Ersatzname lautet.

Also noch mal: Ruhe bewahren! Dann könnt ihr einen Blick auf die Live-Map werfen. Dort sie die aktuellen Grippefälle H1N1 verzeichnet.

Macht schon was her, so eine Live-Map! Mit Beschreibung der Patienten und Einschätzung ihres Gesundheitszustandes.

Ich glaub’ ich bin im falschen Film.

Regen

Das chinesische Zeichen für Regen. Zur Feier des Regentages. Für alle Hanzi-Lernenden.

Und hier noch ein kleines Regen-Gedicht.

Für alle, die es interessiert: Hier finden sich die animierten Strichfolgen der hundert gebräuchlichsten Hanzi-Zeichen.

Homosexualität ist heilbar

das sagt laut Spreeblick das CDU-Forum. Als gesamtgesellschaftliches Problem könnte es bald eingedämmt werden. Jetzt frage ich mich: Wo ist das Problem der gesamten Gesellschaft? Ich habe ein Problem, wenn ich zensiert werde und wenn ich mich nicht mehr unausgeforscht und unausgespäht bewegen kann, aber nicht, wenn meine Nachbarn oder meine Kollegen homosexuell sind.
Wäre schön, wenn man Intoleranz heilen könnte, die ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das schon viel Schaden angerichtet hat. Verdammt viel Schaden.
Gestern habe ich das Interview in der FR mit Rudi Bliggenstorfer zur Homosexualität von Golo Mann gelesen. Sollen Menschen es in unserer Gesellschaft immer noch so erdrückend erleben, dass sie homosexuell fühlen? Lieber nicht.
Aber wer heilt unsere Gesellschaft von der Intoleranz?

Schlechte Zeiten

Ich muss immer ein wenig lächeln, wenn ich in privaten Blogs die Einträge lese, wie man mit dem Bloggen Geld verdienen kann, denn in erster Linie kostet einem das Bloggen Geld und Zeit. Was aber nicht schlimm ist, denn Bloggen ist eine Leidenschaft und für die opfere ich gerne meine Zeit und auch die drei Kröten, die ich dafür aufbringen muss. Aber Geld verdienen ist nun mal das Thema unserer Zeit. Jeder will Geld verdienen und möglichst viel. Leider kann aber nicht jeder Geld verdienen, die wirtschaftlichen Zeiten sind nicht so, dass jeder den Job machen kann, den er gerne möchte. Für Journalisten ist das bitter. Sehr bitter. Für Journalisten, die es auf dem Online-Markt versucht haben genau so, wie für die, die in den letzten Monaten im Print-Bereich entlassen wurden oder die in den letzten Jahren freiberuflich für einen Hungerlohn geschrieben haben. Wenn gute Leute gehen, dann hinterlassen sie eine Lücke. Das gesteht selbst der ihnen zu, der sonst immer schimpft und diesmal keine Antwort weiß.

Wenn der Eismann dreimal klingelt

… muss es Sonntag sein. Am Sonnen-Sonntag wagt er sich ans Neckarufer. Wenn der Eismann klingelt, denke ich: Gottseidank hat sich nicht alles verändert in den letzten dreißig Jahren. Die Kinderstimmen schallen noch genauso weit, wenn sie ihre Spiele spielen. Von weitem hört es sich an, wie der Lärm im Freibad – nur nicht ganz so nass.

Jetzt habe ich mich in der Erinnerung verloren. Was ich schreiben wollte, ist mir entglitten. Weg gerutscht und ausgerutscht.