Jetzt habe ich ein paar Wochen nach einem eBook-Reader gesucht, der auch Hörbücher und Onleihe kann, bis ich Blitzmerkerin realisierte: den gibt es nicht.
Es gibt keinen fucking-stromsparenden Reader mit langlebigen Akku, der Onleihe kann. Mein alter angenagter Kindle-Touch hat eine Beta-Version instaliert zum Hören von Musikdateien. Aber langsam wird der Akku träge, also dachte ich, es ist Zeit mich umzusehen, nach einem Gerät, das mir meine nachhaltigen Wünsche erfüllt.
Aber nichts! In all diesen Jahren haben sie geschlafen und nur neue Reader entwickelt, die eigentlich Tablets sind und somit eben nicht wochenlang ohne aufladen auskommen. Es ist zum Haare raufen. Immer sitze ich da mit meinem diversen Gerätepark und träume davon, wie wundervoll es wäre, nur noch die zwei von mir ersehnten Geräte managen zu müssen.
Aber der Zug ist wohl abgefahren. So wie der mit dem Individualverkehr oder den Verbrennungsmotoren. Nachhaltig kann der Kapitalismus nicht. Wofür auch?
Der Falter erschreckt mich. Warum wählt er nicht die friedliche Methode? Raus aus dem Zimmer und zurück zur Natur? Es hätte so einfach für ihn sein können. Aber er wollte diesen Weg nicht wählen. Was blieb mir nun anderes übrig?
Ich hoffe, die kühle Luft draußen tut ihm jetzt gut und er erholt sich bald wieder. Falls er ein trockenes Plätzchen fand unter triefenden Bäumen.
Die Erkältung hab ich weggeschlafen. Mich tapfer in den letzten Arbeitstag geworfen. Selbstbild der letzten Tagen ziemlich abgegriffen. Der Fels in der Brandung, die ruhige Person am Horizont, zu der alle aufsehen.
Das Alter bringt einige Begleiterscheinungen mit sich. Würde im Glammerpack. In der Glitzerausgabe.
Der Triumph der grauen Haare.
Aufstieg mit der Rolltreppe am Hauptbahnhof in Frankfurt.
Der Termin für die Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt für das nächste Jahr ist raus. Schnell wollte ich die Buchung für die Übernachtung vornehmen, damit es mir nicht so ginge, wie in diesem Jahr. Beim Anblick der Preise wird mir ganz schummrig. Will ich das wirklich, frage ich mich? Die Hotelpreise liegen doppelt so hoch wie vor vier Jahren. Will ich das wirklich? So viel Geld ausgeben für eine kurze Reise, die ich im jeden Jahr in ein enges zeitliches Korsett drängen muss, damit An- und Abreise mit dem Zug sich eng in meinen beruflichen Rahmen schmiegen. Bisher habe ich es immer bejaht und die Anstrengungen der 12-stündigen Hin- und Rückfahrt auf mich genommen. Mit Freuden.
Aber bei diesen Preisen kann ich das nicht mehr. Es ist ähnlich wie damals bei der re:publica. Klar, könnte ich es mir leisten. Würde ich auch gerne. Aber da ist eine Schamgrenze zur Dekadenz. Das kann ich dann echt nicht mehr machen.
Für die Alternative auf Komfort zu verzichten und Mehrbettzimmer oder andere Ungemütlichkeiten auf mich zu nehmen, bin ich zu alt. Und zu unwillig.
Es gibt da so eine dünne Prinzessinnenlinie, die ich nicht überschreiten mag. Da könnt ihr euren Glitzer halt für Euch behalten. Ich hab keine Lust mich mit ins Land der unbeschränkten Geldströme abtreiben zu lassen.
Im Moment ist die Zeit besonders flüssig. Zukunft, Vergangenheit und Gegenwart schwappen ständig ineinander und vermischen sich. Von allem ist etwas da. Ausreichend in der Kategorie, Gegenwart und Zukunft. Im Überfluss in der Kategorie Vergangenheit.
Erinnerungen werden mit steigendem Lebensalter zu einem Schatzkästchen. So viel Lebenszeit in Träumen abgespeichert. So viele Geschichten. Mit Tränen, Lachen, Schmerz und Leid.
Ja, gebe ich ihm einfach den Titel “schönster Tag“. Wird noch andere gegeben haben, aber er ist mir mit seinem tiefen Glück so nahe, dass ich ihn nicht in eine Rangfolge stellen will.
Es ist unser Sommer. Ganz eindeutig. Geschenkte Zeit. Exklusiv für uns. Ein Lebensgeschenk. Das Schicksal meint es gut mit mir und ich weiß es zu schätzen. Mit jedem Atemzug.
Mein Glück. Mein Leben. Meine Liebe.
Der Sommer ist die Jahreszeit des Erntens. Hier und heute wurde viel geerntet.